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	<title>Kopfkompass</title>
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		<title>Was mich meine Hündin lehrt</title>
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		<pubDate>Sat, 19 May 2012 08:30:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ron</dc:creator>
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		<description><![CDATA[In diesen Augenblicken werden meiner Hündin Eierstöcke und Gebärmutter entfernt. Beide Organe sind entzündet und bereiten ihr Schmerzen. Das ist meine Schuld. Mir ist übel, mir ist kalt und ich fürchte mich. <a href="http://kopfkompass.de/2012/05/schuld-dankbarkeit-und-was-mich-meine-hundin-lehrt/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://kopfkompass.de/2012/05/schuld-dankbarkeit-und-was-mich-meine-hundin-lehrt/wp_000244/" rel="attachment wp-att-1061"><img class="alignleft size-medium wp-image-1061" src="http://kopfkompass.de/wp-content/uploads/2012/05/WP_000244-243x300.jpg" alt="" width="243" height="300" /></a>In diesen Augenblicken werden meiner Hündin Eierstöcke und Gebärmutter entfernt. Beide Organe sind entzündet und bereiten ihr Schmerzen. Das ist meine Schuld. Mir ist übel, mir ist kalt und ich fürchte mich.</p>
<p>Milda ist seit fünf Jahren bei mir und genauso lange habe ich mich um die Kastration gedrückt. Eine Operation erfordert immer die Verletzung des Körpers. Sie erfordert immer Narkose, Wunde und Schmerz. Möglicherweise verursacht sie ein Trauma und beschädigt das Vertrauen. Mir war das zu teuer.</p>
<p>Es hat mich nie gestört, dass Milda zweimal im Jahr läufig wurde und ich ihr dann permanent hinterherwischen musste. Sie ist mir auch nie ausgebüxt. Sie war immer gehorsam. Und die Idee, Eierstock- oder Gebärmutterkrebs zu vermeiden, indem man beides vorsichtshalber entfernt, erschien mir immer – ja, es ist das richtige Wort – pervers. Als würde ich mich prophylaktisch von meiner Prostata trennen.</p>
<p>Wie nun von der Ahnung zur Gewissheit wird, ist es ebenso pervers, eine Hündin nicht kastrieren zu lassen, ihr aber trotzdem die Fortpflanzung zu verbieten. Indem ich sie eben nicht laufen lasse, wenn sie läufig ist, handele ich gegen ihre Natur. Die vielen unbefruchteten Zyklen haben nun zum Verkleben der Gebärmutter und zur Entzündung der Eierstöcke geführt.</p>
<p>Um dem Wesen meiner Hündin gerecht zu werden, hätte ich ihr erlauben müssen, Junge zu haben. Zweimal im Jahr. Das allerdings passt nicht zu meinem Wesen, genauer: zu meinen Lebensumständen. Ich habe einen Job, ich lebe in zwei Städten, habe aber in beiden nur eine kleine Wohnung, die ich nicht mit neun oder zehn Welpen teilen möchte. Ich kann keine zehn Welpen im Freundes- und Bekanntenkreis unterbringen. Ich will sie aber ebenso wenig ins Tierheim geben. Das einzige Argument, mit dem ich die Haltung eines Hundes überhaupt vor mir rechtfertigen kann, ist ja gerade, dass er es bei mir besser hat als in dem Tierheim, aus dem ich ihn geholt habe.</p>
<p>Das alles im Blick, bleibt mir nur eine Schlussfolgerung: Hunde sollten nicht bei Menschen leben. Generell sollten Tiere nicht bei Menschen leben. Ich glaube nicht, dass es möglich ist, Haustiere artgerecht zu halten. Und gerade wenn man Tiere liebt, muss man doch ein Interesse daran haben, das sie ihrem Wesen entsprechend leben können. Und zwar in Freiheit.</p>
<p>Wahr ist aber auch, dass wir unseren Bezug zu Tieren verlieren, wenn wir sie nur noch in Tierdokumentationen erleben. (In Zoos oder auf Bauernhöfen haben Tierliebhaber der oben beschriebenen Logik folgend ja wohl nichts verloren.) Und wahr ist ebenso, dass ich von meiner Hündin Dinge gelernt habe, die mein Leben sehr wesentlich verändert haben. Verbessert nämlich.</p>
<ol>
<li>
<div>Es klingt albern, romantisch und ein bisschen zu einfach, aber es stimmt: Mein Hund hat mich gelehrt, wie wenig nötig ist zum Glücklichsein. Natürlich: Die Anforderungen eines Hundes sind geringer als die eines Menschen. Aber auch den kann ein Spaziergang mit offenen Augen, offener Nase und offenem Herzen glücklich machen. Insbesondere dann, wenn ein zufriedener Hund mit wedelndem Schwanz vor ihm herläuft. Oft begreife ich unterwegs, wie künstlich und zivilisiert meine Probleme sind. Und dass <em>im Grunde</em> alles in Ordnung ist.</div>
</li>
<li>Weil meine Hündin eine Struktur braucht, habe ich seit ihrem Einzug auch eine. Sie muss morgens zeitig raus, also muss ich es auch. Jeden Nachmittag bin ich wenigstens für eine Stunde in der Natur unterwegs, meistens länger. Abends gibt es einen dritten Spaziergang, egal bei welchem Wetter. Seitdem erlebe ich die Jahreszeiten sehr genau, das Wachsen und das Schrumpfen der Natur. Ich bin klarer im Kopf, weil ich genügend Zeit zum Sortieren habe. Außerdem passt mein Biorhythmus besser zu den Uhrzeiten.</li>
<li>Wenn ich meiner Hündin in die Augen blicke, sehe ich kein Kuscheltier sondern ein Gegenüber. Vieles was ich tue (auf den vorderen Plätzen: Bloggen) versteht sie nicht. Vieles andere aber sehr genau. Anhand kleinster Gesten schlussfolgert sie, was ich als nächstes tun werde. Wenn wir gemeinsam unterwegs sind, brauche ich kaum Worte. Meine Hündin spielt und jagt, sucht Nähe und Freiraum, träumt und wacht. Sie beschützt mich furchtlos, was mir – des Nachts in Berliner U-Bahnen unterwegs – schon einige Male sehr recht war. Und sie sucht Schutz in Situationen, die ihr fremd sind. Wir sind ein Team, obwohl sie ein Hund ist. Es hat deshalb nicht lange gedauert, bevor mir in Mildas Gegenwart die Begründungen dafür ausgegangen sind, Tiere schlechter zu behandeln als Menschen. Und wenn ich eine Seele hinter den Augen meiner Hündin entdecke, warum sollte ich dann hinter denen einer Legehenne oder denen einer Milchkuh keine finden können? Meine Hündin hat mich gelehrt, dass Wert keine Kategorie in Bezug auf Leben sein darf. Seitdem kann ich keiner Fliege mehr etwas zu leide tun. Auch Mücken nicht. Nur Zecken.</li>
</ol>
<p>Inzwischen ist Milda aus der Narkose erwacht und schielt mich benommen an. Ihr Fell ist blutverkrustet. Sie stinkt nach Desinfektion. Ich habe die Operation beauftragt und ich bin verantwortlich dafür, dass sie nötig wurde. Ich liebe meinen Hund, aber meinem Verhalten ist das nicht zu entnehmen. Wenn die Betäubung nachlässt, wird Milda Schmerzen haben. Das ist meine Schuld. Was sie mich lehrte zu behalten und zu verbreiten ist das einzige, das ich tun kann, um mein Gewissen einigermaßen zu beruhigen.</p>
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		<title>2 Millionen Tonnen Fleisch in 91 Tagen</title>
		<link>http://kopfkompass.de/2012/05/2-millionen-tonnen-fleisch-in-91-tagen/</link>
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		<pubDate>Thu, 17 May 2012 10:34:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ron</dc:creator>
				<category><![CDATA[Konsum]]></category>
		<category><![CDATA[Maschine]]></category>
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		<description><![CDATA[&#8220;Im ersten Quartal 2012 wurden in Deutschland 2 Millionen Tonnen Fleisch in gewerblichen Schlachtbetrieben erzeugt.&#8221; Bravo! Das Statistische Bundesamt muss einen sachlichen und neutralen Ton für seine Pressemitteilungen wählen, auch für jene zur jüngsten Entwicklung der Fleischproduktion in Deutschland. Beim &#8230; <a href="http://kopfkompass.de/2012/05/2-millionen-tonnen-fleisch-in-91-tagen/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>&#8220;Im ersten Quartal 2012 wurden in Deutschland 2 Millionen Tonnen Fleisch in gewerblichen Schlachtbetrieben erzeugt.&#8221;</p></blockquote>
<p>Bravo! Das Statistische Bundesamt muss einen sachlichen und neutralen Ton für seine Pressemitteilungen wählen, auch für jene zur <a href="https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/Wirtschaftsbereiche/LandForstwirtschaft/TierischeErzeugung/Aktuell.html?nn=50908">jüngsten Entwicklung der Fleischproduktion in Deutschland</a>. Beim oben zitierten Satz ist dies einwandfrei gelungen. Auf den ersten Blick. Heftet man ihn aber nicht schnell genug in den Ordner &#8220;Zur Kenntnis genommen&#8221; weg, brechen seine Worte auf wie Knospen:</p>
<p>Das ist Literatur! Wie arglos diese fünfzehn Worte daherzukommen versuchen und welche Schlagkraft ihnen doch eigen ist! Wie viel Zeitgeist, wie viel Ideologie und wie viel Kälte darin steckt! Wie präzise der Konsens-Schleier beschrieben ist, den wir kollektiv über Grausamkeiten drapiert haben!</p>
