Warum “Hätte ich bei dir gar nicht gedacht!” kein Kompliment ist

Coming Outs habe ich mir abgewöhnt. Ich erspare mir so viele Peinlichkeiten und Albernheiten und bin ein zufriedenerer Mensch. Im Gegenzug nehme ich billigend in Kauf, für hetero gehalten zu werden, bis mein Gegenüber realisiert, dass ich es nicht bin.

Meist passiert das sehr beiläufig. Zum Beispiel, wenn Kollegen vom Wochenende mit ihrer Frau erzählen und ich vom Wochenende mit meinem Mann. Oder wenn Kolleginnen über den Sex-Appeal von Bradley Cooper verhandeln und ich mich dazu adäquat äußern kann. Oder wenn jemand das 2-Männer-mit-Hund-Foto auf meinem Handy-Sperrbildschirm bemerkt. Das Schöne an dieser Meta-Kommunikation ist: Es muss nicht darüber gesprochen werden. Wozu auch? Mein Begehren ist erstens nicht zu diskutieren, weil es zweitens meine Sache ist und drittens keine große. Zudem verlangen verbalisierte Reaktionen oft ein Höchstmaß an Selbstbeherrschung von mir.

Die beliebteste Reaktion nämlich ist: Warum “Hätte ich bei dir gar nicht gedacht!” kein Kompliment ist weiterlesen

Liedeserklärung: Atoms for peace – Default

Ich finde es schwierig über Musik zu reden. Noch stärker als bei anderen Themen, riskiert man hier, die Blüten des eigenen Geschmacks mit objektiven Kriterien zu verwechseln. Darauf, was schlechte Musik ist, kann man sich einigen. Was aber ist gute Musik? Für alle, die sich vor Subjektivität nicht fürchten, gibts eine einfache Antwort: Gute Musik erkennst du daran, dass sie dich berührt.

Mich berührt zurzeit Default von Atoms For Peace. In meiner Jugend in den 90ern, war ich sehr fasziniert von dem Gedanken, einen Jahrtausendwechsel mitmachen zu dürfen. Millennium war am Ende auch nur ein Silvester, das musste ich einsehen. Keine Stromausfälle, keine kollabierten Bank-Systeme, nichtmal einen vernünftigen Rechnerabsturz zuhause gab es. Und dennoch barg das Jahr Zweitausend ein Versprechen von Zukunft, ja von Sci-Fi, das in Neunzehnhundertneunundneunzig niemals gepasst hätte. Oft habe ich mich gefragt, wie sich dieses neue Jahrtausend anfühlen würde. Und weil sich Lebensgefühl und Musik ja zueinander verhalten wie Wetter zu Kleidung, fand ich es ungeheuer spannend, mir vorzustellen, wie 2000plus wohl klingen wird. Nach 13 Jahren einundzwanigstem Jahrhundert hat die Menschheit verstanden, wie es klingen muss: Folgendermaßen.
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Kritik zu “Männer wie wir”: Antwort der Aids-Hilfe

Am 3. März schrieb mein Freund Klemens Ketelhut einen offenen Brief an die Macher der Kampagne “Ich weiß was ich tu” der Deutschen Aidshilfe. Ich habe den Brief hier veröffentlicht. (Für eilige Leser: Im Rahmen der Kampagne gab es eine Wanderausstellung, die unter dem markigen Titel “Männer wie wir” ausschließlich Fotos junger, muskulöser, schlanker Männer zeigte. Wir fanden den Fehler.)

Vorgestern, also genau einen Monat und einen Tag nach unserem Brief, erhielten wir eine Antwort von Matthias Kuske, dem Kampagnenmanager von “Ich weiß was ich tu”. Und die geht ungefähr so: Kritik zu “Männer wie wir”: Antwort der Aids-Hilfe weiterlesen

April, April!

Aber ihr mögt keine Aprilscherze. Aber ich verstehe das nicht. Manche sind so liebevoll gemacht! Manche sind  so bittersüß zynisch! Manche irrlichtern so farbenfroh herüber aus der Welt der Durchgeknallten-aber-Fröhlichen! Manche sind so hilflos fremdschämig-humorlos!  Ich kann das nicht erklären. Aber vielleicht vorführen.

Hier eine Auswahl der Scherze, über die ich heute wirklich gelacht habe:

1. David Hasselhoff vermittelt im Atomkonflikt mit Nordkorea. (tagesschau.de)

2. Die Teilnahmefrist für den Videowettbewerb YouTube endet.  (GoogleWatchBlog)

3. Google führt den neuen Dienst Google Nose ein. (Google)

4. Nokia bringt eine Mikrowelle mit PureFood-Kamera auf den Markt (Nokia)

und mein persönlicher Spitzenreiter:

5. Der LSVD Sachsen gründet Institut zur Heilung von Heterosexualität (queer.de)

Was denn? Kein einziges Mal gelacht? Ist ja schon gut. Ich hör ja auf.