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		<title>10 Sätze über das sinkende Schiff</title>
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		<pubDate>Sat, 21 Jan 2012 11:37:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ron</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es gibt keinen Grund für Kreuzfahrtschiffe außer unserer zivilisierten Langeweile und der Lust am gefahrlosen, luxuriösen Pseudoabenteuer. <a href="http://kopfkompass.de/2012/01/10-satze-uber-das-sinkende-schiff/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Viel Zeit habe ich in den letzten Tagen damit verbracht, Fotos des auf Grund gelaufenen Kreuzfahrtschiffes Costa Concordia anzustarren, schamhaft angesichts dessen, was ich dabei empfinde.</p>
<div id="attachment_507" class="wp-caption aligncenter" style="width: 310px"><a href="http://kopfkompass.de/2012/01/10-satze-uber-das-sinkende-schiff/6730290777_544e2e16fb_b/" rel="attachment wp-att-507"><img class="size-medium wp-image-507" title="Liegen geblieben" src="http://kopfkompass.de/wp-content/uploads/2012/01/6730290777_544e2e16fb_b-300x200.jpg" alt="Costa Concordia" width="300" height="200" /></a><p class="wp-caption-text">CC darkroom productions/ Flickr</p></div>
<p>Die Havarie hat elf Menschen das Leben gekostet, weitere einundzwanzig werden augenblicklich noch vermisst. Fast zweieinhalbtausend Tonnen Schweröle im Rumpf des Schiffes drohen auszulaufen und eines der letzten europäischen Walschutzgebiete zu zerstören. Die vierhundertfünfzig Millionen Euro, die da mit fünfundsechzig Grad Schlagseite im Wasser liegen, sehen ihrer Verschrottung entgegen.</p>
<p>Trotzdem sprüht das Bild des gekenterten Riesenkreuzers in meinen Augen vor Poesie, ist eine Metapher unserer Zeit, ein Icon unserer Hybris, ein Mahnmal.</p>
<p><span id="more-506"></span></p>
<p>Es gibt keine andere Erklärung für die Toten, als die, dass sich Besatzung und Kapitän wegen der zertifizierten Unsinkbarkeit ihrer schwimmenden Kleinstadt in trügerischer Sicherheit ganz schläfrig gewogen hatten.<br />
Es gibt keine Rechtfertigung für eine so dichte Passage der felsigen Küste, abgesehen vom kindischen Leichtsinn eines übermutigen Kapitäns, der einen Freund auf der nahegelegenen Insel mit den Hörnern „seines“ Schiffes grüßen – also beeindrucken – wollte.<br />
Es gibt keinen Grund für Kreuzfahrtschiffe außer unserer zivilisierten Langeweile und der Lust am gefahrlosen, luxuriösen Pseudoabenteuer.</p>
<p>Inzwischen versuchen wir nicht mehr, die Elemente zu beherrschen, weil wir müssen sondern sie zu überwinden, weil wir können. Diese maßlose Selbstüberschätzung ist am Beispiel Costa Concordia gestolpert, gestrauchelt und gestürzt, wie ein fetter, dummer Besoffener, der Siegeshymnen grölend im eigenen Erbrochenen liegenbleibt.</p>
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		<title>Geduldsprobe: Deutscher Meister im Aussitzen</title>
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		<pubDate>Mon, 16 Jan 2012 14:00:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ron</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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		<description><![CDATA[Die Rebellion der Leitmedien bekommt trotzige Züge und die Empörungswelle im Netz treibt seltsame Blüten, beispielsweise in Form von Korruptionsvorwürfen als Sammelbildern. Beim Bäcker um die Ecke rollt man mit den Augen, wenn die Radiosprecherin den nächsten Vorwurf gegen Wulff enthüllt und findet, dass es nun wieder gut sein muss.