<p>Ich habe Mühe, sachlich zu bleiben und kann mir eine kleine Demontage leider nicht verkneifen.<br />
<span id="more-1013"></span><br />
<strong>Es ist von Tonnen die Rede.<br />
</strong></p>
<p>Eine Tonne sind eintausend Kilo. Ich muss mir das vor Augen führen, weil ich dazu neige, beim Wort &#8220;Tonne&#8221; an ein Fass zu denken. Ein Bierfass wiegt höchstens hundert Kilo, für eine Tonne bräuchte man also zehn. Wir reden aber nicht von einer Tonne. Sondern von zwei Millionen Tonnen. Pro Quartal. Ich kann mir das nicht vorstellen, also rechne ich. Zwei Millionen Tonnen in 91 Tagen sind knapp 22.000 Tonnen an jedem einzelnen Tag. Also 916 Tonnen pro Stunde. Also fünfzehn Tonnen pro Minute. Wir produzieren 15.000 Kilo Fleisch in jeder einzelnen Minute? Allein in Deutschland? Kann ich mir immer noch nicht vorstellen.</p>
<p><strong>Wir reden von Fleischerzeugung.<br />
</strong></p>
<p>Nicht von Tierhaltung. Oder wenigsten Viehmast. Wir erzeugen Fleisch. Und wir reden darüber, als wäre das so ähnlich, wie Strom zu erzeugen. Oder Papier. Oder Mehl. Wir reden darüber, als wäre Fleisch eine Legierung wie Stahl, die wir aus verschiedenen Rohstoffen zusammenschmelzen. Als wäre es ein Produkt aus unbelebter Materie, ein Industrieartikel geboren aus deutscher Ingenieurskunst. Wir vermeiden es, über Tiere zu reden. Über Kühe. Über &#8220;Luise&#8221; vielleicht. Deswegen erwähnen wir auch nicht die Anzahl der getöteten Tiere, sondern nur die Summe ihres Gewichtes. (Ist das eigentlich vor oder nach dem Aubluten?) Beim Wort &#8220;erzeugen&#8221; denke ich an Fabriken, an Maschinen und an Müllverbrennungsanlagen. Das ist auszuhalten. Doch Obacht! Wenn man das Wort &#8220;erzeugen&#8221; zu lange anstarrt, entblößt es seine lebendige Herkunft!</p>
<p><strong>Wir reden von gewerblichen Schlachtbetrieben.<br />
</strong></p>
<p>Nicht von Bauernhöfen. Oder Farmen. Oder Ställen, meinetwegen. Das ist mutig, weil wahrhaftig. Wo Schweine, Rinder und Hühner heute noch vorkommen, sollen sie nicht leben sondern sterben. Man erzeugt Fleisch, indem man ein Tier schlachtet. Deswegen Schlachtbetriebe. Die sind gewerblich. Das bedeutet auch: zutiefst demokratisch. Gewerbliche Schlachtbetriebe lassen sich wählen oder abwählen. Wir können mit unseren Portmonees voten. Jeden Tag.</p>
<p>Es lohnt sich, diese <a href="https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/Wirtschaftsbereiche/LandForstwirtschaft/TierischeErzeugung/Aktuell.html?nn=50908">Presseerklärung</a> weiterzulesen, auch wenn sie permanent die Grenzen der menschlichen Vorstellungskraft sprengt. Als kleine Interpretationshilfe gebe ich gern folgende Dokumente an die Hand:</p>
<ul>
<li><a href="http://www.tagesschau.de/inland/eckertinterview100.html">Interview</a> zum kürzlich vorgelegten WWF Bericht &#8220;<a href="http://www.wwf.de/themen-projekte/biologische-vielfalt/reichtum-der-natur/der-living-planet-report/">Living Planet 2012</a>&#8221; aus dem hervorgeht, dass<strong> Deutschland mehr als doppelt so viele biologische Ressourcen verbraucht, wie es selbst zur Verfügung hat</strong>, sowie eine</li>
<li><a href="http://www.bvdf.de/in_zahlen/tab_06/">Tabelle</a> des Bundesverbandes der deutschen Fleischwarenindustrie, die belegt, dass<strong> jeder Deutsche im Jahr 2010 89,3 Kilo Fleisch gegessen hat</strong> (nur etwas weniger als mich also), was laut dem</li>
<li><a href="http://www.bvdf.de/in_zahlen/tab_06/">Kampagnenblatt</a> von Brot für die Welt vom März 2010 <strong>fast 2 ½ so viel ist, wie im internationalen Durchschnitt</strong> verzehrt wird.</li>
</ul>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Im Namen des Volkes: Hinrichtungen in Leipzig</title>
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		<pubDate>Sun, 06 May 2012 08:51:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ron</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Zwischen 1960 und 1981 wurden mitten in der belebten Leipziger Südvorstadt 64 Menschen hingerichtet – ausschließlich Männer. Bis 1968 geschah dies durch die Guillotine. Nach 1968 erfolgten die Hinrichtungen durch einen "unerwarteten Nahschuss ins Hinterhaupt". <a href="http://kopfkompass.de/2012/05/im-namen-des-volkes-hinrichtungen-in-leipzig/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als mir die kleine Gedenktafel an der Außenmauer des Leipziger Amtsgerichtes zum ersten Mal aufgefallen war, konnte ich es kaum glauben. In diesem Gebäude sollen bis in die 80er Jahre hinein Menschen hingerichtet worden sein. Im Namen des Volkes.</p>
<p>Gestern nun bot sich im Rahmen der Leipziger Museumsnacht die Gelegenheit, die <a href="http://www.runde-ecke-leipzig.de/index.php?id=402" target="_blank">zentrale Hinrichtungsstätte der DDR</a> zu besichtigen. Die Schleuse, die Verwahrzelle, den Hinrichtungsraum. Mir schaudert noch immer.</p>
<p>Zwischen 1960 und 1981 wurden mitten in der belebten Leipziger Südvorstadt 64 Menschen hingerichtet – ausschließlich Männer. Bis 1968 geschah dies durch die Guillotine. Wirklich: Man hat den Verurteilten auf ein bewegliches Brett geschnallt, ihn darauf unter eine Klinge geschoben und seinen Kopf nach dem Herabfahren der Klinge in einem Eimer aufgefangen. Das war praktisch, weil der Verstorbene in diesen Eimer ausbluten konnte.</p>
<p>Nach 1968 erfolgten die Hinrichtungen durch einen &#8220;unerwarteten Nahschuss ins Hinterhaupt&#8221;. Der Verurteilte wurde in den Vollstreckungsraum geführt, dessen Tür nach innen öffnete. Hinter der Tür versteckte sich der Henker mit geladener Pistole. Nachdem das Urteil nochmals verkündet wurde trat der Henker zügig von hinten an Verurteilten heran und erschoss ihn. Die Leichen wurden in einfachen Kiefernsärgen umgehend im nahegelegenen Krematorium auf dem Leipziger Südfriedhof verbrannt. Entweder deklariert als anonyme Einäscherung oder als Anatomieleichen oder als organischer Abfall aus der Universitätsklinik.<br />
<span id="more-980"></span></p>
<p>Für <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_Lorenz_(Henker)" target="_blank">Hermann Lorenz</a> waren die Erschießungen lediglich ein Nebenjob. Hauptberuflich war er Abteilungsleiter in dem Gefängnis, in dem sich auch die Hinrichtungsstätte befand. Für jede mit seinen Händen durchgeführte Hinrichtung bekam der Teilzeit-Henker <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_Lorenz_(Henker)" title="Wikipedia">150 Mark </a>extra. Ob das reichte, seine Bedenken zu zerstreuen? Ob er Bedenken hatte? Oder eine Wahl?</p>
<p>Von der Hinrichtungsstätte wusste kaum jemand in der DDR. Selbst die Angestellten des Gefängnisses vermuteten hinter der stets geschlossenen Tür gleich hinter dem Gefängnistor die Wohnung des Hausmeisters. Tatsächlich wurden die Räume auch so genutzt, bevor man alle Fenster zumauerte um darin eine Verwahrzelle und den Hinrichtungsraum einzurichten.</p>
<p>Vor ihrem Tod durften die Verurteilten einen letzten Wunsch äußern. Speisen? Getränke? Zigaretten? Von ihren Angehörigen durften sie sich nicht verabschieden, bekamen jedoch die Gelegenheit einen Abschiedsbrief zu verfassen. Keiner dieser Abschiedsbriefe wurde jemals zugestellt. Stattdessen finden sich ausnahmslos alle fein säuberlich abgeheftet in der jeweiligen Akte beim Ministerium für Staatssicherheit.</p>
<p>Todesurteile konnten in der DDR wegen Mordes, Verbrechen mit nationalsozialistischem Hintergrund und Staatsverbrechen, Wirtschaftsverbrechen sowie Spionage gefällt werden. Nicht selten jedoch wurden die Tatvorwürfe manipuliert oder Gesetze gebeugt, um unangenehme Zeitgenossen aus dem Weg zu schaffen.</p>
<p>Sehr deutlich nachvollziehbar ist das im Fall des vermutlich letzten Hingerichteten der DDR <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Werner_Teske" target="_blank">Dr. Werner Teske</a>, zu dessen Schicksal eine sehr bewegende <a href="http://youtu.be/kI5Kuteatzo" target="_blank">Dokumentation</a> produziert wurde. Darin sind Tonbandaufzeichnungen der Anklage, der Verteidigungsrede des Angeklagten und auch des Urteilsspruches zu hören. Teske wurde erschossen, weil er Unterlagen aus Stasi-Büros mit nach Hause genommen hatte.</p>
<div class="mceTemp mceIEcenter">
