Beate Klarsfeld: 10 Sätze zu Amt und Würden

In zahlreichen Blogs wird derzeit bedauert, dass Beate Klarsfeld keine ernstzunehmenden Chancen hat, erste Bundespräsidentin dieses Landes zu werden. Nachdem ich der Pressekonferenz der Linken mit gespitzten Ohren gelauscht habe, glaube ich, dass sie selbst andernfalls überhaupt nicht angetreten wäre: Klarsfeld lebt seit 52 Jahren in Frankreich und hat in den letzten Jahrzehnten an den öffentlichen Debatten Deutschlands überhaupt nicht teilgenommen, was man ihren Äußerungen auch deutlich anmerkt.

Auf die Frage beispielsweise, warum sie sich jetzt der Wahl zum Staatsoberhaupt stelle, antwortet sie wörtlich, dass sie „eine gute Deutsche“ sei und die Wahl „die größte Auszeichnung“, die man ihr machen könne, nach allem was sie geleistet hat. Und das ist viel.

Die schallende Ohrfeige, die Klarsfeld Bundeskanzler Kiesinger 1968 vor laufenden Kameras gab, während sie aus voller Brust „Nazi, Nazi, Nazi!“ rief, ist zum Icon ihres Engagements gegen Alt-Nazis geworden. Sie vermittelt aber keineswegs, mit welcher Beharrlichkeit und Akribie Klarsfeld untergetauchte oder – noch schlimmer – völlig unbehelligt lebende Kriegsverbrecher aufspürte und nicht locker ließ, bis diese rechtmäßig verurteilt waren. Klarsfeld selbst wertet das Aufspüren des „Schlächter von Lyon“ genannten SS-Offizier Klaus Barbie als ihren befriedigendsten Erfolg, den sie Anfang der 70er Jahre in Bolivien ausfindig machte und nicht mehr aus den Augen ließ, bis er schließlich 1983 nach Frankreich ausgeliefert wurde, wo er nach einem vier Jahre dauernden Gerichtsverfahren bis zu seinem Tod im Gefängnis saß.

Ihr Mann Serge, so erzählt sie in der Pressekonferenz, habe nach der Kiesinger-Ohrfeige zu ihr gesagt: „Du wirst lange warten müssen, bis sich Deutschland dir gegenüber erkenntlich zeigt. Aber du wirst sehen: Wenn du alt bist, kommt es.“ Wahrscheinlich ist es jetzt soweit: Durch ihre Kandidatur gelingt es Klarsfeld, ihre Verdienste auch hierzulande endlich ins Licht der Öffentlichkeit zu stellen, Joachim Gauck wird sie in wenigen Wochen mit einem Bundesverdienstkreuz würdigen.

Genau diese Würdigung ist es, die Klarsfeld will, gerade von Deutschland. Mehr möchte sie eigentlich nicht, wie man ihren schulterzuckenden Antworten auf Fragen zu aktuellen politischen Themen entnehmen kann.