Fokus auf Freiheit: Das neue Framing der sog. AFD

Jörg Meuthen hat gestern anlässlich des deutschen Nationalfeiertags ein Video veröffentlicht, in dem er seine Sorge um unser Vaterland zum Ausdruck bringt. Auf Twitter erntet das Video viel Spott wegen der pseudo-staatsmännischen Aufmachung und den zugegeben irritierend lauten Mund- und Speichelgeräuschen Meuthens. Trotzdem lohnt sich das Zuhören.

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Müllsammeln wirkt!
(Plogging #4)

Inzwischen habe ich es ein paar Mal gemacht, inzwischen habe ich bisschen Routine. Im Grunde kann man einen leeren Müllsack zumindest in Berlin auf jedem Waldspaziergang gebrauchen. Und ein paar Einweghandschuhe auch, denn manchmal wird es zugegeben bissi widerlich. Aber inzwischen stresst es mich mehr, den Müll mangels Transportbehältnis in der Natur liegen lassen zu müssen, als ein bisschen Ausrüstung mit mir herumzutragen, nur für den Fall dass.

Was ich inzwischen auch gelernt habe, ist mir nicht mehr bescheuert dabei vorzukommen, mit einem Müllsack auf dem Rücken durch den Wald zu stolpern um die manifestierte Dummheit anderer Menschen wegzuräumen. Anfangs habe ich lieber einen kleinen Umweg gemacht, wenn mir jemand entgegenkam oder bin abgebogen, um die Begegnung zu vermeiden. Von den Malen in denen mir das nicht gelungen ist weiß ich aber, dass sie Scham meist nicht meinerseits ist.

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(Plogging #4)
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Plogging #2: Da ist Müll im Wald, aber was ist in euren Köpfen?

Das Müllsammeln letzte Woche hat mich noch ziemlich lange beschäftigt. Heute waren wir wieder unterwegs. Es gibt so vieles, was ich einfach nicht kapiere. Hier mal exemplarisch drei Dinge. Plogging #2: Da ist Müll im Wald, aber was ist in euren Köpfen? weiterlesen

Nehmt euren Müll mit nach Hause oder ich machs – aber ich raste aus!

Ich wohne 300 Schritte von einem Berliner Volkspark entfernt und die Hündin und ich genießen es sehr, unsere freien Tage mit langen Spaziergängen dort zu beginnen. Mitunter ist die Jungfernheide wirklich bezaubernd.

Das spricht sich herum – leider. Wer Berliner Volksparks mag, lernt Menschen hassen. Denn dass Müll in entsprechende, dafür vorgesehene Behälter gehört und nicht ins Gebüsch, zählt für viele offenbar zu der Art unangenehmer Wahrheiten, die man zugunsten der eigenen Unbeschwertheit lieber ignoriert. Yolo, du weißt schon. Nehmt euren Müll mit nach Hause oder ich machs – aber ich raste aus! weiterlesen

Nüsse & Kultur

In Charlottenburg gibt es jetzt einen Laden nur für Nüsse und Trockenfrüchte. Bis auf die Straße riecht es süß, geröstet, nach Honig und Obst.

Als ich den Laden betrete, fühle ich mich erinnert an meinen ersten Urlaub in der Türkei. Ich war zwölf Jahre alt, zum ersten Mal im Ausland und alles, alles war erstaunlich für mich. Jetzt wieder. Aber jetzt bin ich in Berlin, wie an jedem Wochenende, mitten in Deutschland. Nüsse & Kultur weiterlesen

Virtual Reality – Brett vorm Kopf (2016 Remix)

Heute früh im Morgenmagazin haben sie Microsofts Hololens von Moderator zu Moderatorin gereicht und öffentlichkeitswirksam gestaunt. Zwar schon schwer das Ding, aber doch: derbe cool. Kurz vorher haben sie ein paar Einspieler gezeigt von dem Spaß, den sie am Wochenende im Studio mit der Brille hatten. Einer hat einen virtuellen Hund neben sich aufs Sofa gesetzt und dann putzig mit ihm gespielt. Die Kollegen von der Sportschau haben einen virtuellen Wal an die Studiodecke gehängt – lustig. Ein Experte erläuterte dann, wie VR-Brillen die Zukunft der Arbeit beeinflussen werden: Mitarbeiter die Maschinen warten sollen, kriegen die Anleitung dazu künftig direkt in ihr Sichtfeld eingeblendet, Chirurgen kann man Vitaldaten des Patienten einblenden und Taxifahrern Navigationshinweise, also zumindest so lange es noch Taxifahrer gibt. Virtual Reality – Brett vorm Kopf (2016 Remix) weiterlesen