<div id="attachment_982" class="wp-caption aligncenter" style="width: 310px"><a href="http://kopfkompass.de/2012/05/im-namen-des-volkes-hinrichtungen-in-leipzig/olympus-digital-camera/" rel="attachment wp-att-982"><img class="size-medium wp-image-982" src="http://kopfkompass.de/wp-content/uploads/2012/05/P5050586-300x242.jpg" alt="" width="300" height="242" /></a><p class="wp-caption-text">Vollstreckungsraum der zentralen Hinrichtungsstätte der DDR</p></div>
</div>
<p>Es ist schwierig für mich zu beschreiben, was im Vollstreckungsraum in mir vorging. Ich bin in die DDR geboren, und zwar in ein Umfeld das vom Sozialismus überzeugt war. Das nicht nur Teil des Systems war, sondern das an dessen Aufrechterhaltung mitgearbeitet hat. Natürlich: Kaum jemand wusste von den politischen Morden, die in der Leipziger Alfred-Kästner-Straße begangen wurden. Aber die Menschen lebten in einem Geist, der das möglich machte. In einem Land, in dem heute selbstverständliche Freiheiten unerreichbare Ideale waren. In einem Rechtssystem, das soweit gebeugt wurde, dass in dessen Namen grundlegende Menschenrechte gebrochen werden konnten. In einer Gesellschaft, in denen den Familien sogar die Beerdigung ihrer hingerichteten Angehörigen verwehrt wurde.</p>
<p>Das alles ist Geschichte, ich weiß. Aber ich glaube nicht daran, dass die Menschen dümmer waren damals, roher oder weniger fähig zu Moral und Mitgefühl. Vielmehr glaube ich, dass unsere heutige Freiheit sehr fragil ist. Und auch, wenn das auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun hat, finde ich, dass uns diese Fragilität bewusst sein sollte, wenn wir unsere Privatsphäre in die Cloud verschieben und &#8220;Ich habe doch nichts zu verbergen!&#8221; rufen.</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Ein Jahr: Ich, rein pflanzlich</title>
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		<pubDate>Mon, 09 Apr 2012 10:44:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ron</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alltag]]></category>
		<category><![CDATA[Freiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Körper]]></category>
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		<category><![CDATA[Veganismus]]></category>
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		<description><![CDATA[Wahr ist aber auch: Meine Haut ist kein bisschen besser geworden. An meiner Libido hat sich trotz gegenteiliger Behauptung von PETA rein gar nichts geändert. Und: Ich furze mehr. Oh ja.  <a href="http://kopfkompass.de/2012/04/ein-jahr-ich-rein-pflanzlich/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Seit einem Jahr lebe ich vegan. Eine gute Gelegenheit für eine Bilanz, finde ich. Und eine gute Gelegenheit zum Verlassen der Seite für alle, bei denen Texte über Veganismus für stark steigenden oder stark fallenden Blutdruck sorgen.</p>
<p><strong>Versuch’s doch einfach</strong></p>
<p>Vom Bulletten-Jieper in der Zeit um mein Diplom mal abgesehen, hatte ich zehn Jahre vegetarisch gelebt, als ich eines sonnigen Abends bei meinem Freund Patrick zum Abendessen eingeladen war. Er hatte Schaschlik gemacht mit Zucchini, Paprika, Aubergine, Gurke und diesem merkwürdigen, faserigen, herzhaften Fleischersatz, den ich bis dato nur vom Hörensagen kannte.  Es war so vorzüglich, dass wir uns wegen permanent voller Münder nur in undeutlichen Wortgruppen verständigen konnten. Patrick erwähnte, dass er schon seit 1994 vegan war und manchmal mit Grauen daran zurückdenke, wie schwierig das in den Neunzigern gewesen sei. Und wie lächerlich einfach es jetzt ist. Von allen Seiten war ich plötzlich vom Veganismus umzingelt: in den Feuilletons wurden Bücher zum Thema besprochen, in meiner Facebook-Timeline erschienen vegane Rezepte, in meiner Nähe wurde ein veganer Fast-Food-Imbiss eröffnet und zwei entfernte Freunde waren kürzlich vegan geworden. Patrick zog das letzte Sojaschnetzel mit den Zähnen vom Holzspieß, stopfte es in eine Backentasche, grinste mich an und fragte: „Warum probierst du es nicht einfach?“ Obwohl ich grundsätzlich höchstens jeden zweiten Trend mitmache, fehlte es mir bei diesem an schlüssigen Gegenargumenten. Ich begann also zu lesen. <a title="Karen Duve - Antständig Essen" href="http://www.amazon.de/Anständig-Essen-Selbstversuch-Karen-Duve/dp/344247647X/ref=sr_1_2?ie=UTF8&amp;qid=1333968025&amp;sr=8-2" target="_blank">Duve</a>, <a title="Tiere Essen" href="http://www.amazon.de/Tiere-Essen-Jonathan-Safran-Foer/dp/3462040448/ref=sr_1_3?ie=UTF8&amp;qid=1333968059&amp;sr=8-3" target="_blank">Foer</a>, <a title="Vegan - Kath Clements" href="http://www.veganbasics.de/suche#/buechermedien/buecher_deutsch/ratgeber/echo-verlag-kath-clements-vegan.html" target="_blank">Clements </a>und ein <a title="Ox-Kochbücher" href="http://www.amazon.de/s/ref=nb_sb_noss?__mk_de_DE=%C5M%C5Z%D5%D1&amp;url=search-alias%3Dstripbooks&amp;field-keywords=vegan+ox&amp;x=0&amp;y=0" target="_blank">paar vegane Kochbücher</a>. Die <a title="China-Study" href="http://www.amazon.de/China-Study-wissenschaftliche-Begründung-Ernährungsweise/dp/3864010012/ref=sr_1_1?s=books&amp;ie=UTF8&amp;qid=1333968170&amp;sr=1-1" target="_blank">China-Study </a>war leider noch nicht draußen. Anschließend war meine innige Liebe zu Käse als einziges ungestrichenes Kontra-Argument auf meiner Liste übrig geblieben. Was mich nicht überzeugte.<span id="more-968"></span></p>
<p><strong>Reste Essen</strong></p>
<p>In den ersten Tagen nach meinem Entschluss aß ich vorwiegend Milchprodukte. Natürlich! Wohin sollte ich denn mit all den leckeren Joghurts, Puddings, Quarkcremes, Schnitt-, Frisch-, Weich-, und Schmelzkäsespezialitäten in meinem Kühlschrank, wenn nicht in meinen Magen? Wohin mit den Eiern, den Bio-Eiern? Wegwerfen? Tiere ausbeuten um die Produkte der Ausbeutung achtlos wegzuwerfen? Niemals!</p>
<p>Wenn man Essen so sehr liebt wie ich, ist das eine sentimentale Zeit. Jeden Tag isst man irgendetwas zum Letzten Mal. Was sich verblüffender Weise so ähnlich anfühlt, als würde man etwas zum ersten Mal essen. Man schmeckt genau hin. Man bemerkt die beinahe unangenehme Schärfe, die Emmentaler entwickeln kann, man studiert die eigentümliche Schleimigkeit von heißem Eigelb und man hat Mühe zu leugnen, dass man altem Camembert ziemlich deutlich anschmeckt, dass er bereits verstoffwechselt wurde. Richtig schwer fiel mir der Abschied nicht. Es wäre ja nur ein Experiment.</p>
<p><strong>Mein Körper!</strong></p>
<p>Mein Körper! Er funktioniert! Mich beeindruckte das sehr. Mein Biorhythmus entwickelte sich innerhalb weniger Tage vom Mistkerl zum Musterknaben. Seitdem gilt: Wenn der Wecker klingelt, bin ich wach. Ich muss nicht wie früher noch 10 Minuten wahlweise ningelnd, zeternd oder selbstmitleidig liegenbleiben, bevor ich mich humpelnd aus den Federn quäle. Ich stehe einfach auf. Und wenn ich ins Bett gehe, schlafe ich. Kein stundenlanges Lesen, Lauschen oder Zählen mehr. Ich lege mich hin und schlafe. Auch diese unbändige Mittagsmüdigkeit, in der ich meine ganze Konzentration dafür aufbringen musste, nicht mit dem Kopf auf die Tischplatte zu schlagen, ist verschwunden. Wirklich: Es vergehen Tage, an denen ich keine einzige Tasse Kaffee trinke, weil ich es einfach vergesse. Gleiches gilt übrigens für die Benutzung von Deo, an die mich mein Körper früher täglich mit einigem Nachdruck erinnerte. Mein Körpergeruch hat sich deutlich verändert, was nicht zuerst mir sondern meinem Partner auffiel. Seiner Wahrnehmung nach, rieche ich jetzt mehr nach Baby. Weshalb ich nach wie vor Deo verwende. Ich will ja gefälligst nach Mann riechen! Wahr ist aber auch: Meine Haut ist kein bisschen besser geworden. An meiner Libido hat sich trotz gegenteiliger Behauptung von PETA rein gar nichts geändert. Und: Ich furze mehr. Oh ja.</p>
<p><strong>Von wegen Verzicht</strong></p>
