Surreal normal

Ich wache auf; die Birke und die Sonne sind schon mitten im Schattenspiel, der Position des Schattenspiels auf dem Kleiderschrank nach zu urteilen, ist es ungefähr 8. Mir fällt ein, das Sonntag ist: yay, denke ich, bleibe liegen und tue nichts. Ich lasse mich in meine Gedanken fallen; vorsichtig anfangs, dann mutiger und stelle nach 10, 12 Gedanken zufrieden fest: alles normal. Mir sind diese Momente kostbar geworden. Wann immer ich einen Moment normal erwische, bleibe ich so lange es geht.

Als der Moment vorbei ist, greife ich mein Tablet, öffne die Berliner Zeitung und lese diesen Artikel:

Gegen Corona: Polizei löst Querfront-Demo in Berlin auf

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Fremde Hündin, ferne Hündin

Mit jeder weiteren Person, die ich in der Schlange vor dem Bäcker entdecke als ich um die Ecke biege, blase ich die Backen ein bisschen weiter auf; dann fällt die Genervtheit zu einem Lächeln zusammen. Ganz am Ende der um zwei Meter pro Person zu langen Schlange sitzt ein Hund. Es ist dieser rotschwarzweiße mit den spitzen Ohren und den eleganten, schmalen Pfötchen. Ich bin ihm gestern schon begegnet auf meiner Morgenrunde, aber er durfte nicht zu mir. Jetzt ist er dort am Fahrradständer angebunden, wo ich stehen muss; wo ich selbst dann stehen müsste, wenn ich mich über die Nähe nicht freuen würde. Er freut sich auch. Er wedelt mit seinem buschigen Schwanz als ich ihn anlache; steckt mir den Kopf zwischen die Knie, als ich mich zu ihm hocke; streckt sich, als ich ihm den Hals kratze; legt sich auf den Rücken, damit ich ihr die Brust graulen kann.

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Zurzeit wachsen lassen

Ich liege in der Wanne, den Kopf so tief im Wasser, dass meine Nase eine Insel bildet und versuche, Noten von feinstem Zitronen-, Mandarinen-, und Orangenöl zu unterscheiden. Diese Badekugel soll all das bieten; ich rieche nur Vanille. Vordringlicher als die Wahrnehmungen meiner Nase sind aber die meiner Haut: Dass Wasser ist warm und weich und ich bin warm und weich und ich könnte – solange ich mich nicht bewege – nicht sagen, wo das eine aufhört und das andere anfängt; ebensowenig, wie ich zurzeit – solange nicht Wochenende ist – sagen könnte, wann welcher Tag anfängt oder endet, oder warum das wichtig sein könnte.

Ich stehe auf, ich laufe, ich mache Yoga, ich meditiere. Ich arbeite, ich esse, ich arbeite, ich esse. Ich laufe, ich sehe einen Film, ich bin müde, ich schlafe. Dann stehe ich wieder auf.

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