Nein, muss es nicht. Darf es nicht. Nicht so lange wir finden, dass ein Bundespräsident gebraucht wird. <a href="http://kopfkompass.de/2012/01/geduldsprobe-deutscher-meister-im-aussitzen/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Rebellion der Leitmedien bekommt trotzige Züge und die Empörungswelle im Netz treibt seltsame Blüten, beispielsweise in Form von <a href="http://www.kojote-magazin.de/2012/wulff-vorwurfe-ab-sofort-als-sammelbilder-erhaltlich/5471/">Korruptionsvorwürfen als Sammelbildern</a>. Beim Bäcker um die Ecke rollt man mit den Augen, wenn die Radiosprecherin den nächsten Vorwurf gegen Bundespräsident Wulff enthüllt und findet, dass es nun wieder gut sein muss.</p>
<p>Nein, muss es nicht. Darf es nicht. Wird es nicht. Nicht so lange wir finden, dass ein Bundespräsident gebraucht wird.</p>
<p><span id="more-500"></span></p>
<p>Was Christian Wulff noch nicht begriffen hat ist, dass es nicht um das Aussitzen einer unangenehmen Flut undurchsichtiger Affären geht, bei deren Versickern die Zeit für ihn arbeitet. Es geht um das Aussitzen seiner kompletten übrigen Amtszeit. Der Wutspielgel wird immer wieder ansteigen, sobald es der Pro-Forma-Präsident wagen sollte, vor ein Mikrofon zu treten. Zurecht.</p>
<p>Denn: Was kann dieser Bundespräsident noch wollen? Wann könnte man ihn noch ernst nehmen?</p>
<p>Wenn er zu Bescheidenheit aufruft, nötige Einschnitte der Euro-Krise wegen erklären will oder mehr freigiebige Nächstenliebe fordert? Wenn er sich mehr Zivilcourage wünscht, mehr Engagement oder mehr Ehrenamt? Wenn er für Offenheit eintritt, für Transparenz, für Ehrlichkeit? Traut man diesem Präsidenten moralische Bedenken gegenüber irgendeinem denkbaren Gesetzentwurf zu? Kann man sich Widerworte aus seinem Mund vorstellen oder gar, dass er eine Unterschrift verweigert? Gelächter!</p>
<p>Diesem Bundespräsidenten bleibt nur ein Thema, zu dem er einigermaßen glaubhaft predigen könnte: Offenheit gegenüber dem Islam und nötige Anstrengungen auf dem Weg zu einer Integrationspolitik, die mehr als nur assimilieren will.</p>
<p>Aber weil das das einzige Terrain wäre, auf dem er sich noch ohne Hohn und Spott bewegen könnte, wäre man geneigt, ihm hier Verlegenheit statt flammender Überzeugung zu unterstellen.</p>
<p>Christian Wulff ist kein Bundespräsident mehr. Bleibt er im Amt, müssen wir bis 2015 leider ohne auskommen.</p>
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		<title>Die Zwiebelmett-Doppelmoral der Knut-B&#252;rger</title>
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		<pubDate>Sat, 14 Jan 2012 11:04:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ron</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wir leben in einem Land, in dem am fünften Geburtstag eines verstorbenen Eisbären mehr als einhundert Menschen Blumen und Kränze an dessen Gehege niederlegen, sodass sich Zeitung und Fernsehen veranlasst sehen, darüber zu berichten. Wir leben in einem Land, in &#8230; <a href="http://kopfkompass.de/2012/01/die-zwiebelmett-doppelmoral-der-knut-brger/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wir leben in einem Land, in dem am fünften Geburtstag eines verstorbenen Eisbären mehr als einhundert Menschen <a href="http://www.morgenpost.de/berlin-aktuell/article1847040/Gedenken-an-verstorbenen-Eisbaeren-Knut.html">Blumen und Kränze</a> an dessen Gehege niederlegen, sodass sich Zeitung und Fernsehen veranlasst sehen, darüber zu berichten.</p>
<p>Wir leben in einem Land, in dem eben diesem Eisbären ein 4.000 Euro teurer <a href="http://www.berliner-kurier.de/kiez-stadt/pilgern-zum-baeren-grabstein-friedhofskraenzchen-knut-eisbaer,7169128,11267118.html">Gedenkstein</a> neben dem Grab seines Pflergers gesetzt wird, der sich zu einer regelrechten Pilgerstätte entwickelt, und sogar “Knut-Bürger” aus Frankreich und Südafrika anzieht.</p>
<p>In diesem unserem Land wird nun einem toten Eisbären ein einhundert Kilo schweres und 16.000 Euro teures <a href="http://www.bz-berlin.de/bezirk/charlottenburg/denkmal-der-knut-fuer-die-ewigkeit-article1361659.html">Denkmal</a> aus Bronze gegossen, über dessen Aussehen im Rahmen eines internationalen Wettbewerbes entschieden wurde, an dem mehr als vierzig Künstler teilgenommen haben.</p>
<p>Ich frage mich ganz ehrlich, ob wir sie noch alle haben. </p>