Warum ich befürchte, dass am 21.01. weniger Menschen gegen Legida demonstrieren

Auch wenn der Hintergrund sehr ernst ist, kommt es mir manchmal wie ein Spiel vor: Neonazis und Gefolgschaft melden Demonstrationen für reinrassigere Deutschtümelei an und Tausende Leipziger machen es sich zur Aufgabe, ihre braunen Aufmärsche gar nicht erst vom Fleck kommen zu lassen. Das ist zwar erfreulich, bedeutet aber leider nicht, dass man sich als Schwarze/r in Leipzig wohlfühlen kann, wie u.a. bei Ali Himpenmacher nachzulesen ist. Wir Leipziger achten lediglich sehr auf unsere Außenwirkung. Ein Pegida-PR-Desaster wie es Dresden gerade erlebt, würden wir uns niemals erlauben. Stadt der Wende, Leipziger Freiheit und so.

Deshalb war es zwar beachtlich aber für mich nicht überraschend, dass letzten Montag 35.000 Menschen für die Vielfalt und gegen die irrationalen Ängste der Legida-Anhänger auf die Straße gegangen sind. Ich befürchte allerdings, dass es am kommenden Mittwoch, wenn Legida in die zweite Runde geht, deutlich weniger Menschen sein könnten. Grund ist die schlechte Ordnung der Demonstrationszüge durch die Polizei. Leipzig nimmt Platz ist wichtig und richtig. Meine körperliche Unversehrtheit ist mir allerdings wichtiger.

Meine Freunde und ich sind letzten Montag in der Demo mitgelaufen, die sich vom Nikolaikirchhof über den Ring, die Karl-Tauchnitz-Staße und schließlich die Friedrich-Ebert-Straße zum Waldplatz bewegte. Ich kann nicht sagen, wie viele Menschen diese Route wählten, weiß aber, dass die Friedrich-Ebert-Straße zu Spitzenzeiten über drei Viertel ihrer Länge mit Gegendemonstranten gefüllt war. Das klingt toll, das sah auch toll aus, das fühlte sich nur leider nicht so toll an. Besonders für jene nicht, die sich am Kopf dieses Demonstrationszuges befanden. Der nämlich endete abrupt als er auf den ohnehin schon völlig überfüllten Walplatz traf. Dort ging nichts mehr. Kein Schritt vor, kein Schritt zurück.

Die Menschen auf der Friedrich-Ebert-Straße drängten auf den Waldplatz und niemand sagte ihnen, dass sie da nicht mehr hin passen würden. So erhöhte sich der Druck auf jene, die sich schon auf dem Waldplatz befanden. Das alles kann passieren, wenn ungefähr dreimal so viele Menschen zu einer Demonstration kommen, wie erwartet. Dann aber muss durch die Polizei flexibel reagiert werden. Das Schaffen von Fluchtwegen ist kein Hexenwerk.

Als den ersten Gegendemonstranten kalt wurde, sie pinkeln mussten oder sich in der Enge einfach so unwohl fühlten, dass sie die Demonstration gern verlassen wollten, stellte sich nämlich heraus, dass dies nicht möglich war. Sowohl der Zugang zur Wilmar-Schwabe-Straße (Westen) als auch der Zugang zur Jahnallee (Osten) war durch Polizeiwagen uns Zäune versperrt, so dass ein Abfluss der Demonstranten nicht möglich war. Lediglich Anwohner, die ihre Anwohnerschaft durch ihre Personalausweise beweisen konnten und Personen, die gesundheitliche Probleme glaubhaft machten, durften den Demonstrationszug nach intensiver Einzelkontrolle durch Polizeikräfte verlassen. Den übrigen eingekeilten Menschen wurde durch die Ordnungskräfte empfohlen, „die Demonstration auf dem gleichen Weg zu verlassen, den sie gekommen waren.“ Allen Ernstes.

Mach das mal. Kämpfe dich mal durch drei bis vierhundert Meter in Gegenrichtung drängende Demonstranten, an das Ende einer Demonstration. Man muss weder Klaustrophobiker noch Soziopath sein, um das sehr unangenehm zu finden. Wir haben dafür fast 30 Minuten gebraucht und sind mindestens zwei Dutzend Menschen auf die Füße getreten.

