Klimakiller Fleisch

Im letzten Blog-Beitrag hatte ich behauptet, jedes Schulkind kenne die Maßnahmen, die getroffen werden müssten, um den Klimawandel zu begrenzen. Heute habe ich selbst eine neue kennengelernt.

In der öffentlichen Diskussion der Klimawechsel-Argumente wird sie vergessen, sogar Al Gore scheint diese Wahrheit zu unbequem zu sein:

Gut 18% aller klimaschädlichen Gase werden durch den Verzehr von Fleisch verursacht.

Herr Gore verschweigt das vielleicht, weil er selbst jahrelang Vieh gehalten hat. Das aber ändert nichts an der bitteren Wahrheit: Schnitzel, Thüringer Rostbratwurst und Co. tragen mehr zur globalen Erwärmung bei als alle Autos, Flugzeuge und Schiffe dieser Erde zusammen. Die nämlich, schlagen nur mit 13% zu Buche. Das klingt wie eine Ausgeburt der blühenden Fantasie ideologisch verbrämter Klimaaktivisten, ist aber das Ergebnis einer durchaus seriösen Studie, der zur UN gehörenden Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO.

Der weltweite Fleischkonsum steigt stetig an. Während 1950 die 2,3 Mrd. auf der Erde lebenden Menschen rund 45 Mrd. Kilogramm Fleisch verspeisten, konsumierte die 6 Mrd. starke Menschheit im Jahr 2000 bereits 245 Mrd. Kilo  – also mehr als das fünffache. Glaubt man den Prognosen, werden im Jahr 2050 rund 9 Mrd. Menschen 450 Kilo Fleisch verzehren – denn mit der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit eines Landes, wächst der Lebensstandard der Bevölkerung. Und mit diesem offenbar die Lust auf Steak.

Ein Problem daran ist, dass man zur Produktion von einem Kilo Fleisch ungefähr zehnmal soviel Platz braucht, wie zur Produktion eines Kilos Getreide. Dementsprechend beanspruchen beispielsweise die Niederlande schon heute das Vierfache ihrer Fläche zur Deckung des nationalen Fleischbedarfes. Wo? Zum Beispiel dort, wo früher Regenwald war und heute Sojabohnen wachsen, die zu Viehfutter verarbeitet werden. In Brasilien beispielsweise, hat sich die Fläche zum Anbau von Sojabohnen im Vergleich zu 1960 versiebenundfünfzigfacht – hauptsächlich durch die Rodung von Regenwaldflächen im fruchtbaren Amazonasdelta, das noch immer einen unserer wichtigsten Kohlendioxidspeicher und Sauerstoffproduzenten darstellt. Dieser enorme Platzbedarf begründet sich dadurch, dass man einem Tier durchschnittlich 7 Kilo Soja füttern muss, um ein Kilo Fleisch daraus gewinnen zu können.

Wenn man sich dann noch vor Augen führt, dass knapp die Hälfte der weltweit geernten Getreides nicht etwa von Menschen sondern von Tieren verspeist wird, hat man vielleicht eine zündende Idee, wie zumindest einigen der einer Milliarde hungernden Menschen auf diesem Planeten geholfen werden könnte.

Hauptursache der erschütternden Umweltbilanz des Lebensmittels Fleisch ist aber das im Verdauungstrakt von Rindern und Schafen entstehende Treibhausgas Methan, von dem eine gewöhnliche Milchkuh 500 bis 700 Liter pro Tag (!) ausstößt. Um mit einem Kleinwagen einen vergleichbaren Schaden anzurichten, müsste man anderthalb Mal um die Erde tuckern.

Hinzu kommen die beim Transport des Viehfutters anfallenden Emissionen, jene für Beleuchtung, Betrieb und Heizung der Fleischfabriken und solche für die Verpackung und den Transport des Fleischs.

Würden sich also alle Amerikaner eine Woche lang vegetarisch ernähren, wäre der anschließende Betrieb aller in den USA zugelassenen Autos im darauffolgenden Jahr klimaneutral.