<p>Es ist nämlich eben gerade nicht so, dass wir ein besonders tierliebes oder mitfühlendes Land wären, was man angesichts des peinlichen Knut-Kultes oder der <a href="http://www.az-online.de/nachrichten/wirtschaft-finanzen/verband-ausgaben-haustiere-steigen-zr-1092183.html">3,7 Milliarden Euro</a> die wir 2010 für Heimtierbedarf ausgegeben haben, annehmen könnte. Während wir bald zwar nicht um ein goldenes Kalb, wohl aber um einen herrlichen bronzenen Eisbären tanzen können, schlagen wir uns unsere fetten Wänste mit so viel Fleisch wie nie zuvor voll. </p>
<p>Allein im dritten Quartal des letzten Jahres verzehrten wir laut <a href="http://www.az-online.de/nachrichten/wirtschaft-finanzen/verband-ausgaben-haustiere-steigen-zr-1092183.html">statistischem Bundesamt</a>:</p>
<ul> </ul>
<ul>
<li>15.200.000 Schweine</li>
<li>909.000 Rinder</li>
<li>358.000 Tonnen (!) Geflügel und</li>
<li>5.6000 Tonnen Lamm-, Schaf-, Ziegen- und – last but not least – Pferdefleisch.</li>
</ul>
<p>Ich weiß, dass wir irgendwann beschlossen haben, dass Ferkel, Kälber und Küken im Leben nicht so niedlich, so klug, so herzallerliebst sein können wie ein verwöhntes Eisbären-Gör, allerdings muss ich gestehen, dass ich vergessen habe, warum eigentlich.</p>
<p>Ich höre sie schon wieder “Irgendwas müssen wir doch essen!” rufen. </p>
<p>“Aber selbstverständlich!”, antworte ich und empfehle, den Speiseplan um leckeres Eisbär-Mett zu erweitern.</p>
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		<title>10 Sätze: Warum wir nicht alle Christian Wulff sind</title>
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		<pubDate>Sun, 08 Jan 2012 10:56:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ron</dc:creator>
				<category><![CDATA[10 Sätze]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
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		<category><![CDATA[Bundespräsident]]></category>
		<category><![CDATA[Christian Wulff]]></category>
		<category><![CDATA[Diekmann]]></category>
		<category><![CDATA[Moral]]></category>

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		<description><![CDATA[Gelten für einen Bundespräsidenten also höhere moralische Maßstäbe als für Privatpersonen? Selbstverständlich und zwar aus guten Gründen. <a href="http://kopfkompass.de/2012/01/10-satze-warum-wir-nicht-alle-christian-wulff-sind/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Mann finanziert sein Häuschen so günstig wie möglich, er freut sich, wenn er <em>business class</em> fliegen darf, obwohl er nur <em>economy</em> gebucht hat und wenn ihn Freunde zu Urlauben nach Florida, Italien oder Griechenland einladen, nimmt er händeklatschend an.</p>
<p>Würden wir das nicht alle? Wahrscheinlich würden wir, es sei denn, wir wären eine politische Person.</p>
<p>Wegen schlechter Erfahrungen mögen wir es nicht, wenn Politiker Geschenke von Unternehmern, Aufsichtsräten oder Konzernchefs annehmen. Wir wollen, dass der Wille des Volkes und der gesunde Menschenverstand die Basis für politische Entscheidungen bilden und etwa nicht persönliche Sympathien, denen durch geldwerte Vorteile womöglich nachgeholfen wurde.</p>
<p>Wir sind ein bisschen naiv was das angeht und auch ein bisschen empfindlich, aber Korruption, Bestechung und alles was danach riecht, wollen wir nicht haben. Im Gegenteil mögen wir politischen Idealismus und moralische Integrität, weshalb wir dem politischen Betrieb in unserem Land ein Amt vorangestellt haben, dessen Aufgabe es ist, genau diese beiden Tugenden zu repräsentieren.</p>
<p>Ein Amt selbst kann freilich keine Würde haben, der der es ausfüllt, muss sie ihm verleihen.</p>
<p>Gelten für einen Bundespräsidenten also höhere moralische Maßstäbe als für Privatpersonen?</p>
<p>Selbstverständlich und zwar aus guten Gründen.</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Wir schaffen Erde aus der Stadt</title>
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		<pubDate>Fri, 18 Nov 2011 16:59:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ron</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alltag]]></category>
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		<category><![CDATA[Biomasse]]></category>
		<category><![CDATA[Blätter]]></category>
		<category><![CDATA[Laub]]></category>

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		<description><![CDATA[Bäume sind sanfte Bohrer.
Das Laub ist ihr Abraum; 
ihre Wurzeln transportieren es gen Himmel
und die Müllwagen später gen nirgendwo.