Die Stimmung am Kopf der Friedrich-Ebert-Straße war entsprechend angespannt. Das Gedränge und Geschubse hat die Menschen gestresst und meinem Empfinden nach hätte ein Böller oder ein geworfener Pflasterstein gereicht, um die Demonstranten – verständlicherweise – in Panik zu versetzen. In einer von der Polizei künstlich geschaffenen Sackgasse hätte das leicht in einer Katastrophe enden können. Zumal es gezündete Böller gab. Und fliegende Pflastersteine. Und brennende Autos. Nur eben glücklicherweise etwas später, als außer uns schon einige Tausend andere Demonstranten nach Hause gegangen waren.

Viele mit denen ich spreche, haben das ähnlich brenzlig empfunden. Viele sind sich, auch angesichts des hirnlosen linksextremen Randale-Intermezzos vom Donnerstag, unsicher, ob sie am 21.01. selbst wieder Gesicht zeigen. Zumal es ja inzwischen auch eine Online-Petition gegen Legida gibt, durch die sich viel gemütlicher demonstrieren lässt.

Ich werde da sein. Und meine Freunde auch. Wenn auch sicher nicht mehr in der ersten Reihe. Legida darf nicht laufen.

Stolz darauf, schwul zu sein?

Jedes Mal, wenn sich eine öffentliche Person als homosexuell outet, bin ich irritiert. Plötzlich steht da  eine Schauspielerin, ein Fußballer, ein Apple CEO und erzählt, in welche Sorte Mensch sie oder er sich verliebt und wie großartig das sei. Eben ging es noch um Filme, Sport oder Telefone — eigentlich immer ums Geschäft — und auf einmal steht da ein Mensch und spricht, meistens sehr ergriffen, über Liebe die im Allgemeinen und seine intimsten Gefühle im ganz Speziellen.

Immer dauert es ein paar Minuten, bevor mir einfällt, was für verdammtes Glück ich habe. Wäre ich ein paar Hundert Kilometer östlich geboren, in Polen oder Russland zum Beispiel oder ein paar Hundert Kilometer südlich, vielleicht in der oberbayrischen Provinz, käme es mir auch besonders vor, schwul zu sein. Und zwar nicht besonders schön. Würde ich von diesen Standpunkten aus auf die Welt blicken, wäre ich sicher auch dankbar für jedes Idol, das mit viel Tamtam „Ich auch!“ ruft.

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Vergänglichkeit per Design am Beispiel des SICHER Messengers

Die Stuttgarter Shape.AG, die in Wirklichkeit eine GmbH ist, hat neben dem von ihr herausgegeben IM+ einen neuen Instant Messenger für Mobiltelefone veröffentlicht. Er heißt SICHER und soll genau das sein. Nachrichten werden verschlüsselt übertragen und laufen ausschließlich über deutsche Server, auf denen sie nicht gespeichert werden. Der Messenger ist hübsch, schnell, gratis und steht von Beginn an für Android, iOS und Windows Phone zur Verfügung. Auskenner finden die verwendeten Schlüssel zu kurz und warnen generell davor Apps zu vertrauen, deren Quellcode nicht offen liegt. Vergänglichkeit per Design am Beispiel des SICHER Messengers weiterlesen

Über Schönheit & Bedeutung der Conchita Wurst

Hat Europa wirklich begriffen, was außer Conchita Wurst den Eurovision Song Contest gewonnen hat? Sind wir wirklich so cool? Oder übertreibe ich mal wieder?

Travestie, das weiß ich auch aber leider nicht nur aus eigener Erfahrung, ist ein heißes Eisen. Viel zu oft kippt sie in die bloße Reproduktion überzogener Geschlechterklischees. Dass Männer aber wie kruden Schönheitsidealen hoffnungslos erlegene Frauen aussehen können, hilft niemandem. Und dass es Frauen gelingt, Manta-Kalle aus den 80ern auferstehen zu lassen, macht auch niemanden freier. Denn mit dem Äußeren wechselt auch der Habitus und übrig bleiben: Diven und Gigolos. Die aber haben mit Frausein und Mannsein ungefähr so viel zu tun, wie ein gängiger ESC mit guter Musik.

Bei Conchita ist das anders. Zwar bedient auch sie sich der gängigen Klischees, besitzt aber die Frei- und Frechheit, aus dem abgegriffenen Bauchladen der Geschlechter-Indikatoren solche zu wählen, deren Kombination strengsten verboten ist. Dadurch gelingt es ihr besser als anderen Travestiekünstlern, diese Indikatoren als das zu entlarven, was sie sind: Karnevalsmasken. Kostüme. Instagram-Filter. Jedenfalls keine Schicksale. Nichts Gottgegebenes. Kein „Frauen sind so, Männer sind so“. Über Schönheit & Bedeutung der Conchita Wurst weiterlesen