Meisterschüleraustellung der HGB Leipzig: Kuratieren mit dem Cuttermesser

Ich gestehe: Mein Blick ist nicht unvoreingenommen. Diese Vergabe der Meisterschülerzeugnisse hätte meine sein können. Sie war es nicht, weil ich das Meisterschülerstudium geschmissen habe. Das Gefühl, nicht mehr an diese Hochschule zu gehören, war zu überwältigend.

Und dennoch glaube ich nicht, dass es nur mein starker persönlicher Filter war, der mich bei der Eröffnung der Meisterschülerausstellung heute Abend hat Dinge entdecken lassen, die mit bisschen Sekt im Kopf skurril, nüchtern betrachtet aber unerträglich sind.
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10 Sätze über Nebeneinkünfte von Politikern

Der Versuch, Peer Steinbrück nach seiner Kür zum SPD-Kanzlerkandidaten wegen sehr üppiger Vortragshonorare zum käuflichen Jubelbarden seiner Auftraggeber zu degradieren, ist unanständig, populistisch und irreführend. Deutschen Politikern ist es ausdrücklich gestattet, sich Nebeneinkünfte in beliebiger Höhe zu organisieren, solange sie diese bestimmten Regeln folgend offenlegen – was Peer Steinbrück stets fristgemäß und einwandfrei getan hat. Das Problem ist also, dass Steinbrücks Verhalten eigentlich kein Problem ist.

Wie mir die Fabeln Gauselmann und die FDP, Gerhard Schröder und Gazprom oder auch Mario Draghi und Goldman Sachs lehrten, hat die Bezahlung von Politikern durch Unternehmen nämlich immer ein Geschmäckle, und zuweilen ein unerträglich fauliges.

Dabei ist es weniger kompliziert, als es scheint: Wenn wir möchten, dass die hellsten und kompetentesten Köpfe unserer Zeit Karriere inder Politik und nicht in der Wirtschaft machen, müssen wir ihnen Diäten zahlen, die mit den Gehältern in der freien Wirtschaft mithalten können, auch wenn das teurer wird als bisher. Im Gegenzug dürften wir dann aber erwarten, dass diese von uns gewählten und bezahlten Politiker für uns arbeiten – und für niemanden sonst. Soweit ich das verstanden habe, sind Parteivorsitzender, Minister und sogar Abgeordneter ohnehin Full-Time-Jobs die – sofern man sie gewissenhaft ausfüllen möchte – gar keine Zeit für Nebentätigkeiten lassen.

Zur Vermeidung von Interessenkonflikten und Korruptionsvorwürfen sollten wir Politiker wenigstens für die Dauer ihrer Mandate dazu verpflichten, auf jegliche Nebeneinkünfte zu verzichten. Das freilich werden wir nie tun – denn wer sollte es in unserem Namen beschließen?

10 Sätze über chinesische Erdbeeren

Gestern wurde bekannt, dass sich die 11.200 Personen, die in den letzten Wochen vor allem in Ostdeutschland wegen Brechdurchfalls behandelt werden mussten, wahrscheinlich durch den Verzehr von Erdbeerkompott infiziert haben, das die Großküche Sodexo an Schulen und Kindergärten ausgeliefert hat.Die Erdbeeren, die als Grundlage für die Nachspeise dienten, wurden als Tiefkühlware aus China importiert, heißt es am Rande der Meldung.

Vom mikrobiologischen Klima mal ganz abgesehen, kann da was nicht stimmen.

Wir lassen also in China Erdbeeren pflanzen und düngen, hegen und pflegen, ernten, waschen, schneiden und verpacken? Und anschließend transportieren wir sie tiefgekühlt – also unter ständiger Zufuhr von Energie – per LKW zum Hafen und von dort aus per Schiff um den halben Erdball, um sie die letzten paar hundert Kilometer wieder per LKW zur Großküche zu karren, wo sie dann aufgetaut und mit Zucker überschüttet werden, damit sie anschließend auf kleinere LKW geladen werden können, die sie endlich zu den Schulen und Kindergärten bringen in denen sie dann gegessen werden? Und wir tun dies nicht, weil chinesische Erdbeeren leckerer, größer, saftiger oder sonstwie besser wären, sondern weil das einfach billiger ist, als die Erdbeeren hierzulande anzubauen, zu ernten und einzufrieren bis einer auf die Idee kommt, Ende September Kompott daraus zu machen? Geht’s noch?

Dass auf diesen Odysseen, die sehr wahrscheinlich nicht nur tiefgekühlte Erdbeeren bis zu unseren Kantinentabletts zurücklegen müssen nicht viel häufiger Krankheitserreger eingetragen werden, darf bestaunt werden. Schließlich ist eine lückenlose Kühlkette von mindestens siebeneinhalb Tausend Kilometern länger gerade für so leichtverderbliche Früchte wie Erdbeeren ein respekteinflößendes logistisches Kunststück.

Und eine völlig sinnlose ökologische Katastrophe.