Plogging #2: Da ist Müll im Wald, aber was ist in euren Köpfen?

Das Müllsammeln letzte Woche hat mich noch ziemlich lange beschäftigt. Heute waren wir wieder unterwegs. Es gibt so vieles, was ich einfach nicht kapiere. Hier mal exemplarisch drei Dinge.

  • Hundekacke. Widerlich, ja. Stinkt, klebt, sieht hässlich aus. Soll man wegmachen. Dafür gibt es kleine Beutelchen. Manche abbaubar, die meisten aber aus Kunststoff und damit im Gegensatz zu dir oder deinem Hund bestens gewappnet, die nächsten 1.000 Jahre zu überleben. Wenn dein Hund in den Wald kackt und weit und breit kein Mülleimer zu sehen ist, dann lass den Scheiß doch bitte einfach liegen. Ein engagiertes Team aus Mikroben, Käfern & Scheißhausfliegen kümmern sich drum. Aber Hundekacke im Wald in ein Plasticksackerl zu füllen, dieses zuzuknoten und ins Gebüsch zu schmeißen ist ungefähr so sinnvoll, wie im Winter bei offenem Fenster das Weltall zu heizen oder den Wald mit Badreiniger zu putzen. Meine Güte!
  • Glasflaschen. Es hat in Berlin seit Mai genau vier mal geregnet. Nie länger als eine Stunde. Waldbrandstufe 4 ist keine Bild-Schlagzeile zur Auflagensteigerung, sondern tatsächlich sehr gefährlich. Wir hatten dieses Jahr schon Waldbrände und den letzten konnte ich auf meinem Balkon riechen. Deine weggeschmissene Glasflasche verrottet nicht in 1.000 Jahren, sondern überhaupt gar nie nie nie. Deshalb finden Archäologen noch heute jahrtausendealte Glaskaraffen im Untergrund, bevor wir schicke neue Shopping-Malls drauf bauen. Wenn du zu faul bist, deine Glasflasche wieder dahin mitzunehmen, woher du sie mit gebracht hast, schmeißt du damit ein Brennglas in den Wald, das den Ausbruch des nächsten Waldbrandes begünstigt. Das ist wie Lotto. Nur in böse.
  • Getränkekartons. Saft, Billigwein, Milchmixgetränke. Lecker für unterwegs. Und praktisch. Immerhin ist der Karton viel leichter als Glas,  und lässt sich wenn er leer ist flach zusammenfalten um ihn einfach wieder mit nach Hause zu nehmen und in die gelbe Tonne zu entsorgen. Auf dem Waldboden hat das ausgeklügelte Konglomerat von Wachs, Aluminium, Papier und Kunststoff jedenfalls keine Chance zu verschwinden – der Ort wird hässlicher sein, wenn du jemals zurück kommst. Mach das also lieber nicht.
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Plogging, zweiter Versuch

Jedenfalls sind mein Mann und ich heute wieder aufgebrochen. Diesmal mit einem 100 Liter Müllsack. Wir haben 40 Minuten gebraucht um den Sack im Volkspark Jungfernheide komplett voll zu machen. Ein bisschen hat sich das tatsächlich nach Sport angefühlt. Regelmäßiges Bücken, Schleppen von einigen Kilo Gewicht und bisschen Strecke macht man auch. Vielleicht wird Plogging ja doch zur neuen Trendsportart. Die Natur würde es uns danken.