Liedeserklärung: Wencke Myhre – Keep Smiling

Das Küchenradio meines Lieblingsmenschen ist auf eine fürchterliche Schlagerwelle eingestellt, auf die ich normalerweise so ähnlich reagiere, wie auf das Geräusch eines Presslufthammers in Stahlbeton – Ohrenzuhalten und schreiend weglaufen. Letzten Sonntag aber, ich war gerade beim Zwiebelnschneiden, trällerte plötzlich Wencke Myhre hinter den Membranen und nach sechs Tagen bin ich soweit offen zugeben zu können: Mir gefiel das. Liedeserklärung: Wencke Myhre – Keep Smiling weiterlesen

Support nach Lust und Laune: Warum das T100TA mein letzter Asus Laptop war

Ende letzten Jahres kaufte ich mir einen kleinen neuen Laptop. (Ich habe hier davon geschwärmt.) Es war mein erster ohne mechanische Bauteile und ohne Lüfter, dafür aber mit abnehmbarer Tastatur und Touchscreen. Es war außerdem mein erster Laptop von Asus. Ein T100TA. Und es wird mein letzter dieses Herstellers gewesen sein, nachdem ich den Support von Asus kennenlernen durfte.

Vorweg: mit knapp 400 Euro war der Rechner sehr günstig. Seiner Verarbeitung war das leider deutlich anzumerken. Die Tastatur war leicht in verwunden, von Zeit zu Zeit musste ich sie gerade biegen, damit sie beim Tippen nicht klapperte. Die Micro-SD-Speicherkarte verschwand gleich beim ersten Einschieben so fest im dafür vorgesehen Schlitz, dass ich sie nie wieder herausbekommen habe. Nach circa 2 Monaten hatten sich alle drei auf das Tastaturteil geklebten Gummi-Abstandhalter verabschiedet und ich wandte mich erstmals an den Support. Per E-Mail fragte ich an, ob man mir freundlicherweise drei neue Abstandhalter zusenden könne. Das könne man nicht, antwortete man mir, ich könne das Gerät aber gern zur Reparatur einsenden. Dann würde man fachgerecht drei neue Abstandhalter einkleben. Ich fand das albern und ließ es.

Ungefähr vier Monate nach dem Kauf, als ich gerade einen Text wie diesen tippte, knackte es plötzlich. Etwa zwei Zentimeter unter dem oberen Rand hatte sich in der horizontalen Mitte des Bildschirmes ein kleiner Riss gebildet. “Schatz! Mein Display reißt!” Gemeinsam mit meinem Lieblingsmenschen und ein paar Keksen konnte ich in den folgenden Minuten beobachten, wie sich der Riss aus der Mitte des Displays zu beiden Rändern fraß. Ich schwöre: Der Riss passierte einfach so. Ich habe den Bildschirm in diesem Moment nicht berührt und auch vorher weder Stürzen noch Druck ausgesetzt. Es *muss* sich um einen Spannungsriss gehandelt haben. Ich konnte dafür rein gar nichts.

Der Rechner wurde binnen weniger Sekunden unbenutzbar, da entlang des Risses fortan permanent Eingaben erkannt wurden. Ich habe ungelogen fast eine Stunde gebraucht, um den Touchscreen in der Systemsteuerung zu deaktivieren und abspeichern zu können, woran ich gerade arbeitete. Dann begann das Abenteuer. Support nach Lust und Laune: Warum das T100TA mein letzter Asus Laptop war weiterlesen

Liedeserklärung: Holy Other – Touch

Diesen Song hörte ich zum ersten Mal in einem Werbeclip für Nokias neues Windows Tablet. Das Gerät läuft mit dem abgespeckten Windows RT und blieb mir deshalb trotz großer Sexiness suspekt.

