Bildkritik: Über die Vorstellungen von Erfolg

Weil sie mit einem ausgeklügelten Schneeballsystem Tausende Anleger um ihr Geld gebracht haben sollen, sitzen die Gründer der Frankfurter S&K Gruppe, Stephan Schäfer und Jonas Köller seit letztem Dienstag in Untersuchungshaft. Der Fall an sich interessiert mich nicht besonders, aber ein offenbar privates Foto, das dazu auf welt.de veröffentlicht wurde, geht mir nicht mehr aus dem Kopf.

Stephan Schäfer zeigt auf mich im elegant geschnittenen schwarzen Anzug vor einer blassgelben Neubauvilla posierend, flankiert von jungen Frauen in dunkler Unterwäsche, von denen sich fünf in zwei blitzblanken Sportwagen räkeln, zwei weitere Laufsteg-Posen vorführen und sich eine achte mit einer Flasche Champagner den Oberschenkel kühlt.

Ich verstehe, was ich sehe, aber ich bin ratlos. Bildkritik: Über die Vorstellungen von Erfolg weiterlesen

Cranberry-Erdnuss-Kastenkuchen

Über die Frage, ob ich in meinem Blog auch Rezepte posten soll, habe ich lange gebrütet. Einerseits gibt es wirklich wichtigere Dinge als Essen. Andererseits: Eigentlich nicht. Und weil ich selbst so gern Rezepte aufstöbere, poste ich ab heute gelegentlich, was ich besonders lecker finde. Ich sehe ein, dass die Fantasiewelt von Kochbüchern mit der tristen Realität in unseren Vorratsschränken nichts zu tun hat, und werde daher, wann immer möglich, hinter jeder Zutat in Klammern angeben, wodurch sie notfalls ersetzt werden kann. Niemand muss wegen einer Messerspitze Muskatblüten durch die ganze Stadt fahren.

Cranberry-Erdnuss-KastenkuchenLos geht’s mit einem köstlichen (Trrrommelwirbel): Cranberry-Erdnuss-Kastenkuchen. Geschmacklich eine dreiste Kreuzung aus englischem Teekuchen, fruchtigem Zitronenkuchen und gehaltvollen Erdnussbutterkeksen.
Cranberry-Erdnuss-Kastenkuchen weiterlesen

10 Sätze über vegane Fleischersatz-Produkte

Niemand wird Veganer, weil ihm Fleisch nicht schmeckt.

Wie die Meisten hatte ich, bis ich groß und stark war, schmatzend eine Menge Schnitzel, Bratwürste, Broiler, Steaks und Knackwürste verdrückt und einige Hundert der leckersten Bouletten der Welt, die leider nur meine (!) Mutter herstellen konnte. Wie für die Meisten war die Völlerei der Genuss von Fleisch in meinem Elternhaus eine leckere Selbstverständlichkeit, auf die mein Geschmacksempfinden jahrelang konditioniert wurde, wie meine Hündin auf meinen Pfiff.

Das änderte sich nicht, als mir schließlich dämmerte wie viel Leid ich mit zu verantworten habe, damit die heiße Bockwurst schließlich fettspritzend unter meinem beherzten Biss zerplatzen kann. Das änderte sich auch nicht, als ich kapierte, was für eine ökologische Katastrophe die Produktion von knusprigen Chicken Wings ist; ich fürchte ehrlich gesagt, das wird sich nie ändern.
10 Sätze über vegane Fleischersatz-Produkte weiterlesen

Strategische Konsumverweigerung gegen schlechte Arbeitsbedingungen?

Ich glaube an die Idee, dass jede Konsumentscheidung auch eine politische Entscheidung ist. Ich glaube daran, dass es einen Unterschied macht, ob ich argentinische Äpfel kaufe oder deutsche, ob ich Fairtrade-Kaffee trinke, oder den von Nestlé, ob meine T-Shirts von Trigema sind von Takko. Obwohl ich’s wirklich nicht übermäßig dicke habe, bin ich ein großer Freund des strategischem Konsums und deshalb auch bereit, mancherorts mehr zu bezahlen, als ich anderswo müsste.

Es nervt mich sehr, wenn Menschen abstreiten, dass sie auch wählen, wann immer sie etwas kaufen. Es nervt mich, wenn versucht wird zu leugnen, dass Geld ausgeben auch mit Verantwortung zu tun hat, und zwar nicht nur für sich selbst.

Allmählich aber wird’s bisschen eng, denn wo immer ein Blick hinter die Kulissen gelingt (bei H&M, Apple, Sony, Rewe, Lidl und heute eben bei Amazon) möchte man im Strahl kotzen.
Strategische Konsumverweigerung gegen schlechte Arbeitsbedingungen? weiterlesen

10 Sätze: Was mich Pferdefleisch lehrte

In meiner Kindheit gab es einen Pferdemetzger am anderen Ende der Stadt. Wann immer ich mit meiner Mutter in der Nähe war, haben wir dort gegessen: Pferde-Roster. Soweit ich mich erinnere, waren sie merkwürdig hautlos, hatten eine Konsistenz wie lockerer Hackbraten und schmeckten süßlich, salzig, so ähnlich wie Lamm.

Als ich neun Jahre alt war, verweigerte ich plötzlich den Verzehr von Pferdebratwürsten, nachdem mir ein Pferd sehr nahe gekommen war. 10 Sätze: Was mich Pferdefleisch lehrte weiterlesen

Zweifelhaft: Mein fotografisches Gedächtnis

Seit 1. Januar 2010 führe ich einen täglichen Fotoblog. Seit 1. Januar 2011 heißt der “Photography is a promise that cannot be kept.”. Heute habe ich verstanden, was das bedeutet.

Ich fotografiere seit 10 Jahren, aber erst seit drei Jahren mit größerer Aufmerksamkeit. Dabei hat mich Technik nie interessiert. Mir ging es um Momente. Ich wollte keine kiloschwere Spiegelreflex-Ausrüstung sondern eine kleine Taschenkamera, die ich immer bei mir tragen kann. Ich gab dem Impuls nach, wenn er mich traf. Ich verstand den Impuls nicht, ich lenkte den Impuls nicht, ich habe ihn machen lassen. Mir gefiel, was ich sah. Jetzt sehe ich, was passiert ist.
Zweifelhaft: Mein fotografisches Gedächtnis weiterlesen