Wir schaffen Erde aus der Stadt. <a href="http://kopfkompass.de/2011/11/wir-schaffen-erde-aus-der-stadt/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wie von Straßenstaub verdrecktes Konfetti,<br />
dass ab Aschermittwoch die Gossen verstopft,<br />
zeugt das trockene Laub unter den Bäumen<br />
von der goldgelben Rauscheparty,<br />
die der Herbst hat für uns steigen lassen. </p>
<p>Leicht verkatert hat die Stadtreinigung mit dem Aufräumen begonnen.<br />
Mit Mistgabeln und Schaufeln<br />
schippen Gestalten in orange<br />
mannshohe Haufen abgeworfener Blätter<br />
in die Bäuche tuckernder Müllwagen,<br />
die Fuhre um Fuhre aus der Stadt schaffen. </p>
<p>Vermutlich verschwinden Vororte hinter kompostierenden Deponien.<br />
Oder wir beheizen Bezirke mit der Abwärme beißender Laubfeuer.<br />
Oder Hallenbäder und Saunen. </p>
<p>Nur: Laub besteht nicht nur aus Wasser, das sickert und regnet und fließt von überall her.<br />
Laub muss doch aus Erde bestehen; wie sonst könnte es später wieder zu Erde werden? </p>
<p>Bäume sind sanfte Bohrer, wenn das stimmt.<br />
Das Laub ist ihr Abraum;<br />
ihre Wurzeln transportieren es gen Himmel<br />
und die Müllwagen später gen nirgendwo.<br />
Wir schaffen Erde aus der Stadt.</p>
<p>Sind so womöglich die Gebirge entstanden:<br />
An Orten mit kräftigen Bäumen die Täler und an Orten ohne sanfte Hügel erst,<br />
und später die Berge?</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Müllmolke in Fruchtbonbons. Und auch sonst überall.</title>
		<link>http://kopfkompass.de/2011/09/mullmolke-in-fruchtbonbons-und-auch-sonst-uberall/</link>
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		<pubDate>Wed, 07 Sep 2011 17:24:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ron</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Dass es sich beim &#8220;Nimm 2&#8243;-Lutschbonbon nicht um den Juwel in der Schatzkammer des Ernährungspyramiden-Pharaos handelt, dürfte jedem klar sein. Dafür hat das mediengehypte Empörungstamtam der Foodwatch-Aktivisten nachhaltig gesorgt. Dennoch griff ich heute morgen &#8211; teils aus Höflichkeit, teils aus &#8230; <a href="http://kopfkompass.de/2011/09/mullmolke-in-fruchtbonbons-und-auch-sonst-uberall/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Dass es sich beim &#8220;Nimm 2&#8243;-Lutschbonbon nicht um den Juwel in der Schatzkammer des Ernährungspyramiden-Pharaos handelt, dürfte jedem klar sein. Dafür hat das mediengehypte <a href="http://www.abgespeist.de/nimm2/index_ger.html">Empörungstamtam</a> der Foodwatch-Aktivisten nachhaltig gesorgt. Dennoch griff ich heute morgen &#8211; teils aus Höflichkeit, teils aus einem unterbewussten autoaggressivem Impuls heraus &#8211; in die Tüte, die mir meine Kollegin strahlend entgegenstreckte. Und während ich noch damit beschäftigt, war den spitzen, süßsauren Füllungsrest, der sich wie eine fette Zecke an meinem bisher noch nicht kariösen rechten oberen Reißzahn festgesaugt hatte, mühsam mit der Zunge in den Schlund zu befördern, rief es entsetzt aus der Magengrube empor, dass ich doch überhaupt nicht wisse, ob die Dinger denn eigentlich vegan seien.<br />
<span id="more-435"></span><br />
Sind sie nicht. Möglicherweise sind sie nicht einmal vegetarisch. Sie enthalten Süßmolkenpulver. Das ist das gleiche wie Molke, Molkenerzeugnis oder Milcheiweiß. Und es kommt sehr gern dort vor, wo man es nicht vermutet. Zum Beispiel in vermeintlichen Fruchtsaftbonbons. Aber auch in Kartoffelchips, Brotaufstrichen, Fruchtgummis, Pesto und sogar Zahncreme. Dort zu suchen hat es nichts, und es ist dort auch für rein gar nichts gut, obwohl ausgewählte Experten auf seine gesundheitsfördernde Wirkung <a href="http://www.experto.de/b2c/gesundheit/ernaehrung/molke-bringt-ihre-verdauung-in-schwung.html">schwören</a>.</p>
<p>Molke ist die Flüssigkeit, die bei der Herstellung von Käse übrig bleibt. Da sehr viel Käse produziert wird, fällt auch sehr viel Molke an. Früher, als noch niemand auf die Geschäftsidee mit der entschlackenden Wirkung gekommen war, wurde dieses Abfallprodukt einfach in die Kanalisation eingeleitet. Erst die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Salzlakenkäse#Molke">Erkenntnis</a>, dass das Molkeeiweiß zu Fäulnisprozessen führt, die sogar Kläranlagen zum biologischen umkippen führen, rief die Alternativ-Verwertungs-Kreativen auf den Plan.</p>