Diese und andere Zahlenspiele präsentiert das folgende Video sehr unterhaltsam:

Es heißt “Meat the Truth” und wurde von der niederländischen Nicolaas G. Pierson Foundation finanziert. Auf deren Seite finden sich umfangreiche Quellenangaben, die unter anderem belegen, dass ein durchschnittlicher Europäer im Laufe seines Lebens:

  • 7 Schafe
  • 24 Kaninchen
  • 43 Puten
  • 789 Fische
  • 1/3 Pferd
  • 5 Rinder
  • 42 Schweine und
  • 900 Hühner isst.
  • Das dass zu viele sind, wird immer mehr Menschen klar. Aber obwohl sich der Anteil an Vegetariern innerhalb der deutschen Bevölkerung in den letzten zehn Jahren verdoppelt hat, liegt er immer noch unter einem Prozent.

    Das könnte sich jetzt ändern. Weltweit sprießen Initiativen wie Pilze aus dem Boden, die den Verzicht auf Fleisch propagieren. Im belgischen Gent beispielsweise gibt es in allen öffentlichen Kantinen aber zahlreichen privaten Restaurants donnerstags ausschließlich vegetarische Küche. Die Parole “Donderdag Veggiedag” zog Journalisten aus aller Welt an, die die Idee populär machten. Seit Oktober gibt es in der brasilianischen 10-Millionen-Metropole São Paulo den “segunda sem carn”, den Dienstag ohne Fleisch also, Paul McCartney propagiert den “meat-free monday” und auch das sachsen-anhaltinische Magdeburg arbeitet an einem Vegi-Tag.

    Es könnte ein Anfang sein.

    Warum der gescheiterte Klimagipfel auch ein erfolg ist

    Der Klimagipfel in Kopenhagen hat es sehr deutlich veranschaulicht: Nicht die Politiker können den Klimawandel begrenzen sondern – wenn überhaupt – nur die Menschen. Von ihnen aber jeder Einzelne.

    Das Kompromiss-Papier, auf dessen Unterzeichnung sich einige wenige Teilnehmerländer einigten, ist nicht mehr als ein Feigenblatt zur Kaschierung offensichtlich unvereinbarer Interessenskonflikte. Es schreibt lediglich fest, dass versucht werden soll, die globale Erwärmung in diesem Jahrhundert  im Rahmen von maximal 2°C zu halten. Wer dieses Ziel durch welche Maßnahmen erreichen soll, steht da nicht.

    Was ich an der medialen Rezeption dieses Scheiterns sehr verblüffend finde, sind die wüsten Beschimpfungen der sogenannten politischen Klasse, die vornehmlich von deren eigenen Mitgliedern erledigt wird. Grünen-Chefin Claudia Roth beispielsweise posaunte gestern die Parole vom “Gipfel der Verantwortungslosigkeit und der Zukunfts-Blindheit” in jedes Mikrofon, dass ihr zu nahe kam: “Es ist eine Tragödie politischen Versagens, so etwas habe ich noch nicht erlebt.”

    Unbestritten ist es eine Katastrophe, das der Gipfel gescheitert ist. Gerade die Regierungen von Schwellenländern wie Indien oder China müssen die Zügel in die Hand nehmen um die Emissionen ihrer Länder so gering wie möglich zu halten. Für uns aber, die wir in einem der reichsten westlichen Industrieländer über die nötige Zeit und die nötigen Ressourcen verfügen diesen Blog-Eintrag zu lesen, hätte auch ein durchschlagender Erfolg nichts an der Faktenlage geändert.

    Hierzulande kann jedes Schulkind im Schlaf daher beten, was getan werden muss, um zu retten was zu retten ist. Man traut sich gar nicht mehr über Autos, alternative Energien oder das Sparen derselben zu schreiben, aus Angst, die Menschen zu langweilen. Ein erfolgreicher Gipfel hätte uns nichts gelehrt, war wir nicht schon heute wissen – oder wissen könnten. Der gescheiterte Gipfel aber hat das Potential, uns endlich begreifbar zu machen, dass es in der Hand jedes Einzelnen liegt, durch die Veränderung seines Verhaltens zum Klimaschutz beizutragen.

    Das kostet was, das strengt an und wahrscheinlich bedeutet es Verzicht auf Liebgewonnenes. Wem das aber zu viel ist, dem sei die Kritik an Politikern versagt. Ganz offensichtlich braucht er sie, damit sie ihm mit Ge- oder Verboten helfen, seine eigene Verantwortung zu tragen.

    Mein Blog für 20 Euro? Geschenkt!