<p>Ob des folgenden Faktes bin ich selbst etwas ungläubig. Aber es kommt für mich nicht in Frage, der Glaubwürdigkeit zuliebe zu Lügen. Mir fehlt nichts. Gar nichts. Wochenlang habe ich angstvoll zitternd dem ersten Heißhungeranfall entgegen geblickt. Der ersten Familienpackung-Vanilleeis-Fressattacke, der ersten Quattro-Formaggi-mit-Extra-Käse-Eskalation, der ersten Vollmilchschokolade-mit-Schlagsahne-Völlerei. Sie blieb aus. Passierte einfach nicht. Jahrelang hatte ich im erbitterten Kampf gegen Snickers, Bounty und Kinderriegel immer die Doppelpackung gezogen. Ich wusste: Das ist Junk. Ich wusste: Es macht mich fett, versaut meinen Stoffwechsel, zerstört meine Zähne und füllt die Taschen fieser Kapitalisten. Half alles kein Bisschen. Der Gedanke an treue, zärtliche Kuhaugen half. Mars und Ferrero haben keine Macht mehr über mich. Nicht einmal mehr im Büro, wo mir ihr sirenengleicher Singsang vom Automaten her noch immer sofortige Belohnung zu suggerieren versucht. Die Kuhaugen sind meine Ohropax, harhar. Ich kann an Bäckereien vorbeilaufen ohne unwillkürlich einen Drall in Richtung Ladentür zu bekommen, ich passiere Eisdielen als wären es Baumärkte und der Geruch, den die Käsetheke meines Vertrauens verbreitet, finde ich mittlerweile wirklich ein bisschen unangenehm. Und wann immer jemand: „Ach! Du darfst ja nicht!“ ruft, halte ich „Freilich darf ich! Ich will nur nicht!“ dagegen. Weil es so ist.</p>
<p>Was nicht zuletzt daran liegt, dass ich freilich Alternativen habe. Statt Schokoriegeln esse ich jetzt Schokolade, die mich wegen ihres hohen Kakaoanteils schon nach zwei Stückchen glücklich macht. Statt Milcheis esse ich jetzt Sorbets, die meiner Meinung nach nicht nur purer und sauberer sondern auch leckerer sind. Statt einem Plunderteilchen zwischendurch greife ich jetzt in die Tüte Studentenfutter. In kleinen Städten ist das Snacken ein bisschen langweilig: Pommesketchup oder Laugenbretzel? In großen Städten ist es ein Vergnügen. Und wenn es doch mal nur vegetarisch gehen solle, beispielsweise, weil die Schwiegermutter Donauwelle gebacken hat, die doch immer, immer mein Lieblingskuchen war, dann esse ich ein Stück, ohne mich anschließend mit der Hanfpeitsche selbst kasteien zu müssen.</p>
<p>Für Käse gibt es keinen Ersatz, jedenfalls keinen, den ich auch nur für einigermaßen genießbar halte. Alles andere lässt sich ersetzten und zwar ohne Mühe. Neulich hatte ich sogar veganen Sauerbraten. Den macht man aus  Seitan, welches im Wesentlichen aus Gluten besteht. Und ja, er war hervorragend. Ein bisschen suspekt sind mir Fleischersatzprodukte jedoch geblieben. Wer Bratwurst will, soll Bratwurst essen, finde ich. Ich brate mir lieber Tofu, leckeren, ehrlichen Räuchertofu, der nichts anderes sein will. Überhaupt koche ich viel mehr selbst als früher. Wirklich auch mehr, nicht nur öfter. Wie sonst hätte ich im ersten halben Jahr sechs Kilo zulegen können? Ich experimentiere. Ich mache Schnitzel aus Sellerie, Rösti aus Steckrüben, Brotaufstriche aus Kichererbsen und aus Rote Beete eine Pasta-Sauce, nach der sich meine Gäste regelmäßig alle zehn Finger lecken. Ich backe Kekse ohne Ei und Milch und habe eine Torte mit veganer Creme probiert, die ich mein Lebtag nicht vergessen werde.</p>
<p><strong>Toleranz gegenüber Andersessenden</strong></p>
<p>Die größte Herausforderung ist für mich also nicht das Durchhalten. Ich halte nichts durch. Ich ernähre mich so, wie es mir natürlich und richtig vorkommt. Die eigentliche Herausforderung ist die Toleranz gegenüber Andersessenden. Wenn ich die Menschen sehe, die mit kleinen Eimern voller frittierter Hähnchenflügel aus einer KFC-Filiale stolpern bin ich angewidert. Nicht von den Flügeln. Von den Menschen. Wenn ich Menschen sehe, die sich in Fußgängerzonen Bratwürste, Leberkäs-Semmeln und Chicken-Döner in die Leiber stopfen, möchte ich hingehen und sie schütteln, und zwar ja: unsanft. Wenn meine Kollegen „Irgendetwas müssen wir doch essen!“ rufen, während sie sich rohes Massentierhaltungs-Hackfleisch aufs Brötchen schmieren, muss ich mich sofort umdrehen, weggehen, tief atmen und bis zehn Zählen, damit mir nicht die Kleider vom Leib platzen, während ich mich in einen sehr, sehr wütenden Hulk verwandle.</p>
<p>So kenne ich mich nicht. So war ich noch nie. Aber das gedankenlose Ausbeuten von Tieren macht mich wahnsinnig. Es ist moralischer, ökonomischer und ökologischer Irrsinn und ich kann mich einfach nicht beruhigen, wenn sich Menschen weigern, darüber wenigstens einmal nachzudenken. Denn: Nein, wir brauchen kein Fleisch, um uns gesund zu ernähren. Wir brauchen auch keine Milch. Nicht einmal Eier. Außer Vitamin B12 finden sich alle Nährstoffe, die wir brauchen in pflanzlicher Nahrung. Ich habe alle, wirklich alle Argumente für tierische Kost gehört, die meisten davon mehr als einmal. Aber ich kann nur ein einziges gelten lassen: Tiere können sehr lecker sein. Schlachten aber nicht.</p>
<p>Ich arbeite daran, wieder jeden reinen Herzens das Essen zu lassen, was er mag. Aber ich werde nicht aufhören zu verlangen, dass es jeder bewusst tun sollte.</p>
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		<title>Fürchten Sie sich vor Schwulen, Cordula Drechsler?</title>
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		<pubDate>Fri, 06 Apr 2012 08:51:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ron</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Presse, die FDP, Herr Beck selbst und die große, weite Blogosphäre haben sich gebührend echauffiert, so dass ich mich nun der Frage zuwenden kann, was um alles in der Welt die arme Frau wohl geritten hat, derartig hohle Stammtischparolen ohne Scham in die politische Welt zu rülpsen. Daher schrieb ich ihr heute: <a href="http://kopfkompass.de/2012/04/offener-brief-an-cordula-drechsler/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Shitstorm wütet, und das ist auch gut so. In your face, Cordula Drechsler! Das Mitglied des <a title="Stadtrat von Bad Lausick" href="http://www.bad-lausick.de/de/rathaus/index.php?id=20" target="_blank">Stadtrats </a>im sächsischen Bad Lausick verschickte am 29. März folgende E-Mail an den offen homosexuell lebenden parlamentarischen Geschäftsführer der Grünen Volker Beck.</p>
<blockquote><p>&#8220;Homosexueller Herr Beck,</p>
<p>es gibt noch westliche Länder (wie Rußland), von den islamischen Ländern mal ganz zu schweigen, die Farbe bekennen zu Homosexualität.</p>
<p>Auch in Deutschland denkt die Mehrheit der Bevölkerung so, sie getraut es sich nur (noch nicht) zu sagen.</p>
<p>Sie sollten sich in Zukunft überlegen, ob Sie nach Rußland fahren und auch in Deutschland dürfte Ihr Leben schwerer werden, mal abgesehen im (noch nicht) von Muslimen komplett dominierten Berlin (dann werden Sie auch ein schwereres Leben haben).</p>
<p>Es gab in jeder Zeit in Europa Entwicklungen, die eine Minderheit der Bevölkerung widerspiegelten, so auch jetzt mit der Homosexualität.</p>
<p>Auch diese Entwicklung wird sich in sehr kurzer Zeit als Fehlentwicklung zeigen und nicht als nachhaltig tragfähig für den Fortbestand einer Gesellschaft erweisen.</p>
<p>Leute wie Sie Herr Beck braucht das deutsche Wählervolk beim besten Willen nicht</p>
<p>Mit heterosexuellen Grüßen aus dem erzkonservativen Freistaat Sachsen</p>
<p>Cordula Drechsler&#8221;</p></blockquote>
<p>Die <a title="LVZ Online" href="http://www.lvz-online.de/nachrichten/mitteldeutschland/eklat-in-bad-lausick--stadtraetin-bedroht-gruenen-spitzenpolitiker-fdp-will-einschreiten/r-mitteldeutschland-a-132052.html" target="_blank">Presse</a>, die <a title="Mitteilung der FDP" href="http://www.fdp-sachsen.de/online/fdp/fdp.nsf/News.xsp?id=A105105FFA822BA7C12579D7003F65B1" target="_blank">FDP</a>, Herr <a title="Volker Beck wehrt sich" href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,826025,00.html" target="_blank">Beck </a>selbst und die große, weite Blogosphäre haben sich gebührend echauffiert, so dass ich mich nun der Frage zuwenden kann, was um alles in der Welt die arme Frau wohl geritten hat, derartig hohle Stammtischparolen ohne Scham in die politische Welt zu rülpsen. Daher schrieb ich ihr heute:<span id="more-945"></span></p>
<blockquote><p>&#8220;Sehr geehrte Frau Drechsler,</p>
<p>anhand des durchweg empörten Medienechos, das ihre E-Mail an Herrn Beck ausgelöst hat, dürfte zu allererst Ihr Leben schwerer geworden sein und glücklicherweise nicht das des Herrn Beck. Mein Mitgefühl dafür hält sich offen gestanden in engen Grenzen.</p>
<p>Obwohl ich weiß, dass veröffentlichte Meinung und öffentliche Meinung nicht immer deckungsgleich sind, bin ich mir einigermaßen sicher, dass die Mehrheit der Bevölkerung eben nicht so denkt wie Sie, vielleicht dämmert Ihnen das jetzt.</p>