<p>Neben ambitionierten <a href="www.veu.de/files/11452_kurzbericht_molke.pdf">Forschern</a>, die nach schonenden Entsorgungmöglichkeiten suchen, hat sich die <a href="http://www.amazon.de/BBGenics-wISOLATE-Protein-Alu-beutel-ADE-BAS-PR-WI101/dp/B002LQC3LU/ref=sr_1_2?ie=UTF8&amp;qid=1315414534&amp;sr=8-2">Fitnessbranche</a> und offenbar auch die Lebensmittelindustrie bereit erklärt, als gutmütige Abfallverwerter einzuspringen. Dies geschah möglicherweise nicht ganz uneigennützig, wie die Preise der Molkepulver und die Verwendung desselben als billiges Füllmittel für alles mögliche nahelegen.</p>
<p>Solange man den Müll nicht zu stark herausschmeckt, mag das den Meisten egal sein. Für Veganer ist das Süßmolkenpulver jedoch der kleine Stinkefinger am Ende viel zu vieler Zutatenlisten, beispielsweise jener von &#8220;Nimm 2&#8243;. Aber auch die Konseqeunz von Vegetarierern wird getestet: Da zur Herstellung von Käse auch heute noch oft auf tierisches Lab zurückgegriffen wird, sind für die Gewinnung des so hochwertigen Süßmolkenpulvers möglicherweise Tiere gestorben. </p>
<p>Dass der Weg zum Fruchtbonbon über den Schlachthof führt, dürfte aber selbst den omnivoren Süßwarenfreund einigermaßen überraschen.</p>
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		<title>Schoßgebete: Geil auf&#8217;s Reden</title>
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		<pubDate>Sun, 04 Sep 2011 15:15:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ron</dc:creator>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Schoßgebete]]></category>
		<category><![CDATA[Sexualität]]></category>
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		<category><![CDATA[Schossgebete]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Buch, dass ich gelesen habe, heißt zwar “Schoßgebete”, hat aber ansonsten mit dem im medialen Mainstream besprochenen nicht viel zu tun. In meinem Buch ist auch viel von Sex die Rede. Im Vordergrund steht allerdings ein furchtbarer Unfall, bei &#8230; <a href="http://kopfkompass.de/2011/09/schosgebete-geil-aufs-reden/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das Buch, dass ich gelesen habe, heißt zwar “Schoßgebete”, hat aber ansonsten mit dem im medialen Mainstream besprochenen nicht viel zu tun.</p>
<p>In meinem Buch ist auch viel von Sex die Rede. Im Vordergrund steht allerdings ein furchtbarer Unfall, bei dem drei Brüder der Romanheldin Elizabeth auf dem Weg zu deren Hochzeit ums Leben kamen. Dieser Unfall hat sie tief traumatisiert und dazu geführt, dass der Tod immer nur einen Gedanken entfernt ist. </p>
<p>Elizabeth ist permanent auf der Flucht. Sie weiß nicht, wie viel Zeit bleibt. Sie muss alles richtig machen: Richtig essen, die richtigen Zeitungen lesen, richtig wählen, ihr Kind richtig erziehen, ihre Ehe richtig führen und ja, auch richtig vögeln. Andererseits weiß sie, dass sie ihre Flucht vor dem Tod demselben geradewegs in die Arme treiben wird. Deswegen muss alles endgültig sein. Es muss abgerechnet sein: Mit der eigenen Familie, der besten Freundin, dem Ex und mit der Bild-Zeitung. Für Kompromisse ist kein Platz, für Entwicklungen ist keine Zeit.<br />
<span id="more-426"></span></p>
<p>Der Feind heißt Ruhe. Die Gedankenmaschine muss laufen. Ihre Abgase sind nötig, um Ängste und Verletzungen, Komplexe und Widersprüche, vor allem aber die gähnende innere Leere zu vernebeln, die Elizabeth quält, sobald sie nicht völlig ausgelastet ist. </p>
<p>Dass das Buch in seiner medialen Besprechung so oft auf seine körperlichen Passagen reduziert wird, verblüfft mich. Natürlich: Sex sells. Das gilt nicht nur für Roche selbst sondern genauso für die Zeitungsartikel, Zeitschriftencover und Talkshows, die sie und ihr Buch ausschlachten.</p>
