Bäume pflanzen beim Bahnfahren

Nachdem ich mit mehr als 30 Hin- und Rückflügen im letzten Jahr eine fast so katastrophale Ökobilanz wie ein tüddeliges Kreuzfahrtschiff hatte, versuche ich dieses Jahr, alles wieder gut zu machen. Ich fahre Bahn. Viel. Eigentlich nur. Ich habe mir eine BahnCard 100 gekauft und nachdem alle kurz „Boah, die ist aber teuer!“ gerufen haben, will ich kurz erklären, warum das nicht stimmt.

Eine BahnCard 100 kostet 4.270 Euro im Jahr. Als Inhaber der sogenannten „schwarzen Mamba“ darf ich in jeden Zug einsteigen der mir gefällt und zwar wann immer ich möchte. Auch in Privatbahnen. Auch in S-Bahnen. In allen Städten in denen das City-Ticket gilt sogar in U-Bahnen, Hochbahnen, Straßenbahnen und Busse. Mir ist in diesem Jahr noch kein öffentliches Verkehrsmittel untergekommen, dass ich nicht hätte benutzen dürfen. Und zwar ohne weitere Mehrkosten. Mit anderen Worten: Ich habe Mobilitätskosten von 355,84 Euro jeden Monat. Ich muss kein Auto abbezahlen und auch nicht auf ein neues sparen, ich zahle keine Versicherung, ich tanke nicht, ich parke nicht, ich benutze keine Waschanlagen, ich zahle keine KFZ-Steuern, keine Durchsichten, keine Reparaturen, keine Unfälle. Und auch keine Monatskarten. Ich zahle 355,84 Euro jeden Monat und bin: frei. Zudem kann ich die Zeit im Zug nutzen. Zum Schlafen, Arbeiten, Lesen oder Schreiben. Und: Ich reise mit Ökostrom und finanziere ein Unternehmen, dass sich wirklich viel Mühe in Sachen Ökologie macht. Ja, auch in Sachen Marketing und Greenwashing. Aber wer hat, der kann.

Das einzige, was mir an meiner BahnCard bis heute ein bisschen sinnlos vorkam, waren die über 4.000 bahn.bonus Punkte, die ich beim Kauf automatisch sammle. Normalerweise kann man die benutzen, um sich Freifahrten zu organisieren, aber in meinem Fall fahre ich sowieso überall frei – bzw. habe schon alle möglichen Fahrten bezahlt. Von Upgrades in die 1. Klasse halte ich nichts, weil mein Arsch auf Plüsch genauso gut sitzt wie auf Leder und weil sich die Servicewüste Deutschland nirgendwo so hartnäckig hält, wie im BordBistro der Deutschen Bahn, locken mich auch Verzehrgutscheine nicht.

Heute habe ich Herausgefunden, dass man mit seinen bahn.bonus-Punkten Bäume pflanzen kann. Und zwar nicht im lateinamerikanischen Dschungel (wo wir sie zweifelsohne auch brauchen), sondern in Deutschland (wo sie angesichts des extrem trockenen und heißen Sommers ebenso notwendig sind). Das Bergwald Projekt ist ein eingetragener Verein, der sich nicht nur um gezielte Wiederaufforstung kümmert sondern auch um weniger plakative Dinge, wie die gezielte Artendurchmischung von bisher reinen Fichtenwäldern oder Wildnispädagogik, damit künftige Generationen ihren Müll nicht so sorglos im Wald entsorgen wie viel zu viele Leute heute.

Schon mit 500 bahn.bonus-Punkten ist man dabei – damit kann man einen Betrag von 10 Euro spenden – genug für zwei Bäume. 500 Punkte sind sogar für Reisende leicht zu schaffen, die einige Male im Jahr mit einer BahnCard 25 oder 50 reisen. Und als letzte kleine Entscheidungshilfe: Eine einzelne ausgewachsene Linde produziert 4,5 Tonnen Sauerstoff – in einem Jahr. Das ist mehr als ein einzelner Mensch in 13 Jahren veratmet.

Gute Reise!