Das passt sehr gut zum Song. Denn eigentlich ist es keiner. Es gibt nur zwei Zeilen Text, nur 30 Sekunden mitnickbaren Rhythmus und keine vorhersagbare Struktur. Dafür aber viel technologische Sexiness: alles glatt, alles ultrahoch aufgelöst, alles hell, kühl, perfekt.  Kein Ruckeln, kein Knarzen, keine Fingerabdrücke. Ein Hauch vielleicht, der an einer Glasscheibe kondensiert.

Mir gefällt, was das Stück Musik mit Zeit und Gravitation macht. Es gibt harte Brüche, aber wenn der Zeit das Vergehen überhaupt erlaubt wird, dann nur mit minimaler Geschwindigkeit, so dass sich jeder Lichtreflex voll entfalten kann. Dinge in diesem Soundtrack behalten ihre Massivität, aber sie verlieren ihr Gewicht, damit sie in gebührendem Abstand über dem erdigen Boden schweben können.

Der Track lässt viel Platz, aber nicht für Menschlichkeit und Wärme. Mich fasziniert, dass mich das fasziniert. Eigentlich solle es mich gruseln. Ich teile diesen Gedanken, weil er in diese Zeit gehört. Wir entwickeln Technologie, die uns überlegen ist. Wir treten über in den Teil der Geschichte, in dem nicht der Mensch die Technologie steuert, sondern die Technologie den Menschen. Wir können nicht aufhören zu glauben, dass uns Technologie besser macht. Dass sie uns zu ihren Kindern macht, nehmen wir hin.

Wir glauben an die Zukunft. Ich frage mich oft, wie Musik wohl in zehn Jahren klingen wird. Und wenn ich zehn Jahre später dann die Antwort streame, während ich durch den nagelneuen U-Bahn-Tunnel unter meiner Stadt rausche, drückt es mich in die Polster.

 

Liedeserklärung: Thist Mortal Coil – Song to the Siren

Zum ersten Mal hörte ich diesen Song 1998 in einem Kino als Teil des Soundtracks für David Lynchs “Lost Highway”: In einer gottverlassenen Wüstenlandschaft steht ein Pick-Up, dessen Scheinwerfer eine Insel aus Licht in die Nacht werfen, auf deren Mitte sich zwei Menschen in Zeitlupe lieben – Wow.

Der Song ging mir tagelang nicht aus dem Kopf, ebenso wenig wie der Film. Ich war jung und naiv damals und niemand hatte mir gesagt, dass es gerade der Witz an David Lynch Filmen ist, dass sie keinen greifbaren Sinn ergeben. Liedeserklärung: Thist Mortal Coil – Song to the Siren weiterlesen

7 mins & me: Eine Leibesgeschichte

Nein, ich würde mich nicht als unsportlich bezeichnen. Ich will niemandem zu nahe treten, aber ich muss ja bei der Wahrheit bleiben: Ich fand mich immer zu klug für Sport. Mit dem Gesichtsausdruck eines lasagnesatten Garfield betrachte ich von der sonnigen Tribüne aus die armen Schweine, die sich im Schweiße ihres Angesichts auf den Spielfeldern, Laufbändern und Fitnessgeräten quälen. Und mit ehrlichem Interesse frage ich mich: Warum machen die das? Es gibt so viel Aufregenderes und Sinnvolleres als Sport!

Umfragen in meinem Freundeskreis haben ergeben, dass man Sport macht, weil man sich danach besser fühlt. Ich bin sozialistisch erzogen und deshalb skeptisch gegenüber dem katholischen Gedanken, jetzt richtig zu leiden um es danach schön zu haben. Fußball spielen manche Menschen, weil es ihnen Spaß macht, während sie es tun. Die für diesen Spaß zuständige Hirnregion wurde bei mir jedoch wegen Sauerstoffmangels bei der Geburt vom unnatürlich großen Zentrum für Lustempfinden beim Genuss zucker- und fetthaltiger Lebensmittel irreversibel zerstört. Ich kann da nix für. 7 mins & me: Eine Leibesgeschichte weiterlesen