<p>Es freut mich allerdings, dass Autorin wie Heldin dieses Forum nutzen, um für die unverblümte Kommunikation über Sex in Beziehungen einzutreten. Auch meiner Erfahrung nach ist das offene Wort ein wirksames Rezept gegen die ratlose Libido-Langeweile, die eine Last vieler mehrjähriger Liebesbeziehungen ist. Ich stimme Roche zu, wenn sie darauf hinweist, dass die mediale Übersexualisierung unserer Gesellschaft nicht mit einer Entabuisierung des ehrlichen Gespräches darüber zu verwechseln ist. Die aber ist überfällig. Und wie geil unsere Gesellschaft auf diese Debatte ist, zeigt sich in der geflissentlichen Ignoranz gegenüber der nicht in griffige Parolen zu quetschenden traumapsychologischen Dimension des Buches. </p>
<p>Ich kann mich leider nicht entscheiden, ob ich den Stil des Romans grauenhaft oder genial finde. Im gehetzten Plauderton kann nirgends lange verweilt werden. Nicht bei Erotik, nicht bei Psychologie, nicht bei Sex und nicht beim Unfall. Alles ist untrennbar ineinander verschlungen und wird zügig assoziiert aneinander gereiht. Hier wird ein Erzählstrang abgebrochen, fünfzig Seiten später wiederholt er sich, irgendwann wird er fort- oder mit etwas Glück gar zu Ende geführt. Elizabeth denkt wie ein leidenschaftlicher Twitterer: Schnell, oberflächlich, egozentrisch und keine Pointe auslassend. Das hat mich genervt. Weil Roche die Stimmung in der Sekunde wechselt, in der ich mich darauf eingelassen hatte. Und weil es mich an mich selbst erinnert. </p>
<p>Am Ende hat das Netz aus roten Fäden einige wirre Knoten, hält aber.</p>
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		<title>Ein zusammengebasteltes Selbst darstellen (Schoßgebete)</title>
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		<pubDate>Sun, 28 Aug 2011 14:45:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Bisher dachte ich, eine Selbstdarstellerin wäre damit beschäftigt, sich selbst darzustellen. Ich dachte, sie würde jedes Fitzelchen Aufmerksamkeit als Leinwand begreifen, auf dass sie kritzeln kann, was sie so treibt, wie hip das alles ist und wie bewundernswert. Als Lohn &#8230; <a href="http://kopfkompass.de/2011/08/ein-zusammengebasteltes-selbst-darstellen-schosgebete/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Bisher dachte ich, eine Selbstdarstellerin wäre damit beschäftigt, sich selbst darzustellen. Ich dachte, sie würde jedes Fitzelchen Aufmerksamkeit als Leinwand begreifen, auf dass sie kritzeln kann, was sie so treibt, wie hip das alles ist und wie bewundernswert. Als Lohn hierfür verlangt sie Feedback oder einfach mehr Aufmerksamkeit.</p>
<p>Die Lektüre von Roche’s Roman lässt mich zweifeln, ob ich die Bedeutung des Wortes Selbstdarstellerin möglicherweise missverstanden habe. Roches Protagonistin scheint nämlich (zumindest auf den Seiten 7-65) darunter zu leiden, dass in ihr überhaupt kein Selbst ist, das dargestellt werden könnte. Stattdessen mauert sie die Lücke, in der sie Individualität vermisst, bauklötzchenartig mit Allgemeinplätzen zu, von denen sie sich verspricht, dass sie sie clever und subversiv erscheinen lassen.</p>
<p><span id="more-419"></span><br />
Aus „normalem Antiamerikanismus“ heraus werden so beispielsweise alle „zuckerhaltigen Getränke“ abgelehnt. Als Zeitungen kommen nur „Die Zeit“ und „Der Freitag“ in Frage. Die Biogemüsebrühe ist nur ohne Hefeextrakt ok, weil Hefeextrakt grüngewaschenes Glutamat ist. Und nach der Lektüre von Jonathan Safran Foer isst man selbstverständlich vegetarisch.</p>
<p>Das Fähnchen wedelt zweifellos schillernd im Zeitgeist. Aber was dient denn als Fundament für den Fahnenmast?</p>
<p>Das  Familientrauma in Gestalt eines fürchterlichen Autounfalls kommt mir jedenfalls nicht wie der zentnerschwere Betonklotz vor, der dafür taugen würde. Der Verlust ihrer drei Brüder wird wie eine handvoll lustiger Knallfrösche an den unmöglichsten Stellen in den Text geschmissen,  um für effektvolle Schockmomente zu sorgen. Eine tiefere Auseinandersetzung mit dem Unfall bleibt bisher nämlich aus.</p>
<p>Und die offensive Darstellung von Sexualität ist meiner Meinung nach zwar originell aber nicht besonders individuell.  Wenn Elizabeth Kiehl mit Begeisterung in die Rolle einer „Sexdienerin“ für ihren Gatten schlüpft, oder gemeinsam mit demselben unter die Bettdecke einer Prostituierten, empfinde ich das mehr als Imitation ausgelatschter Männerfantasien denn als Ausdruck gegen gesellschaftlicher Konventionen erkämpfter Individualität.</p>