<p>Bevor Sie sich im Zuge dessen jedoch eine vernünftige, fertig gedachte Meinung zulegen, würde ich sehr gern verstehen, auf welchen Überlegungen Ihre augenblickliche Meinung fußt. Ich wäre Ihnen daher sehr verbunden, wenn Sie sich einige Minuten Zeit nehmen würden, meine folgenden Fragen zu beantworten.</p>
<ol>
<li>Ihre Mail an Volker Beck ist eine Reaktion auf ein kürzlich in Russland verabschiedetes Gesetz, dass die bloße öffentliche Erwähnung von Homosexualität unter Strafe stellt. Wie können ausgerechnet Sie, die Sie Ihre politische Heimat nach dem Zusammenbruch der DDR-Diktatur in der Nähe der FDP gefunden haben, eine Einschränkung der Meinungsfreiheit und der freien Entfaltung des Einzelnen befürworten, ja bejubeln?</li>
<li>Haben Sie jemals ernsthaft darüber nachgedacht, was Homosexualität ist? Halten Sie die gleichgeschlechtliche Liebe für einen Trend? Für einen Lebensstil? Für etwas, dass man aus Langeweile ausprobiert? Für etwas, zu dem man sich entscheidet, weil es fetzt? Wirklich? Mir persönlich ist es völlig egal, wie Homosexualität entsteht. Fakt ist: Es hat sie immer gegeben. Und Fakt ist ebenso: Es wird sie immer geben. Übrigens sogar dann, wenn man nicht mehr öffentlich darüber sprechen darf, liebe Frau Drechsler.</li>
<li>Glauben Sie wirklich, dass das Zeugen von Kindern der einzige Dienst ist, den ein Individuum zum „Fortbestand der Gesellschaft“ leisten kann? Würden Sie also sagen, dass sich die Verdienste der zumindest zeitweise homosexuell lebenden Herren Alexander von Humboldt, Friedrich II. sowie Klaus und Thomas Mann auf deren leibliche Nachkommenschaft beschränken?</li>
<li>Warum genau fühlen Sie sich persönlich so stark von der Existenz und der öffentlichen Wahrnehmbarkeit Homosexueller angegriffen, dass Sie dafür Ihre bescheidene politische Karriere riskieren? Was genau hat das alles mit Ihnen zu tun? Oder weniger psychologisierend: Was hat Ihnen Volker Beck getan?</li>
</ol>
<p>Frau Drechlser, in Zeiten des Internets hat eine alte goldenen Regel (Tradition mögen Sie doch, oder?) sogar noch an Glanz gewonnen: Erst denken, dann sprechen.</p>
<p>Mit stockschwulen Grüßen aus dem weltoffenen Sachsen<br />
Ihr<br />
Ronald Gerber&#8221;</p></blockquote>
<p>Wenn Sie mir antwortet, gibt&#8217;s freilich ein Update.</p>
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		<title>Volkseigentum Kunst? Mir fehlt die Fantasie, Piraten!</title>
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		<pubDate>Mon, 02 Apr 2012 17:37:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ron</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Urheberrecht]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich will auch endlich alle YouTube-Videos sehen können. Ich finde die restriktiven Arbeitsweisen der Verwertungsgesellschaften auch überkommen und altbacken. Aber ich möchte meine befreundeten Fotografen, Grafikern, Dichtern und Liedermachern nicht die Würde nehmen, in dem ich sie zwinge, ihre beeindruckendsten Werke auf Tassen, T-Shirts oder Schlüsselbänder zu drucken.
 <a href="http://kopfkompass.de/2012/04/an-den-piraten-bin-ich-wegen-fantasielosigkeit-gekentert/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich würde den Piraten so gerne auch ein euphorisches Ahoi! entgegenrufen. Ihre Idee, den Zugang zum Internet zu einem Grundrecht zu erklären, finde ich großartig. Regelrecht verliebt bin ich in ihre queeren Gedanken zur Familienpolitik. Beispielsweise den, künftig keine Lebensgemeinschaften mehr zu fördern sondern Kinder. Außerdem habe ich ein ausgeprägtes Faible für Schrulligkeit.</p>
<p>Doch leider kentert mein fröhliches Ruderboot zum glitzernden Piratendampfer in der hohen Welle, die den Begriff &#8220;geistiges Eigentum&#8221; verwässern will. Die Diskusion wird breit geführt, aber im <a title="Parteiprogramm" href="http://wiki.piratenpartei.de/Parteiprogramm" target="_blank">Grundsatzprogramm </a>steht:</p>
<blockquote><p>&#8220;Im Allgemeinen wird für die Schaffung eines Werkes in erheblichem Maße auf den öffentlichen Schatz an Schöpfungen zurückgegriffen. Die Rückführung von Werken in den öffentlichen Raum ist daher nicht nur berechtigt, sondern im Sinne der Nachhaltigkeit der menschlichen Schöpfungsfähigkeiten von essentieller Wichtigkeit.&#8221;</p></blockquote>
<p>Bedeutet das im Klartext, dass nur Kaspar Hauser einen Roman schreiben darf, der wirklich ihm gehört? <span id="more-901"></span>Ich, als mit Medien und Menschen sozialisierter Autor, greife bei jedem Wort, das ich spreche zwangsläufig auf den &#8220;öffentlichen Schatz an Schöpfungen&#8221; zurück. Unwillkürlich ist alles, was ich verfasse von dem beeinflusst, was ich gelesen, gesehen, gehört oder erzählt bekommen habe. Jedes meiner Werke ist ein Remix, und das bisschen an Neuem, was ich beizutragen habe, ist der Gesellschaft gefälligst zur freien Verfügung zu stellen. Oder was sonst ist gemeint mit:</p>
<blockquote><p>&#8220;Es sind daher Rahmenbedingungen zu schaffen, welche eine faire Rückführung in den öffentlichen Raum ermöglichen.&#8221;</p></blockquote>
<p>In meiner Sprache bedeutet das, dass ich mich als Autor nach Fertigstellung meines (?) Romans darum zu kümmern habe, ihn öffentlich zugänglich zu machen und eine einfache Verbreitung zu ermöglichen. Wobei man schon diskutieren müsste, ob es dem Verständnis der Piraten nach okay wäre, meine Buch ganz altmodisch zu verkaufen. Denn:</p>
<blockquote><p>&#8220;Die Schaffung von künstlichem Mangel aus rein wirtschaftlichen Interessen erscheint uns unmoralisch, daher lehnen wir diese Verfahren ab. […] Wir sind der Überzeugung, dass die nichtkommerzielle Vervielfältigung und Nutzung von Werken als natürlich betrachtet werden sollte und die Interessen der meisten Urheber entgegen anders lautender Behauptungen von bestimmten Interessengruppen nicht negativ tangiert.&#8221;</p></blockquote>
<p>Tut mir leid, das verstehe ich nicht. Im Gegensatz zu Bäckern oder Tischlern verwenden Künstler andere Rohstoffe für ihr Handwerk. Die gesellschaftliche Debatte zum Beispiel, ihren Erfahrungsschatz oder ihr Seelenleben. Dieser Rohstoff kostet kein Geld, das Produkt sollte es aber, finde ich. Künstler wertschöpfen beim Denken. Die Leistung der Künstler besteht darin, Gedanken, Ideen, Ahnungen oder Gefühlen eine Form zu geben. Eine, die für andere erlebbar und erfahrbar ist, konkret genug um darüber diskutieren zu können, manchmal zum mitsummen, manchmal sogar körperlich greifbar. Um das hinzukriegen, strengen sie sich sehr an, setzten sich oft mit ihrer ganzen Person ein, stecken viel Wissen und Erfahrung in ihre Arbeiten und in jedem Fall eine gehörige Portion Liebe.</p>
<p>Das ist eine Leistung für die ich gern bezahle. Mir erschließt sich überhaupt nicht, warum ich ein Anrecht auf diese Leistungen haben sollte. Es ist nicht meine Leistung. Im Gegenteil: Ich will, dass Künstler weiter Kunst machen. Ich will sie gut behandeln und sicherstellen, dass sich Kunst machen für sie lohnt. Gerade weil ich einsehe, wie stark Künstler und Kulturschaffende die Gesellschaft vorangetrieben haben.</p>
<p>Ich verstehe nicht, was die Piraten meinen, wenn sie schreiben:</p>
<blockquote><p>&#8220;In der Tat existiert eine Vielzahl von innovativen Geschäftskonzepten, welche die freie Verfügbarkeit bewusst zu ihrem Vorteil nutzen und Urheber unabhängiger von bestehenden Marktstrukturen machen können.&#8221;</p></blockquote>
<p>Vielleicht fehlt mir die Fantasie. Vielleicht fehlt den Piraten aber auch die Erfahrung. Vielleicht haben sie nicht die leiseste Ahnung davon, wie viel Ruhm und Aufmerksamkeit man angehäuft haben muss, um sie durch Ticketverkäufe und Merchandising in klingende Münze zu verwandeln.</p>
<p>Natürlich: Seitdem wir das Internet haben kann jeder fast gratis publizieren. Es sind weder Verwertungsgesellschaften noch Verlage nötig, um sich eine gewisse Bekanntheit zu erarbeiten und vielleicht auch ein paar Tausend Fans zu akquirieren. Das allein zahlt einem aber noch lange nicht die Miete. Auch ein eigener YouTube-Channel tut das kaum, selbst wenn er einigermaßen beliebt ist.</p>
<p>Und was bitte soll eigentlich dieses unsägliche Merchandising sein?<br />
Wie sollen denn Fotografen &#8220;merchandisen&#8221;?<br />
Absolventen von Filmhochschulen.<br />
Dichter.<br />
Liedermacher.</p>