    Wenn ich den wahnwitzigen Plan hätte, in sechs Monaten von den sprudelnden Erlösen meines Blogs leben zu wollen, müsste ich mich einigen unangenehmen Wahrheiten stellen. Unter anderem folgenden:

    1. Meinem Blog fehlt es an Farbe. Während andere Blogger – pardon: Mitbewerber – ihre Seite mit Anzeigen, Links, Fotos und schickem Grafikdesign aufpeppen ist die meinige zu allererst grau und ein schonungsloses Zeugnis meiner mangelhaften Programmierkenntnisse und -begeisterung.
    2. Meinem Blog fehlt es an Reichweite. “Zero Comments” wäre ein guter – weil für weit über 90% der Beiträge zutreffender – Untertitel. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht eine Katastrophe, phonetisch aber sehr hübsch: Kopfkompass – zero comments.
    3. Meinem Blog fehlt es an Regelmäßigkeit. Zwischen diesem Beitrag und dem letzen liegen 18 Tage Sendepause. Davor habe ich mindestens 3 Beiträge pro Woche geschrieben. Ein schallende Ohrfeige für die drei mir bekannten Stammleser. Vor allem weil es außer fehlender Muse und frappierender Faulheit keine überzeugend argumentierbaren Gründe dafür gibt.
    4. Meinem Blog fehlt es an Profil.  Je nach Mondphase schreibe ich mal über Rassismus, mal über Datensicherheit und wenn nötig auch über Homophobie. In sentimentalen Stunden schreibe ich sogar über meine Mutter. Nicht einmal ich weiß, worum es mir eigentlich geht. Wer käme da auf den Gedanken in meinem Blog eine Anzeige zu platzieren?

    Bernd Jürgens. Der nämlich schrieb mir letzte Woche:

    Hallo Herr Gerber,

    ich habe eine Feuerwerk- und Pyrotechnik-Homepage.

    Bei meiner Recherche habe ich dabei auch Ihre Homepage im Internet gefunden. Hätten Sie Interesse an einer Zusammenarbeit?

    Wenn Sie das Wort -Silvesterparty- in Ihrem Blog-Beitrag https://kopfkompass.de/2009/11/23-november-1986/ mit meiner Homepage verlinken könnten, zahlen ich Ihnen unkompliziert 20,- EUR.

    Hätten Sie daran Interesse?

    Wenn ja, schicke ich Ihnen noch die genauen Daten meiner Website mit weiteren Informationen zu.

    Ich freue mich auf Ihr Feedback.

    Schönen Gruß, Bernd Jürgens

    Der betreffende Beitrag kreiste um das Vergehen der Zeit, Sterben und Friedhöfe. Er hatte mit opulentem Feuerwerk ungefähr soviel zu tun wie ein Meter Feldweg mit der modernen Raumfahrt. Ich muss jedoch zugeben, dass ich das Wort “Silvesterparty” verwendet habe. Und das Wort “Silvester” auch.

    Wer also ist Bernd Jürgens? Ein Kleingewerbetreibender der dringend einer umfassenden Mediaberatung bedarf? Ein großzügiger Förderer des öffentlichen Herumgestocheres verwirrter Blogger? Ein Abmahnanwalt inkognito, der mich vor den Kadi zerrt, wenn er beweisen kann, dass ich meinen Blog gewerblich nutze? Ich werde es nie herausfinden. Natürlich habe ich gefragt. Aber anstelle von Antworten kam lediglich der freundliche Hinweis, es mir doch bitte noch einmal zu überlegen.

    Also gut, ich hab’s mir nochmal überlegt. Die Antwort ist: Nein. Ich kann das medienpolitisch, emotional gekränkt, oder erlösorientiert (Ich meine: ‘Nen Zwanni?!) begründen. Oder persönlich: Am 31. Dezember 1986 habe ich die faszinieren Funken eines Sternchenfeuers gestreichelt. Während die daumennagelgroße Brandwunde in meinem linken Handteller in den darauffolgenden Wochen eiternd abheilte, reifte in mir der Entschluss, Feuerwerk fortan nicht mehr zu mögen. Abgesehen davon muss mein Blog nicht meinen Lebensunterhalt finanzieren, weshalb ich mir die Arroganz leisten kann vor obigen Wahrheiten die Augen zu verschließen.

    Für alle, denen es anders geht hätte ich da aber einen interessanten Link. Auf Nachfrage.