<p>Elizabeth Kiehl stellt nicht sich selbst dar. Vielmehr stellt sie im schauspielerischen Sinne dar, dass sie ein Selbst hätte.</p>
<p>Was mir bisher einigermaßen auf die Nerven geht.</p>
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		<title>Von wegen Rausch (Schoßgebete, S. 7-22)</title>
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		<pubDate>Thu, 25 Aug 2011 17:46:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Auch wenn man es sich anders wünscht, und auch wenn die Autorin fröhlich dazu ermuntert, sollte man nicht den Fehler begehen, in Romanen beschriebene Ereignisse mit der Wirklichkeit zu verwechseln. Aber selbst wenn sich dieser künstlich beheizte Blowjob im Leben &#8230; <a href="http://kopfkompass.de/2011/08/von-wegen-rausch-schosgebete-s-7-22/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Auch wenn man es sich anders wünscht, und auch wenn die Autorin fröhlich dazu ermuntert, sollte man nicht den Fehler begehen, in Romanen beschriebene Ereignisse mit der Wirklichkeit zu verwechseln. </p>
<p>Aber selbst wenn sich dieser künstlich beheizte Blowjob im Leben von Charlotte Roche nie zugetragen haben sollte, erinnert er mich doch sehr deutlich an einen überaus enervierendes Phänomen, dass mir aus eigenem Erleben aber auch aus Schilderungen von Freunden bestens vertraut ist:</p>
<p>Wir vögeln nicht, wir denken. </p>
<p>In der Schilderung von Roche nimmt der Rausch zweieinhalb Sätze des fünfzehnseitigen Fellatio-and-everything-after-Essays ein. Meiner statistisch zugegeben sehr dürftigen Datenlage nach ist das schon erfreulich viel.</p>
<p>Ich dachte immer, Sex sei für Körper gemacht, meinetwegen für Seelen, vielleicht sogar für Tiere. Meiner bescheidenen Erfahrung nach, bietet er aber lediglich die passende Kulisse uns zu fragen:<br />
- wie wir gerade aussehen<br />
- ob wir das gerade richtig machen oder es vielleicht noch besser ginge<br />
- ob sich Außenstehende nicht möglicherweise vor Lachen ausschütten würden bei unserem Anblick<br />
- ob wir nicht vielleicht sehr unappetitlich riechen<br />
- ob wir laut oder leise genug sind<br />
und warum das in Pornos alles so viel einfacher und lustvoller aussieht. </p>
<p>Ein physikalisches Wunder, dass überhaupt noch Blut für unsere Genitalien übrig bleibt, wenn es doch unsere Gehirne sind, die so anschwellen. </p>
<p>Tantra ist mir zu anstrengend und hat (auch im Bekanntenkreis) für mehr lustige als lustvolle Stunden gesorgt. Drogen helfen ein bisschen, kommen mir künstlich und unauthentisch vor. Vertrautheit hilft sehr, ist aber umgekehrt proportional zum Prickeln.</p>
<p>Die Gedankenlosen sind glücklicher als wir? Wirklich?<br />
Ach komm!</p>
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		<title>Kann es sein, dass wir gerade im ICE nebeneinander sitzen?</title>
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		<pubDate>Sat, 07 May 2011 11:26:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ron</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alltag]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Soziale Netzwerke]]></category>
		<category><![CDATA[Technik]]></category>
		<category><![CDATA[twitter tweet twettdeck zug eisenbahn ice]]></category>

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		<description><![CDATA[Mir war schon vor längerer Zeit klar geworden, dass unsere kleinen digitalen Begleiter den zwischenmenschlichen Kontakt mit Unbekannten auf eine unangenehm transzendente ebene hieven. Anstatt den Blick zu heben und der Person, der man gegenüber sitzt ein Lächeln zu schenken, senken wir lieber den Kopf und drücken "Gefällt mir". Bisher habe ich mir immer recht überzeugend einreden können, dass uns Bücher und Zeitungen schon seit Ewigkeiten vom Beieinandersein in öffentlichen Verkehrsmitteln abgehalten haben und Handys &#38; Co. dies allerhöchstens ein kleines bisschen verschärft haben. Die Situation jetzt war aber so skuril, dass ich sie nicht aushalten konnte. <a href="http://kopfkompass.de/2011/05/kann-es-sein-dass-wir-gerade-im-ice-nebeneinander-sitzen/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wann immer ich in einem Fernzug platz nehme &#8211; und ich tue dies regelmäßiger, als mir lieb ist &#8211; zücke ich das Handy und starte Tweetdeck. Dieser sehr funktionale Twitter-Aggregator versorgt mich mit den neuesten Nachrichten meiner Freunde, den aktuellsten Updates der Menschen und Institutionen, denen ich auf Twitter folge und immer neuen Links zu Artikeln, die mich interessieren. Man muss die wenigen Minuten die der Zug noch im Bahnhof steht nutzen um so viele Informationen wie möglich abzurufen, in Wirklichkeit ist das mobile Internet so mobil nämlich nicht. </p>