Müllsammeln wirkt!
(Plogging #4)

Inzwischen habe ich es ein paar Mal gemacht, inzwischen habe ich bisschen Routine. Im Grunde kann man einen leeren Müllsack zumindest in Berlin auf jedem Waldspaziergang gebrauchen. Und ein paar Einweghandschuhe auch, denn manchmal wird es zugegeben bissi widerlich. Aber inzwischen stresst es mich mehr, den Müll mangels Transportbehältnis in der Natur liegen lassen zu müssen, als ein bisschen Ausrüstung mit mir herumzutragen, nur für den Fall dass.

Was ich inzwischen auch gelernt habe, ist mir nicht mehr bescheuert dabei vorzukommen, mit einem Müllsack auf dem Rücken durch den Wald zu stolpern um die manifestierte Dummheit anderer Menschen wegzuräumen. Anfangs habe ich lieber einen kleinen Umweg gemacht, wenn mir jemand entgegenkam oder bin abgebogen, um die Begegnung zu vermeiden. Von den Malen in denen mir das nicht gelungen ist weiß ich aber, dass sie Scham meist nicht meinerseits ist.

Töchter fragen ihre Mütter leise, was die beiden Männer da machen, nach dem sie uns passiert haben. Jungs fragen ihre Väter, ob wir Pilze sammeln. Die Erklärungen der Eltern höre ich leider nicht, aber wenn ich sie mir vorstelle, erfüllt mich das mit Stolz.

Manche Menschen bleiben stehen und beobachten uns eine Weile ungläubig, bevor sie weiter gehen; andere sprechen uns direkt an. Und das ist meistens sehr schön. „Ach, Sie sammeln wohl Müll?“ Meist spricht man dann ein paar Minuten über die Gedankenlosigkeit der Menschen und darüber, dass das früher nicht so war. Obwohl ich gerade beim letzten Argument eigentlich nicht ernst bleiben kann, muss ich hier leider zugegeben, dass es stimmt. Und eigentlich immer enden die Gespräche damit, dass uns die Leute sagen, dass sie sich ein Vorbild an uns nehmen wollen. Und das freut mich. Dolle.

Heute sind wir ganz bewusst gegen 14:00 Uhr los gegangen, zu der Zeit, zu der die meisten Leute im Park sind. Und wir sind ganz gezielt zum Spielplatz gegangen, zur Badestelle und zum alten Wildgehege. Dort, wo sich die Leute aufhalten, Kekse aus Folie essen, Capri Sun aus Beutelchen zutschen und Kaffee aus Pappbechern mit Plastikdeckeln schlürfen, sind wir heute mit unserem großen grauen Müllsack erschienen und haben wortlos den Müll vom Boden eingesammelt.

Das hat sich ein bisschen wie eine 2-Mann-Demo angefühlt, aber wie eine die wirkt.

Ich halte nichts vom Gefühl der moralischen Überlegenheit – es ist meistens falsch und niemals führt es zu etwas Gutem. Aber der Gedanke, dass heute zwei oder drei Menschen ihr Eispapier lieber in ihre Hosentaschen gestopft haben, anstatt es achtlos in den Wald zu schmeißen, fühlt sich gut an.

Fast so gut, wie der volle Müllsack auf meinem Rücken – nach nur 30 Minuten Sammelei.

Müll des Tages
Der Müll des Tages

 

Bitter: Trotz bio blöd.
(Plogging #3)

Ein bisschen ist es wie ein Tick. Wenn du einmal angefangen hast, auf den herumliegenden Müll zu achten, kannst du nicht mehr damit aufhören. Ich will nicht verleugnen, dass mich das Plogging alles in allem zu einem wütenderen Menschen macht. Und auch nicht, dass mich das Müllsammeln mit zahlreichen guten Argumenten gegen die angebliche Intelligenz der Menschheit versorgt, auf die wir uns so viel einbilden.

Heute ein ganz besonders delikater Fall von: Geht’s noch?!

Leerer Kaffeebecher der Bio Company
Bitter: Blöd trotz bio

Du bist bereit einsfuffzich mehr als nötig in deinen Kaffee zu investieren, weil dir wichtig ist, dass er bio ist? Fein! Du magst, dass dein Bio-Kaffee-Dealer den Produzenten mehr zahlt als er müsste, um in den Anbauländern für auskömmliche Verhältnisse zu sorgen? Super! Du hattest deinen wiederverwendbaren Kaffeebecher heute ausnahmsweise nicht dabei? Kann passieren. Und die Biocompany macht bei Recup noch nicht mit? Nicht deine Schuld. Aber wenn du deinen ethisch korrekten Wachmacher schon in einem von 480.000 Einwegbechern mit 15 Minuten Lebenszeit kaufen musst, die allein in Berlin jeden einzelnen Tag verbraucht werden, dann versau doch nicht den ganzen Spaß, indem du ihn einfach ins Gebüsch schmeißt, wenn er leer ist.