<p>Die brauchen Leute, die ihre Werke kaufen. Bilder, Filme, Bücher, Songs. Von mir aus auch als Dateien. Aber doch bitte nicht als ein Zeichen der Gnade, sondern weil die Käufer diese Werke gern besitzen wollen und weil diese Werke eben einen Wert haben. Warum sollen Künstler von der Solidarität mit ihnen und nicht von den Verkaufserlösen ihrer Werke leben? Ist die Bezifferung des ideelen Wertes eines Kunstwerkes mit einem Eurobetrag amoralisch? Ist es moralischer, das Kunstwerk gratis für sich zu beanspruchen, freundlicherweise aber ein Almosen dazulassen?</p>
<p>Plötzlich ist dann von einer Kulturflatrate die Rede, einem Pauschalbetrag, der all jenen zu Gute kommen soll, deren frei im Netz zirkulierende Werke man den lieben langen Tag so rezipiert. Will man erklärt bekommen, wie das funktionieren soll, gibt es keine Antwort ohne &#8220;irgendwie&#8221;. Das ist dann hier aber kein schechter Sprachstil, das ist programmatisches SOS, befürchte ich. &#8220;Irgendwie&#8221; ist dann immer noch besser, als das böse, verbotene V-Wort. V wie Verwertungsgesellschaft. Wenn ich die Priaten richtig verstanden habe, gehören die VG Wort, die VG Bildkunst und (Shitstorm voraus!) die Gema mit viel Tamtam und Feuerwerk versenkt. Ich finde das entweder unaufrichtig oder nicht zu Ende gedacht.</p>
<p>Ja, ich will auch endlich alle YouTube-Videos sehen können. Ich finde die restriktiven Arbeitsweisen der Verwertungsgesellschaften auch überkommen und altbacken. Aber ich möchte meine befreundeten Fotografen, Grafikern, Dichtern und Liedermachern nicht die Würde nehmen, in dem ich sie zwinge, ihre beeindruckendsten Werke auf Tassen, T-Shirts oder Schlüsselbänder zu drucken, die sie dann dankbar lächelnd aus dem Bauchladen zu verkaufen haben.</p>
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		<title>Der unsichtbare Tiefgang</title>
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		<pubDate>Sat, 31 Mar 2012 09:49:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ron</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Aber wie die rothaarige Schnecke dem Bären so volle Kanne in die Eier getreten hat, und der dann so Hammer in den Glastisch gekracht ist, war doch end-grimmepreisverdächtig!
 <a href="http://kopfkompass.de/2012/03/der-unsichtbare-tiefgang/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8220;Frage mich kurz, warum ich aber auch jeden weiteren Dominik Graf-Film gucke.&#8221;, <a href="https://twitter.com/">twitterte</a>  <a href="https://twitter.com/">miss_leelah</a> gestern Abend eine Sekunde, bevor ich es tun wollte direkt aus meinem Herzen.</p>
<p>Arte zeigte <a href="http://www.arte.tv/de/Programm/242,day=7,week=13,year=2012.html">&#8220;Das unsichtbare Mädchen&#8221;</a>, den neuesten Krimi des gefeierten Regisseurs, den er anhand des für ihn maßgeschneiderten Drehbuchs von Friedrich Ani und Ina Jung inszenierte. Ich hatte eingeschaltet, weil ich Ronald Zehrfeld, Silke Bodenbender und auf eine merkwürdige Art auch Ulrich Noethen gern sehe, und sich die Programmzeitschriften verlagsübergreifend darauf geeinigt hatten, den Film als TV-Event des Abends zu hypen.</p>
<p>In allen Besprechungen zum Film heißt es, er würde auf dem Fall der 2001 im echten Leben entführten <a href="http://www.spiegel.de/thema/der_fall_peggy_k/">Peggy K.</a> basieren. In Wirklichkeit jedoch basiert der Film &#8211; wie alle Filme Grafs, mit denen ich bisher meine Lebenszeit vergeudete &#8211; auf dessen brutaler Aversion gegen Frauen, seinem irgendwo zwischen Mephisto und Old Shatterhand eingemauerten Männerbild und seinen tiefen Zweifeln gegenüber jeglicher Form menschlicher Kultiviertheit.<br />
<span id="more-890"></span><br />
Konflikte werden generell entweder mit dem Unterleib oder mit den Fäusten geklärt, zur Auflockerung auch mal mit &#8216;ner Wumme. Frauen sind in aller Regel Nutten oder arbeitslos, in jedem Fall aber gern ein bisschen betrunken und emotional dermaßen abhängig von irgendeinem Kerl, dass der ihnen schon auch mal anständig die Fresse polieren darf, ohne dass es danach jetzt zu viel nerviges Rumgezicke gäbe. Männer sind ihrer animalischen Geilheit und ihrer überbordenden körperlichen Stärke so hoffnungslos ausgeliefert, dass ihr bemitleidenswertes bisschen Cleverness dagegen beim besten Willen nichts ausrichten kann, weshalb sie a.) alles knallen müssen, was weiblich und älter als 12 ist und b.) jeden derbe zu verdreschen haben, der ihnen mit zu langen oder zu intelligenten Sätzen auf den schmerzhaft prallen Sack geht. Das Leben spielt sich hauptsächlich in rasenden Autos, heruntergekommen Privatwohnungen oder Bordellen ab, in denen in Grafs neustem Coup, auch süße Kinder gutgelaunt zu Freiers Diensten stehen.</p>
<p>Warum der Zuhälter der in einen 30 km entfernten Puff  &#8221;verschwundenen&#8221; Tochter in der Wohnung der ahnungslosen Mutter verkehrt? Warum der Kommissar diese Tochter mit viel Tamtam und einem Messer an deren Kehle aus dem Puff zu entführen versucht, anstatt eine gepflegte Razzia einzuleiten? Wer genau eigentlich die Dame erdrosselte, an der sich der ganze Budenzauber entspann?</p>
<p>Unerheblich.</p>
<p>Aber wie die rothaarige Schnecke dem Bären so volle Kanne in die Eier getreten hat, und der dann so Hammer in den Glastisch gekracht ist, war doch end-grimmepreisverdächtig!</p>
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		<title>Steuer-Splitting für Homosexuelle kommt ohne Schäubles Segen</title>
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		<pubDate>Fri, 30 Mar 2012 15:28:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Finanzministerien der Länder indes verwechseln Regieren nicht mit dem Verfassen offener Briefe an den Koalitionspartner sondern machen Nägel mit Köpfen. Bremen, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz wollen den Splittingtarif ab sofort auch für eingetragene Lebenspartner anwenden. <a href="http://kopfkompass.de/2012/03/steuer-splitting-fur-homosexuelle-kommt-ohne-schaubles-segen/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In einem <a title="Warum verhindern Sie das Ehegatten-Splitting für die Homo-Ehe, Herr Dr. Schäuble?" href="http://kopfkompass.de/2012/03/warum-verhindern-sie-das-ehegattensplitting-fur-die-homo-ehe-herr-dr-schauble/" target="_blank">offenen Brief</a> bat ich Bundesfinanzminister Schäuble mir zu erklären, warum genau er die steuerliche Gleichstellung der eingetragenen Lebenspartnerschaft mit der Ehe zu blockieren versucht, obwohl sich seine Länderkollegen bereits darauf verständigt hatten.  Erwartungsgemäß antwortete er mir nicht selbst und wenig überraschend erhielt ich keine persönliche Antwort, in der auch nur im Entferntesten auf meine (großartigen!) Argumente eingegangen würde. Sondern folgende:</p>
<blockquote><p>&#8220;&#8230; ich bedanke mich für Ihre offenen Worte. In der Sache, also zur Stellung der Lebenspartner im Einkommensteuerrecht, ist das Bundesfinanzministerium öffentlich positioniert (siehe beigefügter Link; BT-Drs. 17/3009, S. 6, Antwort zur Frage 12).</p>
<p>Die Bundestagsdrucksache mit der Position des Bundesfinanzministerium können Sie gerne über den beigefügten Link einsehen: <a href="http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/17/030/1703009.pdf" target="_blank">http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/17/030/1703009.pdf</a>.</p>
<p>Unserem Haus ist es von besonderer Bedeutung, zunächst den Ausgang der beim Bundesverfassungsgericht anhängigen Verfahren abzuwarten (2 BvR 909/06, 2 BvR 1981/06 und 2 BvR 288/07).  &#8220;</p></blockquote>
<p>Für alle, denen gerade nicht der Sinn danach steht, sich in das 12-seitige PDF zu vertiefen hier eine Zusammenfassung der relevanten Punkte:<br />
<span id="more-881"></span></p>
<ul>
<li>Wie befürchtet wird auf den besonderen Schutz der Ehe als &#8220;typische Grundlage der Familie mit Kindern&#8221; verwiesen, obwohl ich diesen in meinem <a title="Brief" href="http://kopfkompass.de/2012/03/warum-verhindern-sie-das-ehegattensplitting-fur-die-homo-ehe-herr-dr-schauble/" target="_blank">Brief </a>als überholt dargestellt habe.</li>
<li>Dass die Splittingregelung überaus treffsicher ist wird daran vorgeführt, dass 90% des Splittingvolumens auf Ehepaare mit Kindern entfallen.</li>
<li>Es wird seitens der Bundesregierung aber auch eingeräumt, dass in Ehen ohne Kinder in der Regel beide Partner berufstätig sind, so dass die Nutzung der Splittingregelung keinen großen Nutzen bringen würde.</li>