<p>Als ich neulich also in geübter Nerd-Pose (Kopf auf die Brust, Smartphone auf den Bauch) im Zugsessel vor mich hin updatete, setzte sich eine junge Frau neben mich. Ich bemerkte sie nur deshalb, weil sie auf der Suche nach der Steckdose zwischen den Sitzen mit ihrer Hand meinen Oberschenkel berührte. Einige Minuten später &#8211; der Zug fuhr, ich wartete auf das mobile Internet &#8211; folgte mein Blickt dem Kabel des Ladegerätes, dass sie angeschlossen hatte bis zu ihrem Handy. Sie verwendete Tweetdeck. Ich musste kichern, war aber nicht laut genug, um sie aus ihrer Timeline zu reißen. </p>
<p>Mir war schon vor längerer Zeit klar geworden, dass unsere kleinen digitalen Begleiter den zwischenmenschlichen Kontakt mit Unbekannten auf eine unangenehm transzendente ebene hieven. Anstatt den Blick zu heben und der Person, der man gegenüber sitzt ein Lächeln zu schenken, senken wir lieber den Kopf und drücken &#8220;Gefällt mir&#8221;. Bisher habe ich mir immer recht überzeugend einreden können, dass uns Bücher und Zeitungen schon seit Ewigkeiten vom Beieinandersein in öffentlichen Verkehrsmitteln abgehalten haben und Handys &amp; Co. dies allerhöchstens ein kleines bisschen verschärft haben. Die Situation jetzt war aber so skuril, dass ich sie nicht aushalten konnte.</p>
<p>Was aber tun? Den Kopf heben und lächeln? Dafür war ich nicht mutig genug. Abgesehen davon, war sie viel zu vertieft in Tweets und Retweets, als das sie mein Lächeln hätte bemerken können. Sie ansprechen? Um wenigstens eine kleine Chance auf Erfolg zu haben, hätte ich ihr hierfür zuerst die Stöpsel aus den Ohren angeln müssen. Ihre Musik war ziemlich laut. Aber gut. Ich kannte die Band. </p>
<p>Also suchte ich &#8211; eine klassische Übersprungshandlung &#8211; nach Updates über die Band bei Twitter. Und fand:</p>
<blockquote><p>
<a href="http://twitter.com/#!/_susaramsch/status/61054814083223552">_susaramsch: I am listening to Epica http://bit.ly/i5IPWS @GetGlue #Epica</a>
</p></blockquote>
<p>Hatte sie das geschrieben? Direkt neben mir? Vor einer Minute? Wie wahrscheinlich war es, dass irgendwo irgendjemand auch gerate Epica hört und darüber twittert? Ich musste es herausfinden und schrieb:</p>
<blockquote><p>
<a href="http://twitter.com/#!/kopfkompass/status/61065106754240513">kopfkompass: @_susaramsch ein bisschen riskant aber vielleicht witzig: Kann es sein, dass wir gerade im ICE nebeneinander sitzen? <img src='http://kopfkompass.de/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' /> </a>
</p></blockquote>
<p>Die folgende Minute verbrachte ich breit grinsend. Ich konnte den Blick nicht vom Handybildschirm abwenden. Und zwar von ihrem. Tatsächlich: Ein kleiner gelber Punkt meldete einen neuen Tweet an sie.<br />
Sie nahm die Stöpsel aus den Ohren, hob den Kopf und lächelte mich an. </p>
<p>Den Rest der Fahrt verbrachten wir in einem sehr angeregten Gespräch. Wir unterhielten uns einfach. Über alles mögliche. Wahrscheinlich so ähnlich, wie sich Menschen vor der Erfindung von Smartphones, iPods, Walkmans  und sogar des Buchdrucks unterhalten haben. Es war sehr angenehm.</p>
<p>Seither folgen wir einander auf Twitter.</p>
<blockquote><p>
<a href="http://twitter.com/#!/kopfkompass/status/61065106754240513">Ist mir auch noch nicht passiert. Lustig war&#8217;s aber. http://bit.ly/fJ2Lys</a>
</p></blockquote>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://kopfkompass.de/2011/05/kann-es-sein-dass-wir-gerade-im-ice-nebeneinander-sitzen/feed/</wfw:commentRss>
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