Dieses Mal habe ich in weggeräumt für dich.
Nächstes Mal schaffst du das selber, Prinzessin.
Gefälligst.
Ist nämlich nicht dein verdammtes Königreich hier.
Sondern unser aller.

Plogging #2: Da ist Müll im Wald, aber was ist in euren Köpfen?

Das Müllsammeln letzte Woche hat mich noch ziemlich lange beschäftigt. Heute waren wir wieder unterwegs. Es gibt so vieles, was ich einfach nicht kapiere. Hier mal exemplarisch drei Dinge.

  • Hundekacke. Widerlich, ja. Stinkt, klebt, sieht hässlich aus. Soll man wegmachen. Dafür gibt es kleine Beutelchen. Manche abbaubar, die meisten aber aus Kunststoff und damit im Gegensatz zu dir oder deinem Hund bestens gewappnet, die nächsten 1.000 Jahre zu überleben. Wenn dein Hund in den Wald kackt und weit und breit kein Mülleimer zu sehen ist, dann lass den Scheiß doch bitte einfach liegen. Ein engagiertes Team aus Mikroben, Käfern & Scheißhausfliegen kümmern sich drum. Aber Hundekacke im Wald in ein Plasticksackerl zu füllen, dieses zuzuknoten und ins Gebüsch zu schmeißen ist ungefähr so sinnvoll, wie im Winter bei offenem Fenster das Weltall zu heizen oder den Wald mit Badreiniger zu putzen. Meine Güte!
  • Glasflaschen. Es hat in Berlin seit Mai genau vier mal geregnet. Nie länger als eine Stunde. Waldbrandstufe 4 ist keine Bild-Schlagzeile zur Auflagensteigerung, sondern tatsächlich sehr gefährlich. Wir hatten dieses Jahr schon Waldbrände und den letzten konnte ich auf meinem Balkon riechen. Deine weggeschmissene Glasflasche verrottet nicht in 1.000 Jahren, sondern überhaupt gar nie nie nie. Deshalb finden Archäologen noch heute jahrtausendealte Glaskaraffen im Untergrund, bevor wir schicke neue Shopping-Malls drauf bauen. Wenn du zu faul bist, deine Glasflasche wieder dahin mitzunehmen, woher du sie mit gebracht hast, schmeißt du damit ein Brennglas in den Wald, das den Ausbruch des nächsten Waldbrandes begünstigt. Das ist wie Lotto. Nur in böse.
  • Getränkekartons. Saft, Billigwein, Milchmixgetränke. Lecker für unterwegs. Und praktisch. Immerhin ist der Karton viel leichter als Glas,  und lässt sich wenn er leer ist flach zusammenfalten um ihn einfach wieder mit nach Hause zu nehmen und in die gelbe Tonne zu entsorgen. Auf dem Waldboden hat das ausgeklügelte Konglomerat von Wachs, Aluminium, Papier und Kunststoff jedenfalls keine Chance zu verschwinden – der Ort wird hässlicher sein, wenn du jemals zurück kommst. Mach das also lieber nicht.
Plogging2
Plogging, zweiter Versuch

Jedenfalls sind mein Mann und ich heute wieder aufgebrochen. Diesmal mit einem 100 Liter Müllsack. Wir haben 40 Minuten gebraucht um den Sack im Volkspark Jungfernheide komplett voll zu machen. Ein bisschen hat sich das tatsächlich nach Sport angefühlt. Regelmäßiges Bücken, Schleppen von einigen Kilo Gewicht und bisschen Strecke macht man auch. Vielleicht wird Plogging ja doch zur neuen Trendsportart. Die Natur würde es uns danken.