</ul>
<p>Dass dies in homosexuellen Partnerschaften in aller Regel ebenso ist, wird freilich nicht gesagt. Weil es von dort aus nämlich nur noch ein Gedanke zur wenig schmeichelhaften Erkenntnis ist, dass es in der Diskussion überhaupt nicht um die Vermeidung von Steuerausfällen sondern um die Zementierung von Diskriminierung geht.</p>
<p>Auf die Frage, welche steuerlichen Mindereinnahmen aus den 2010 erfolgten Gleichstellungen im Erbschafts- und Schenkungssteuerrecht resultieren heißt es nämlich an anderer Stelle:</p>
<blockquote><p>&#8220;Die vollständige Gleichstellung von Lebenspartnern und Ehegatten im Bereich der Erbschaft- und Schenkungsteuer nach dem sich derzeit im parlamentarischen Verfahren befindlichen Gesetzentwurf eines JStG 2010 führt zu <strong>geringen nicht bezifferbaren Steuermindereinnahmen in einer nicht quantifizierbaren Zahl von Fällen.</strong>&#8220;</p></blockquote>
<p>Was die Gleichbehandlung im Einkommenssteuerrecht angeht, wolle die Bundesregierung jedoch die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes abwarten. Dies gilt inzwischen jedoch nur noch für den CDU-Teil der Bundesregierung, wie aus dem letzte Woche versandten <a title="FDP will Splitting für Homo-Ehen" href="http://www.sueddeutsche.de/T5v38p/534906/FDP-will-Splitting-fuer-Homo-Ehen.html" target="_blank">Brief </a>der FDP-Minister Rößler und Leutheusser-Schnarrenberger an Schäuble hervorgeht.</p>
<p>Die Finanzministerien der Länder indes verwechseln Regieren nicht mit dem Verfassen offener Briefe an den Koalitionspartner sondern machen Nägel mit Köpfen. Bremen, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz wollen den Splittingtarif ab sofort auch für eingetragene Lebenspartner anwenden. Das Finanzministerium von Nordrhein-Westfahlen vermeldete offiziell:</p>
<blockquote><p> &#8221;Auf Initiative von Nordrhein-Westfalen wurde auf Bund/Länder-Ebene beschlossen, den Einsprüchen von eingetragenen Lebenspartnerschaften gegen die Ablehnung des Splittingtarifes im Rahmen des vorläufigen Rechtsschutzes stattzugeben. Der Splittingtarif kann damit vorläufig bis zur Entscheidung in der Hauptsache gewährt werden.&#8221;</p></blockquote>
<p>Womit der nächste Endgegner im harten Ringen um die Gleichberechtigung von Schwulen und Lesben endlich bezwungen wäre. Sie werden schon darüber hinweg kommen, Herr Dr. Schäuble.</p>
<p>(Quellen: <a title="queer.de" href="http://www.queer.de/detail.php?article_id=16227" target="_blank">queer.de</a>, <a title="Bundesdrucksache" href="http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/17/030/1703009.pdf" target="_blank">Bundesdrucksache 17/3009</a>, <a title="Finanzministerium NRW" href="http://www.fm.nrw.de/presse/2012_03_28_Gleichstellung.php" target="_blank">Finanzministerium NRW</a>)</p>
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		<item>
		<title>Aggressive Homophobie bei DSDS</title>
		<link>http://kopfkompass.de/2012/03/aggressive-homophobie-bei-dsds/</link>
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		<pubDate>Sun, 25 Mar 2012 10:15:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ron</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gender]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[queer]]></category>
		<category><![CDATA[Sexualität]]></category>
		<category><![CDATA[Soziale Netzwerke]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschland sucht den Superstar]]></category>
		<category><![CDATA[DSDS]]></category>
		<category><![CDATA[Hering]]></category>
		<category><![CDATA[homosexuell]]></category>
		<category><![CDATA[Kristof]]></category>
		<category><![CDATA[schwul]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich persönlich bin ehrlich überrascht, dass es so himmelschreiend dämlichen, beunruhigend aggressiven und jämmerlich gedankenlosen Schwulenhass hierzulande überhaupt noch gibt. Noch beklemmender finde ich es aber, sich damit auseinanderzusetzen, wer ihn äußert: Vertreter der Generation nämlich, die in 15 oder 20 Jahren die Geschicke dieses Landes lenken sollen. <a href="http://kopfkompass.de/2012/03/aggressive-homophobie-bei-dsds/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Dass sich DSDS als mustergültiges Kleinod der institutionalisierten Zuschauerverdummung einen feuchten Dreck um die Grenzen des guten – und sogar des schlechten – Geschmacks schert, holt ja mittlerweile niemanden mehr vom Sofa. Auch daran, dass man ohne ein kürzlich verstorbenes oder sich noch besser in akutem Siechtum befindliches Familienmitglied keine Chance auf seine 15 Minuten Ruhm hat, haben wir uns gewöhnt. Sogar die gnadenlose Inszenierung einzelner Kandidat(inn)en als Zicke, Lügenmaul, Dummchen, Heulsuse, Gigolo oder notlgeile Drecksau mit den Mitteln der modernen Schnitttechnik regt niemanden mehr auf und zündet daher kein Publicity-Feuerwerk.</p>
<p>Was mich aber wie eine Rakete abgehen lässt ist, dass man jetzt die Homosexualität eines Kandidaten nutzt, um den angerosteten und mit mittelmäßig cleverem Kandidatenmaterial nur noch lauwarm befeuerten Unterhaltungsdampfer wieder in Fahrt zu bringen.<br />
<span id="more-696"></span></p>
<p>Kristof Hering ist 22, schwul, lebt in Beziehung mit einem 53 Jahre alten Mann und mag Schlager. Es muss einige Verleumdungen von und Streitigkeiten mit anderen Kandidaten gegeben haben, über die ich nicht viel weiß, da ich die Show nicht kucke. (Glaubt mir jetzt kein Mensch mehr, stimmt aber wirklich.)</p>
<p>Auf <a href="https://www.facebook.com/kristofhering">Facebook</a> braust dem geborenen Schwiegermutterliebling derzeit ein formidabler Shitstorm ins strahlende Lächeln, in dessen Zentrum einzig und allein dessen Schwulsein steht. Wenn man sich die Mühe macht, sich auf die zumeist sehr fantasievolle Grammatik einiger Kommentare einzulassen, kann einem Himmelangst werden.</p>
<p>Ich persönlich bin &#8211; von meinem Elfenbeinturm herab ins Land schauend &#8211; ehrlich überrascht, dass es so himmelschreiend dämlichen, beunruhigend aggressiven und jämmerlich gedankenlosen Schwulenhass hierzulande überhaupt noch gibt. Noch beklemmender finde ich es aber, sich damit auseinanderzusetzen, wer ihn äußert: Vertreter der Generation nämlich, die in 15 oder 20 Jahren die Geschicke dieses Landes lenken sollen.</p>
<p>Was man dagegen tun kann? Ganz konkret? Sich 20 Minuten Zeit nehmen und auf <a href="https://www.facebook.com/kristofhering">Kristofs Seite</a> zurück kommentieren. Oder die beleidigenden Beiträge einfach an Facebook melden. Darüber hinaus wird wohl nur helfen, in Zukunft noch häufiger und leidenschaftlicher öffentlich schwullesbisch zu Knutschen.</p>
<p>Harte Arbeit, das, ich weiß.</p>
<p><strong>Update 26.03.</strong><br />
Mit großer Freude habe ich gerade bei DWDL <a href="http://www.dwdl.de/zahlenzentrale/35331/staffeltief_dsds_verliert_erneut_zuschauer/" title="DSDS verliert erneut Zuschauer">aufgeschnappt</a>, dass DSDS zurzeit von so wenigen Leuten gesehen wird, wie lange nicht. Natürlich gucken immer noch viel zu viele und der Anteil derjenigen, die aus Protest nicht eingeschalten haben, dürfte außerdem verschwindend gering sein. Die meisten waren wahrscheinlich einfach im Biergarten. Aber immerhin. Nehmt dies!</p>
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		<title>Konsumiert nicht, gestaltet! Eine Laudatio den Aufständigen.</title>
		<link>http://kopfkompass.de/2012/03/konsumiert-nicht-gestaltet-eine-laudatio-den-aufstandigen/</link>
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		<pubDate>Sat, 24 Mar 2012 11:30:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ron</dc:creator>
				<category><![CDATA[Demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[Freiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Ideale]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
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		<category><![CDATA[Antrittsrede]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespräsident]]></category>
		<category><![CDATA[Gauck]]></category>
		<category><![CDATA[Verantwortung]]></category>

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		<description><![CDATA[Unter Ermutigung versteht Gauck die Selbstermächtigung der Vielen. Also ausdrücklich: Die Übernahme von Verantwortung durch jeden Einzelnen.
