Dass es sich beim “Nimm 2”-Lutschbonbon nicht um den Juwel in der Schatzkammer des Ernährungspyramiden-Pharaos handelt, dürfte jedem klar sein. Dafür hat das mediengehypte Empörungstamtam der Foodwatch-Aktivisten nachhaltig gesorgt. Dennoch griff ich heute morgen – teils aus Höflichkeit, teils aus einem unterbewussten autoaggressivem Impuls heraus – in die Tüte, die mir meine Kollegin strahlend entgegenstreckte. Und während ich noch damit beschäftigt, war den spitzen, süßsauren Füllungsrest, der sich wie eine fette Zecke an meinem bisher noch nicht kariösen rechten oberen Reißzahn festgesaugt hatte, mühsam mit der Zunge in den Schlund zu befördern, rief es entsetzt aus der Magengrube empor, dass ich doch überhaupt nicht wisse, ob die Dinger denn eigentlich vegan seien.
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Monat: September 2011
Schoßgebete: Geil auf’s Reden
Das Buch, dass ich gelesen habe, heißt zwar “Schoßgebete”, hat aber ansonsten mit dem im medialen Mainstream besprochenen nicht viel zu tun.
In meinem Buch ist auch viel von Sex die Rede. Im Vordergrund steht allerdings ein furchtbarer Unfall, bei dem drei Brüder der Romanheldin Elizabeth auf dem Weg zu deren Hochzeit ums Leben kamen. Dieser Unfall hat sie tief traumatisiert und dazu geführt, dass der Tod immer nur einen Gedanken entfernt ist.
Elizabeth ist permanent auf der Flucht. Sie weiß nicht, wie viel Zeit bleibt. Sie muss alles richtig machen: Richtig essen, die richtigen Zeitungen lesen, richtig wählen, ihr Kind richtig erziehen, ihre Ehe richtig führen und ja, auch richtig vögeln. Andererseits weiß sie, dass sie ihre Flucht vor dem Tod demselben geradewegs in die Arme treiben wird. Deswegen muss alles endgültig sein. Es muss abgerechnet sein: Mit der eigenen Familie, der besten Freundin, dem Ex und mit der Bild-Zeitung. Für Kompromisse ist kein Platz, für Entwicklungen ist keine Zeit.
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