Support nach Lust und Laune: Warum das T100TA mein letzter Asus Laptop war

Ende letzten Jahres kaufte ich mir einen kleinen neuen Laptop. (Ich habe hier davon geschwärmt.) Es war mein erster ohne mechanische Bauteile und ohne Lüfter, dafür aber mit abnehmbarer Tastatur und Touchscreen. Es war außerdem mein erster Laptop von Asus. Ein T100TA. Und es wird mein letzter dieses Herstellers gewesen sein, nachdem ich den Support von Asus kennenlernen durfte.

Vorweg: mit knapp 400 Euro war der Rechner sehr günstig. Seiner Verarbeitung war das leider deutlich anzumerken. Die Tastatur war leicht in verwunden, von Zeit zu Zeit musste ich sie gerade biegen, damit sie beim Tippen nicht klapperte. Die Micro-SD-Speicherkarte verschwand gleich beim ersten Einschieben so fest im dafür vorgesehen Schlitz, dass ich sie nie wieder herausbekommen habe. Nach circa 2 Monaten hatten sich alle drei auf das Tastaturteil geklebten Gummi-Abstandhalter verabschiedet und ich wandte mich erstmals an den Support. Per E-Mail fragte ich an, ob man mir freundlicherweise drei neue Abstandhalter zusenden könne. Das könne man nicht, antwortete man mir, ich könne das Gerät aber gern zur Reparatur einsenden. Dann würde man fachgerecht drei neue Abstandhalter einkleben. Ich fand das albern und ließ es.

Ungefähr vier Monate nach dem Kauf, als ich gerade einen Text wie diesen tippte, knackte es plötzlich. Etwa zwei Zentimeter unter dem oberen Rand hatte sich in der horizontalen Mitte des Bildschirmes ein kleiner Riss gebildet. „Schatz! Mein Display reißt!“ Gemeinsam mit meinem Lieblingsmenschen und ein paar Keksen konnte ich in den folgenden Minuten beobachten, wie sich der Riss aus der Mitte des Displays zu beiden Rändern fraß. Ich schwöre: Der Riss passierte einfach so. Ich habe den Bildschirm in diesem Moment nicht berührt und auch vorher weder Stürzen noch Druck ausgesetzt. Es *muss* sich um einen Spannungsriss gehandelt haben. Ich konnte dafür rein gar nichts.

Der Rechner wurde binnen weniger Sekunden unbenutzbar, da entlang des Risses fortan permanent Eingaben erkannt wurden. Ich habe ungelogen fast eine Stunde gebraucht, um den Touchscreen in der Systemsteuerung zu deaktivieren und abspeichern zu können, woran ich gerade arbeitete. Dann begann das Abenteuer. Support nach Lust und Laune: Warum das T100TA mein letzter Asus Laptop war weiterlesen

Gehabt, nun gut: 31 Dinge später

Vor genau einem Monat begann ich, jeden Tag einen Gegenstand wegzugeben. Hier ist die Anmoderation dazu, und hier der Beweis, dass ich das wirklich tue. Ich fand und finde, dass ich zu viel besitze. Und zwar nicht nur mehr als ich brauche, sondern auch mehr als mir gut tut. Ich fand und finde, dass Besitz nicht nur meine Räume verstopft, sondern auch meine Seele. Es ist komisch, das Wort Seele in diesen Blog zu schreiben. Gehabt, nun gut: 31 Dinge später weiterlesen

Gehabt, nun gut. Mein Verhältnis zu den Dingen.

Ab morgen werde ich versuchen, jeden Tag einen Gegenstand wegzugeben. Ich werde diesen Gegenstand vorher fotografieren und ihm ein paar Zeilen widmen. Wer möchte, kann das auf gehabtnungut.tumblr.com mitverfolgen.

Oder ausführlicher: Das Verhältnis zwischen den Dingen und mir ist schwierig. Ich habe ziemlich jung ziemlich viel geerbt. Kein Geld zwar, aber Besitz. Nein, keine Ländereien, keine Immobilien, sondern einen Hausstand. Geschirr, Geschirrhandtücher, Handtücher, Tücher, Tischwäsche, Bettwäsche, Vasen, Sektgläser, Weingläser, Schnapsgläser, Biergläser, Saftgläser Gehabt, nun gut. Mein Verhältnis zu den Dingen. weiterlesen

2013: 5 (plus 1) Technologien, die mein Leben besser gemacht haben

In Sachen Jahresend-Favoriten-Listen bin ich ganz offensichtlich auf den Geschmack gekommen. Weil ich mit dem Artikel über die 5 hartnäckigsten Soßenflecken noch nicht ganz fertig bin, möchte ich heute auch anhand meiner 5 persönlichen Techniklieblinge dieses Jahres die konsumgestützte Zukunftsgläubigkeit feiern.