  <a href="http://kopfkompass.de/2012/03/konsumiert-nicht-gestaltet-eine-laudatio-den-aufstandigen/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich gestehe unumwunden: Ich mag Joachim Gauck. Das ist weder rational noch objektiv, aber eben nicht zu leugnen. Dementsprechend voreingenommen bin ich. Daher hatte ich beschlossen, eine Nacht über seine Antrittsrede zu schlafen, um mit etwas Distanz und einem kühlen Herzen vielleicht doch noch Kritikwürdiges zu entdecken, Nichtgesagtes, Verschwiegenes, Missgedeutetes oder Missverstandenes. Aber es bleibt dabei: Ich bin begeistert. Ich finde, Gauck hätte es nicht besser machen können. Ich empfehle nachdrücklich, seine Rede selbst <a href="http://woundwie.blog.de/2012/03/23/gaucks-rede-wortlaut-hass-ansporn-13292494/">durchzulesen</a> oder <a href="http://www.spiegel.de/video/video-1186350.html">anzusehen</a>.</p>
<p><iframe width="640" height="531" frameborder="0" scrolling="no" border="0" src="http://www.spiegel.de/video/video-1186350-embed.html#width=640&#038;color=000000&#038;bgcolor=ffffff"></iframe></p>
<p>Weil meine geneigte Leserschaft von mir aber guten Service gewohnt ist, hier eine Zusammenfassung der Punkte, die mich persönlich am stärksten berührt haben:<br />
<span id="more-688"></span></p>
<p><strong>Demokratie<br />
</strong>Sehr wesentlich für Gaucks öffentliche Wahrnehmung war ja gerade in den letzten Wochen, dass er weder die Occupy- noch die Anonymus- noch die Piratenbewegung so richtig ernst zu nehmen schien. Diesen Eindruck versuchte er nun richtig zu stellen, in dem er sagte:</p>
<blockquote><p>&#8220;Nicht nur bei uns, sondern auch in Europa und darüber hinaus ist die repräsentative Demokratie das einzig geeignete System, Gruppeninteressen und Gemeinwohlinteressen auszugleichen. […] Das Besondere dieses Systems ist nicht seine Vollkommenheit, sondern, dass es sich um ein lernfähiges System handelt. Neben den Parteien und anderen demokratischen Institutionen existiert aber eine zweite Stütze unserer Demokratie, die aktive Bürgergesellschaft. Bürgerinitiativen, Ad-hoc-Bewegungen, auch Teile der digitalen Netzgemeinde ergänzen mit ihrem Engagement, aber auch mit ihrem Protest die parlamentarische Demokratie und gleichen Mängel aus.&#8221;</p></blockquote>
<p><strong>Soziale Gerechtigkeit<br />
</strong>Der Weg zu sozialer Gerechtigkeit, Teilhabe und gleichen Aufstiegschancen sei laut Gauck nicht &#8220;paternalistische Führungspolitik&#8221; sondern ein Sozialstaat der vorsorgt und ermächtigt. Wohlgemerkt vorsorgt – nicht: versorgt. Es geht Gauck um die Ermächtigung des Einzelnen, seine Geschicke in die Hand zu nehmen und an der Verwirklichung seiner Ziele arbeiten zu können. Ideen, wie ein bedingungsloses Grundeinkommen wird dieser Bundespräsident sicherlich nicht befürworten. Neben dem Wort &#8220;Freiheit&#8221; hat er nämlich ein weiteres Lieblingswort, das er verwendet, als sei es die andere Seite der gleichen Medaille. Es lautet: Verantwortung. Wörtlich sagte er:</p>
<blockquote><p>&#8220;Wir dürfen nicht dulden, dass Kinder ihre Talente nicht entfalten können, weil keine Chancengleichheit existiert. Wir dürfen nicht dulden, dass Menschen den Eindruck haben, Leistung lohne sich für sie nicht mehr und der Aufstieg sei ihnen selbst dann verwehrt, wenn sie sich nach Kräften bemühen. Wir dürfen nicht dulden, dass Menschen den Eindruck haben, sie seien nicht Teil unserer Gesellschaft, weil sie arm oder alt oder behindert sind.&#8221;</p></blockquote>
<p>In Gaucks Augen ist Gerechtigkeit die Voraussetzung um &#8220;Freiheit und Selbstverwirklichung erlebbar zu machen.&#8221; Was genau aber Gerechtigkeit bedeutet, lässt sich seiner Meinung nach nicht paternalistisch anordnen sondern muss in öffentlichen Debatten gemeinsam erarbeitet werden.</p>
<p><strong>Integration<br />
</strong>Gauck definiert nationale Identität als &#8220;Zugehörigkeit zu einer politischen und ethischen Wertegemeinschaft&#8221; und bezeichnet &#8220;Volk&#8221; eben nicht als die Summe derer, die in einem Land geboren oder verwurzelt sind sondern als Gemeinschaft aller, die in einem Land <em>leben</em>. Der Staat ist damit in seinen Augen &#8220;das Streben der Unterschiedlichen nach dem Gemeinsamen&#8221;. Auf die Frage, ob &#8220;ethische oder religiöse Minderheiten in gewollter (sic!) oder beklagter Isolation Gegenkulturen&#8221; schaffen, antwortete er sich selbst:</p>
<blockquote><p>&#8220;Wir wären allerdings schlecht beraten, wenn wir aus Ignoranz oder falsch verstandener Korrektheit vor realen Problemen die Augen verschließen würden. Aber in Fragen des Zusammenlebens dürfen wir uns eben nicht letztlich von Ängsten, Ressentiments und negativen Projektionen leiten lassen. […] Unsere Verfassung wie unser Menschsein tragen uns auf, im Anderen geschwisterlich uns selbst zu sehen: begabt und berechtigt zur Teilhabe wie wir.&#8221;</p></blockquote>
<p>Das Recht gehört zu werden, sich einzubringen und sein Umfeld mitzugestalten, muss demnach von niemandem erworben, erarbeitet oder verdient werden – es besteht.</p>
<p><strong>Faschismus und Fanatismus<br />
</strong>Gauck lobt die Generation der 68er, die einen entscheidenden Beitrag zu Aufarbeitung des nationalsozialistischen Grauens geleistet hat und ruft dazu auf, sich heute ebenso mutig und radikal gegen verbrecherischen – Obacht, er sagt nicht: religiösen – Fanatismus zu engagieren.</p>
<blockquote><p>&#8220;Wir stehen zu diesem Land, nicht weil es so vollkommen ist, sondern weil wir nie zuvor ein besseres gesehen haben. Und speziell zu unseren rechtsextremen Verächtern der Demokratie sagen wir in aller Deutlichkeit: Euer Hass ist unser Ansporn. Wir lassen unser Land nicht im Stich. Wir schenken euch auch nicht unsere Angst. Ihr werdet Vergangenheit sein und unsere Demokratie wird leben.&#8221;</p></blockquote>
<p><strong>Politikverdrossenheit<br />
</strong>Gauck ruft dazu auf, Freiheit weder als selbstverständlich zu erleben noch als eine scheinbar unbegrenzte Flut von Möglichkeiten, die zu nichts anderem als tiefer Verunsicherung führt. Vielmehr betrachtet er sie als ein nicht zu unterschätzendes Potential zur Einmischung, dass es zu nutzen gilt. Zur Entfremdung zwischen &#8220;dem Volk&#8221; und &#8220;denen da oben&#8221; führt er aus:</p>
<blockquote><p>&#8220;Meine Bitte an beide, an Regierende wie Regierte, ist: Findet euch nicht ab mit dieser zunehmenden Distanz. Für die politisch Handelnden heißt das zuerst: Redet offen und klar, dann kann verloren gegangenes Vertrauen wiedergewonnen werden. Den Regierten, unseren Bürgern muten wir zu: seid nicht nur Konsumenten. Ihr seid Bürger, das heißt Gestalter, Mitgestalter.&#8221;</p></blockquote>
<p><strong>Vertrauen<br />
</strong>Am Ende seiner Rede bittet Gauck um Vertrauen. Ja, auch um Vertrauen in seine Person aber vor allem um Vertrauen in die Regierenden und was besonders verblüffen darf: Um Vertrauen in uns selbst. Am Anfang seiner Rede bejubelt er, dass es revanchistischer Ideen und Rachegelüste trotz des schweren Standes der Bundesrepublik nach dem Krieg nie zu einer Mehrheit gebracht haben, sondern dass sich Deutschland im Gegenteil zum Wegbereiter der europäischen Idee gemausert hat. Er erinnert daran, was uns gelungen ist, an Wiedervereinigung und Zusammenwachsen, an Friedfertigkeit und Solidarität und schlägt vor, das Bewusstsein darum als Kraftquelle für künftige Herausforderungen zu nutzen.</p>
<p>Natürlich: Gauck hat nur gesprochen, er hat nichts getan. Nur Taten jedoch werden aufkeimender Fremden- und Europafeindlichkeit Paroli bieten können. Es sind aus guten Gründen nur Worte, die einem Bundespräsidenten zur Ermutigung eines Landes zur Verfügung stehen. Unter Ermutigung versteht Gauck die Selbstermächtigung der Vielen. Also ausdrücklich: Die Übernahme von Verantwortung durch jeden Einzelnen.<strong><br />
</strong></p>
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