Bitter: Trotz bio blöd.
(Plogging #3)

Ein bisschen ist es wie ein Tick. Wenn du einmal angefangen hast, auf den herumliegenden Müll zu achten, kannst du nicht mehr damit aufhören. Ich will nicht verleugnen, dass mich das Plogging alles in allem zu einem wütenderen Menschen macht. Und auch nicht, dass mich das Müllsammeln mit zahlreichen guten Argumenten gegen die angebliche Intelligenz der Menschheit versorgt, auf die wir uns so viel einbilden.

Heute ein ganz besonders delikater Fall von: Geht’s noch?!

Leerer Kaffeebecher der Bio Company
Bitter: Blöd trotz bio

Du bist bereit einsfuffzich mehr als nötig in deinen Kaffee zu investieren, weil dir wichtig ist, dass er bio ist? Fein! Du magst, dass dein Bio-Kaffee-Dealer den Produzenten mehr zahlt als er müsste, um in den Anbauländern für auskömmliche Verhältnisse zu sorgen? Super! Du hattest deinen wiederverwendbaren Kaffeebecher heute ausnahmsweise nicht dabei? Kann passieren. Und die Biocompany macht bei Recup noch nicht mit? Nicht deine Schuld. Aber wenn du deinen ethisch korrekten Wachmacher schon in einem von 480.000 Einwegbechern mit 15 Minuten Lebenszeit kaufen musst, die allein in Berlin jeden einzelnen Tag verbraucht werden, dann versau doch nicht den ganzen Spaß, indem du ihn einfach ins Gebüsch schmeißt, wenn er leer ist.

Dieses Mal habe ich in weggeräumt für dich.
Nächstes Mal schaffst du das selber, Prinzessin.
Gefälligst.
Ist nämlich nicht dein verdammtes Königreich hier.
Sondern unser aller.

Plogging #2: Da ist Müll im Wald, aber was ist in euren Köpfen?

Das Müllsammeln letzte Woche hat mich noch ziemlich lange beschäftigt. Heute waren wir wieder unterwegs. Es gibt so vieles, was ich einfach nicht kapiere. Hier mal exemplarisch drei Dinge.

  • Hundekacke. Widerlich, ja. Stinkt, klebt, sieht hässlich aus. Soll man wegmachen. Dafür gibt es kleine Beutelchen. Manche abbaubar, die meisten aber aus Kunststoff und damit im Gegensatz zu dir oder deinem Hund bestens gewappnet, die nächsten 1.000 Jahre zu überleben. Wenn dein Hund in den Wald kackt und weit und breit kein Mülleimer zu sehen ist, dann lass den Scheiß doch bitte einfach liegen. Ein engagiertes Team aus Mikroben, Käfern & Scheißhausfliegen kümmern sich drum. Aber Hundekacke im Wald in ein Plasticksackerl zu füllen, dieses zuzuknoten und ins Gebüsch zu schmeißen ist ungefähr so sinnvoll, wie im Winter bei offenem Fenster das Weltall zu heizen oder den Wald mit Badreiniger zu putzen. Meine Güte!
  • Glasflaschen. Es hat in Berlin seit Mai genau vier mal geregnet. Nie länger als eine Stunde. Waldbrandstufe 4 ist keine Bild-Schlagzeile zur Auflagensteigerung, sondern tatsächlich sehr gefährlich. Wir hatten dieses Jahr schon Waldbrände und den letzten konnte ich auf meinem Balkon riechen. Deine weggeschmissene Glasflasche verrottet nicht in 1.000 Jahren, sondern überhaupt gar nie nie nie. Deshalb finden Archäologen noch heute jahrtausendealte Glaskaraffen im Untergrund, bevor wir schicke neue Shopping-Malls drauf bauen. Wenn du zu faul bist, deine Glasflasche wieder dahin mitzunehmen, woher du sie mit gebracht hast, schmeißt du damit ein Brennglas in den Wald, das den Ausbruch des nächsten Waldbrandes begünstigt. Das ist wie Lotto. Nur in böse.
  • Getränkekartons. Saft, Billigwein, Milchmixgetränke. Lecker für unterwegs. Und praktisch. Immerhin ist der Karton viel leichter als Glas,  und lässt sich wenn er leer ist flach zusammenfalten um ihn einfach wieder mit nach Hause zu nehmen und in die gelbe Tonne zu entsorgen. Auf dem Waldboden hat das ausgeklügelte Konglomerat von Wachs, Aluminium, Papier und Kunststoff jedenfalls keine Chance zu verschwinden – der Ort wird hässlicher sein, wenn du jemals zurück kommst. Mach das also lieber nicht.
Plogging2
Plogging, zweiter Versuch

Jedenfalls sind mein Mann und ich heute wieder aufgebrochen. Diesmal mit einem 100 Liter Müllsack. Wir haben 40 Minuten gebraucht um den Sack im Volkspark Jungfernheide komplett voll zu machen. Ein bisschen hat sich das tatsächlich nach Sport angefühlt. Regelmäßiges Bücken, Schleppen von einigen Kilo Gewicht und bisschen Strecke macht man auch. Vielleicht wird Plogging ja doch zur neuen Trendsportart. Die Natur würde es uns danken.

Nehmt euren Müll mit nach Hause oder ich machs – aber ich raste aus!

Ich wohne 300 Schritte von einem Berliner Volkspark entfernt und die Hündin und ich genießen es sehr, unsere freien Tage mit langen Spaziergängen dort zu beginnen. Mitunter ist die Jungfernheide wirklich bezaubernd.

Das spricht sich herum – leider. Wer Berliner Volksparks mag, lernt Menschen hassen. Denn dass Müll in entsprechende, dafür vorgesehene Behälter gehört und nicht ins Gebüsch, zählt für viele offenbar zu der Art unangenehmer Wahrheiten, die man zugunsten der eigenen Unbeschwertheit lieber ignoriert. Yolo, du weißt schon. Nehmt euren Müll mit nach Hause oder ich machs – aber ich raste aus! weiterlesen

Nüsse & Kultur

In Charlottenburg gibt es jetzt einen Laden nur für Nüsse und Trockenfrüchte. Bis auf die Straße riecht es süß, geröstet, nach Honig und Obst.

Als ich den Laden betrete, fühle ich mich erinnert an meinen ersten Urlaub in der Türkei. Ich war zwölf Jahre alt, zum ersten Mal im Ausland und alles, alles war erstaunlich für mich. Jetzt wieder. Aber jetzt bin ich in Berlin, wie an jedem Wochenende, mitten in Deutschland. Nüsse & Kultur weiterlesen

Butler auf dem CSD: Politisch ist anders!

Dass der Berliner Mainstream-CSD schon seit einigen Jahren keine politische Veranstaltung mehr ist, kann niemandem entgangen sein. Zu Abba-Hits im schrägen Elektro-Megamix wackeln sich Boys und Bären, Butches und Femmes in knappen Karnevalskostümen durch die halbe Stadt zur Siegessäule (und dieses Jahr weiter zum Brandenburger Tor), den neuesten Alkopop in der einen und die heiß gelaufene Digicam in der anderen Hand. Grundsätzlich wäre gegen eine halbnackt gefeierte, sommerliche Open-Air-Disko ja auch überhaupt nichts einzuwenden, würde sie nicht an die gefährlichen Demonstrationen von Schwulen und Lesben gegen die gewaltsamen Razzien in Homoclubs im New York der 60er Jahe erinnern und davon ausgehend für die Rechte Homosexueller in unserer Gesellschaft eintreten wollen.
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