#1. ASUS T100 stellv. für Intel Bay Trail Convertibles

Asus T100
Asus T100

Ich glaube, so hat die Evolution sich das gedacht, mit den Rechnern. Oder zumindest ich. Ein Tablet mit einem 10 Zoll Bildschirm und ansteckbarer Tastatur. Perfekt, um es auf den Wannenrand zu stellen und in der Badewanne Maischberger zu schauen. Perfekt, um im Schwingsessel sitzend, die Beine auf dem Fußbänkchen, Blogbeiträge wie diesen zu verfassen. Perfekt, um Webseiten zu lesen und anzufassen. Leicht genug, um es überall mit hinzunehmen; handlich genug, um das auch zu tun. Ein Rechner, der nicht ningelt. Du klappst ihn auf und er ist bereit, kein Hochfahren, kein Warten. Der Akku hält 10 Stunden und lässt dich in Ruhe. Kein Netzkabel, das nach deinen Füßen angelt. Kein mechanischer Lüfter, der dir sein Leid heult. Keine Festplatte, die klickert. In Ruhe arbeiten. Und ja: Arbeiten. Auf dem T100 läuft echtes Windows 8. Also echtes Office, echtes OneNote und echtes Thunderbird. Ich bin begeistert (und tendiere daher möglicherweise dazu, die Nachteile zu übersehen. Als da wären: Kein DVD-Laufwerk, keine Gnade für Wurstfinger, perfektionierter Fingerabdruck-Magnetismus, Plastik-Finish und zero open source. Ach, und ein Preis von immerhin 379 Euro.) [Update: 18.04.2014: Die Geschichte ging böse aus. Details hier.)
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10 Sätze über vegane Fleischersatz-Produkte

Niemand wird Veganer, weil ihm Fleisch nicht schmeckt.

Wie die Meisten hatte ich, bis ich groß und stark war, schmatzend eine Menge Schnitzel, Bratwürste, Broiler, Steaks und Knackwürste verdrückt und einige Hundert der leckersten Bouletten der Welt, die leider nur meine (!) Mutter herstellen konnte. Wie für die Meisten war die Völlerei der Genuss von Fleisch in meinem Elternhaus eine leckere Selbstverständlichkeit, auf die mein Geschmacksempfinden jahrelang konditioniert wurde, wie meine Hündin auf meinen Pfiff.

Das änderte sich nicht, als mir schließlich dämmerte wie viel Leid ich mit zu verantworten habe, damit die heiße Bockwurst schließlich fettspritzend unter meinem beherzten Biss zerplatzen kann. Das änderte sich auch nicht, als ich kapierte, was für eine ökologische Katastrophe die Produktion von knusprigen Chicken Wings ist; ich fürchte ehrlich gesagt, das wird sich nie ändern.
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Strategische Konsumverweigerung gegen schlechte Arbeitsbedingungen?

Ich glaube an die Idee, dass jede Konsumentscheidung auch eine politische Entscheidung ist. Ich glaube daran, dass es einen Unterschied macht, ob ich argentinische Äpfel kaufe oder deutsche, ob ich Fairtrade-Kaffee trinke, oder den von Nestlé, ob meine T-Shirts von Trigema sind von Takko. Obwohl ich’s wirklich nicht übermäßig dicke habe, bin ich ein großer Freund des strategischem Konsums und deshalb auch bereit, mancherorts mehr zu bezahlen, als ich anderswo müsste.

Es nervt mich sehr, wenn Menschen abstreiten, dass sie auch wählen, wann immer sie etwas kaufen. Es nervt mich, wenn versucht wird zu leugnen, dass Geld ausgeben auch mit Verantwortung zu tun hat, und zwar nicht nur für sich selbst.

Allmählich aber wird’s bisschen eng, denn wo immer ein Blick hinter die Kulissen gelingt (bei H&M, Apple, Sony, Rewe, Lidl und heute eben bei Amazon) möchte man im Strahl kotzen.
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