be water my friend

Da ist so mein merkwürdiges Gefühl gewesen, das mich in den letzten Tagen begleitet hat. So ein Gefühl, eine Ahnung. Wie ein Gewitter, kurz vor seinem Entstehen. Wie eine Idee, Sekunden vor ihrer Geburt.

Nun, ich weiß jetzt, dass es wohl keine große Erkenntnis war, keine, die obigen Trommelwirbel rechtfertigen würde. Aber immerhin eine, die es mir wert ist sie niederzuschreiben, wenn auch nur, um sie später nachschlagen zu können:
Vor Jahren ist mir mal ein Ausspruch von Bruce Lee begegnet. Damals klang er schön. Ich habe ihn aufgeschrieben. Heute habe ich ihn wiedergefunden. Heute habe ich ihn verstanden:

„I said: empty your mind, be formless, be shapeless, like water. And you put water into a cup it becomes the cup. You put water into a bottle it becomes the bottle, you put it into a teapot it becomes the teapot. Now water can flow or it can crash. Be water my friend!“

Ich weiß nicht, wie plausibel das ist. Ich weiß nicht, wie deutlich für andere. Für mich hat das viel mit Tao zu tun. Mit Fließen-lassen. Mit Sich-hingeben. Damit, frei von Erwartungen und Ängsten aufs Leben zu zugehen. Aber wie das bei allen Dingen ist: Eine Erkenntnis wird nicht durch ihr bloßes Erfahren wertvoll, sondern erst durch ihr Erleben. Es genügt nicht, das höchste Wissen zu wissen, man muss es auch (und vor allem) fühlen.

Und was ich gerade fühle ist diese merkwüdige Flüchtigkeit. Ich weiß nicht, ob die mich auszeichnet oder ein kollektives Phänomen ist. Dieses Theoretisch-alles-sein-können. Dieses Eigentlich-nichts-sein. Zu wissen, dass es ich eigentlich nicht gibt. Weil es jeden Tag anders ist. Weil jeden Tag Vergangenheit verloren geht und die Zukunft dazu kommt. Weil ich so stark von meiner Umgebung abhänge. Weil ich anderswo jemand anders wäre. Vielleicht kann ich das morgen erklären.

Biochemie

Ich hatte eine fantastische Zeit in den letzten Tagen. Manus Geburtstag war toll. Es waren viele Freunde da und nachts waren wir tanzen im Darkflower wo ich dermaßen abgegangen bin, dass mir heute noch die Waden schmerzen. Gestern hatte ich ein wunderbares Treffen mit meiner Schwester. Ich hab da eine Nähe gespürt wie lang nicht mehr. Und gestern Abend dann: ins Theater mit Alex. Es war toll, ich war glücklich. Bis eben.

Nein, es ist nichts passiert. Kein schlimmer Anruf, kein Streit, keine Schmerzen – Nichts. Und doch kann ich zusehen, wie ich falle. Wie ich traurig werde und schwermütig und taub. Wegen nichts. Alex hat mir ein Hörbuch geschenkt: Anleitung zum Unglücklichsein von Paul Watzlawick. Ich hab da gestern Nacht nur 10 Minuten reingehört und es hat den Nagel dermaßen auf den Kopf getroffen, dass ich es ausmachen musste. Herr Watzlawick bestreitet, dass es im- und permanentes Ziel eines jeden Menschen sei glücklich zu werden. Schließlich suche man sich immer (und er beweist: immer) einen Grund unglücklich zu sein. Und genau das fühle ich im Moment. Dieser Moment unterscheidet sich durch nichts vom vorhergehenden, abgesehen von meiner miserablen Stimmung. Forscher behaupten, der Körper müsste sein hormonelles Gleichgewicht halten, und würde deshalb auf Serotonin-Hochphasen Serotonin-Mangelphasen folgen lassen. Diese Erklärung ist ja wohl schlimmste, was man einem Menschen in meiner Verfassung anbieten kann. Und weil ich diese Wahrheit nicht ertrage flüchte ich mich – wie so oft – in eine spirituelle (aber deshalb ja keinesweges weniger wahre) Erklärung: Alles auf der Welt ist bipolar. Es wird immer genauso viel Schwarz wie Weiß, genauso viel Plus wie Minus geben. Die Kunst besteht darin, die Mitte zu finden, den Ausgleich, die Null.

Das hieße im Klartext: Heute bezahle ich für gestern, vorgestern und den Tag davor. Na dann mal los. Ich will fertig werden.

Unterwegs

Ich finde es abgefahren, meine Damen und Herren in einer Zeit und einem Land zu leben, in dem man Websites im Zug programmiert. Ganz ehrlich. Ich glaube meine kindlichen High-Tech-Fantasien in den 80ern war nicht halb so kühn, wie die alltägliche Realität heute. Aber darum soll es gar nicht gehen.

Zwei Wochen war ich jetzt bei Heiko. Natürlich wäre es albern gewesen anzunehmen, der Abschied würde leicht fallen diesmal. Aber das es so schwer sein würde hätte ich nicht gedacht. Theoretisch gäbe es die Option nach Rheinbach zu gehen und in Köln zu studieren. Praktisch kann ich mir das nicht vorstellen. Nicht wegen dem Studium. Das geht über all. Wegen meinem Leben. Wegen meinen Freunden, wegen der Stadt. Wegen der Gewohnheit? Wegen der Angst? Ich sollte darüber nachdenken.

Nur nicht jetzt. Kann mich nicht konzentrieren. Die hübsche Französin, die mir gegenübersitzt grinst andauernd. Ich werde das Gefühl nicht los, dass der Display meines Labtop transparent ist, und sie von der anderen Seite her alles mitliest.

Ich melde mich wieder