Warum meine Liebe 17 Mal weniger defizitär ist als Ihre Denke, Herr Matussek

Publizist Matthias Matussek outete sich mit seinem Artikel vom 12. Februar als offen homophob. Man soll Trolle nicht füttern, aber ich konnte nicht anders. Ich schrieb ihm folgenden offenen Brief.

Lieber Herr Matussek,

ich bin mir nicht sicher, ob Sie Ihre Gedanken in dringender Geilheit auf einen derbe provokanten Text nicht zu Ende denken konnten, oder ob Sie sich in Ihrer Gier nach Aufmerksamkeit gröbere intellektuelle Schnitzer großzügig genehmigten. Vielleicht können Sie es wirklich nicht besser; das täte mir leid. Warum meine Liebe 17 Mal weniger defizitär ist als Ihre Denke, Herr Matussek weiterlesen

10 Sätze zum Thema: Oldies

Ich erinnere mich, wie ich eines Abends vom Schluchzen meiner Mutter geweckt wurde. Zum ersten mal in meinem Leben war ich vorm Fernseher eingeschlafen, also einem Phänomen erlegen, das mir bis dato völlig rätselhaft gewesen war. Meiner Mutter rollten dicke Tränen über die Wangen. „Ach, das ist so schön!“, rief sie und meinte ein Duett von Frank Schöbel und Chris Doerk, das hinter hautfarbener 70er-Jahre-Patina über den Fernseher flimmerte. „Das ist total Panne!“, entgegnete ich laut prustend, nachdem ich die hölzerne Choreografie aufmerksam aber erfolglos auf Spuren von Schönheit geprüft hatte. „Das war meine Zeit.“, erklärte mir meine Mutter. „Zu diesem Lied habe ich zum ersten Mal mit deinem Vater getanzt.“ Heute, etwas mehr als 15 Jahre später hat mich der Zufallsalgoritmus meines Rechners mit Marushas „Somewhere over the rainbow“ konfrontiert, das offensichtlich bis heute in einer entlegenen Ecke meines digitalen Musikarchives auf diesen Tag gelauert haben muss. Dieses Lied lief, als ich zum ersten Mal ein Mädchen küsste. Ich schäme mich für meinen indiskutablen Musikgeschmak und das ignorante Verlachen der pompösen Sentimentalität meiner Mutter.