Cranberry-Erdnuss-Kastenkuchen

Über die Frage, ob ich in meinem Blog auch Rezepte posten soll, habe ich lange gebrütet. Einerseits gibt es wirklich wichtigere Dinge als Essen. Andererseits: Eigentlich nicht. Und weil ich selbst so gern Rezepte aufstöbere, poste ich ab heute gelegentlich, was ich besonders lecker finde. Ich sehe ein, dass die Fantasiewelt von Kochbüchern mit der tristen Realität in unseren Vorratsschränken nichts zu tun hat, und werde daher, wann immer möglich, hinter jeder Zutat in Klammern angeben, wodurch sie notfalls ersetzt werden kann. Niemand muss wegen einer Messerspitze Muskatblüten durch die ganze Stadt fahren.

Cranberry-Erdnuss-KastenkuchenLos geht’s mit einem köstlichen (Trrrommelwirbel): Cranberry-Erdnuss-Kastenkuchen. Geschmacklich eine dreiste Kreuzung aus englischem Teekuchen, fruchtigem Zitronenkuchen und gehaltvollen Erdnussbutterkeksen.
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10 Sätze über vegane Fleischersatz-Produkte

Niemand wird Veganer, weil ihm Fleisch nicht schmeckt.

Wie die Meisten hatte ich, bis ich groß und stark war, schmatzend eine Menge Schnitzel, Bratwürste, Broiler, Steaks und Knackwürste verdrückt und einige Hundert der leckersten Bouletten der Welt, die leider nur meine (!) Mutter herstellen konnte. Wie für die Meisten war die Völlerei der Genuss von Fleisch in meinem Elternhaus eine leckere Selbstverständlichkeit, auf die mein Geschmacksempfinden jahrelang konditioniert wurde, wie meine Hündin auf meinen Pfiff.

Das änderte sich nicht, als mir schließlich dämmerte wie viel Leid ich mit zu verantworten habe, damit die heiße Bockwurst schließlich fettspritzend unter meinem beherzten Biss zerplatzen kann. Das änderte sich auch nicht, als ich kapierte, was für eine ökologische Katastrophe die Produktion von knusprigen Chicken Wings ist; ich fürchte ehrlich gesagt, das wird sich nie ändern.
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2 Millionen Tonnen Fleisch in 91 Tagen

„Im ersten Quartal 2012 wurden in Deutschland 2 Millionen Tonnen Fleisch in gewerblichen Schlachtbetrieben erzeugt.“

Bravo! Das Statistische Bundesamt muss einen sachlichen und neutralen Ton für seine Pressemitteilungen wählen, auch für jene zur jüngsten Entwicklung der Fleischproduktion in Deutschland. Beim oben zitierten Satz ist dies einwandfrei gelungen. Auf den ersten Blick. Heftet man ihn aber nicht schnell genug in den Ordner „Zur Kenntnis genommen“ weg, brechen seine Worte auf wie Knospen:

Das ist Literatur! Wie arglos diese fünfzehn Worte daherzukommen versuchen und welche Schlagkraft ihnen doch eigen ist! Wie viel Zeitgeist, wie viel Ideologie und wie viel Kälte darin steckt! Wie präzise der Konsens-Schleier beschrieben ist, den wir kollektiv über Grausamkeiten drapiert haben!

Ich habe Mühe, sachlich zu bleiben und kann mir eine kleine Demontage leider nicht verkneifen.
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Ein Jahr: Ich, rein pflanzlich

Seit einem Jahr lebe ich vegan. Eine gute Gelegenheit für eine Bilanz, finde ich. Und eine gute Gelegenheit zum Verlassen der Seite für alle, bei denen Texte über Veganismus für stark steigenden oder stark fallenden Blutdruck sorgen.

Versuch’s doch einfach

Vom Bulletten-Jieper in der Zeit um mein Diplom mal abgesehen, hatte ich zehn Jahre vegetarisch gelebt, als ich eines sonnigen Abends bei meinem Freund Patrick zum Abendessen eingeladen war. Er hatte Schaschlik gemacht mit Zucchini, Paprika, Aubergine, Gurke und diesem merkwürdigen, faserigen, herzhaften Fleischersatz, den ich bis dato nur vom Hörensagen kannte.  Es war so vorzüglich, dass wir uns wegen permanent voller Münder nur in undeutlichen Wortgruppen verständigen konnten. Patrick erwähnte, dass er schon seit 1994 vegan war und manchmal mit Grauen daran zurückdenke, wie schwierig das in den Neunzigern gewesen sei. Und wie lächerlich einfach es jetzt ist. Von allen Seiten war ich plötzlich vom Veganismus umzingelt: in den Feuilletons wurden Bücher zum Thema besprochen, in meiner Facebook-Timeline erschienen vegane Rezepte, in meiner Nähe wurde ein veganer Fast-Food-Imbiss eröffnet und zwei entfernte Freunde waren kürzlich vegan geworden. Patrick zog das letzte Sojaschnetzel mit den Zähnen vom Holzspieß, stopfte es in eine Backentasche, grinste mich an und fragte: „Warum probierst du es nicht einfach?“ Obwohl ich grundsätzlich höchstens jeden zweiten Trend mitmache, fehlte es mir bei diesem an schlüssigen Gegenargumenten. Ich begann also zu lesen. Duve, Foer, Clements und ein paar vegane Kochbücher. Die China-Study war leider noch nicht draußen. Anschließend war meine innige Liebe zu Käse als einziges ungestrichenes Kontra-Argument auf meiner Liste übrig geblieben. Was mich nicht überzeugte. Ein Jahr: Ich, rein pflanzlich weiterlesen

Müllmolke in Fruchtbonbons. Und auch sonst überall.

Dass es sich beim „Nimm 2“-Lutschbonbon nicht um den Juwel in der Schatzkammer des Ernährungspyramiden-Pharaos handelt, dürfte jedem klar sein. Dafür hat das mediengehypte Empörungstamtam der Foodwatch-Aktivisten nachhaltig gesorgt. Dennoch griff ich heute morgen – teils aus Höflichkeit, teils aus einem unterbewussten autoaggressivem Impuls heraus – in die Tüte, die mir meine Kollegin strahlend entgegenstreckte. Und während ich noch damit beschäftigt, war den spitzen, süßsauren Füllungsrest, der sich wie eine fette Zecke an meinem bisher noch nicht kariösen rechten oberen Reißzahn festgesaugt hatte, mühsam mit der Zunge in den Schlund zu befördern, rief es entsetzt aus der Magengrube empor, dass ich doch überhaupt nicht wisse, ob die Dinger denn eigentlich vegan seien.
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