Ein paar Notizen zu Moria

Das Leid von Moria hat sich wie ein Schatten auf mich gelegt. Ich fühle mich heuchlerisch, kaltherzig & faul. Hier gibt es frische Brötchen, ein Höckerchen vorm Sessel & Netflix. Dort trinken Menschen Abwasser, hungern & schlafen auf der Straße.

Selten habe ich mich so wenig von dieser repräsentativen Demokratie repräsentiert gefühlt wie jetzt. Selten war das so wenig mein Europa. Selten habe ich mich so sehr vor dieser abwägenden, rationalisierenden, politischen Sprache geekelt.

“Wir brauchen eine europäische Lösung.”, “Einen deutschen Alleingang darf es nicht geben.”, “Wenn wir sie jetzt damit durchkomm lassen, wird es Nachahmer geben. Dann wird das eine Masche.” Und am schlimmsten: “Wir können doch nicht alle retten.”

Dass ich hier im Sessel sitze & nicht dort am Straßenrand ist keine Leistung, nichts auf dass ich stolz sein könnte. Es ist Glück, Zufall, Lottogewinn. Und genausowenig, wie die Leidenden dort ihr Los abwählen können, kann ich die Verantwortung abwählen, die mit meinem kommt.

Ich bin reich, lebe in Frieden, habe Zugang zu Bildung, medizinischer Versorgung & Rechtswegen. Ich kann davon etwas abgeben, ich will davon etwas abgeben & ich muss es. Dann jedenfalls, wenn ich in einer Welt leben will, die moralischer ist als eine Lotterie.

Ja, die Geflüchteten von Moria sind keine Heiligen. Sie wollen Reichtum, Frieden & Sicherheit. Wie wir. Manche sind nur auf ihren Vorteil bedacht. Vielleicht sind manche von ihnen keine guten Menschen. Wie manche von uns.

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