Nüsse & Kultur

In Charlottenburg gibt es jetzt einen Laden nur für Nüsse und Trockenfrüchte. Bis auf die Straße riecht es süß, geröstet, nach Honig und Obst.

Als ich den Laden betrete, fühle ich mich erinnert an meinen ersten Urlaub in der Türkei. Ich war zwölf Jahre alt, zum ersten Mal im Ausland und alles, alles war erstaunlich für mich. Jetzt wieder. Aber jetzt bin ich in Berlin, wie an jedem Wochenende, mitten in Deutschland.

Mir werden kleine Häppchen exotischer Früchte zum Kosten angeboten, ein Mann mit langem, dunklen, glänzenden Bart lächelt mich freundlich an und reicht mir ein kleines Tablett. Ist das die Überfremdung von der alle reden?

Mein Leben wird reicher durch diese Ausflüge in andere Kulturen, die ich in Berlin – und sicher auch andernorts – jederzeit starten kann. Ich weiß nicht, was das mit unserer Kultur macht, bestimmt macht es was. Während ich auf einem Stück einer Frucht kaue, die ich noch nie vorher schmeckte, versuche ich zu formulieren, was unsere Kultur überhaupt ist. Diese Frucht jedenfalls nicht, denke ich. Wald vielleicht, dichter dunkler Wald?

Ich muss grinsen. „Ist gut?“ sagt der Mann. Ich nicke. Ich wünsche mir, dass sich der Laden hält. Ich wünsche mir, diese nussig-fruchtige Farbe in unserer Kultur.

TV-Kritik: Roche und Böhmermann

Der schmissige, selbstreferentielle Galgenhumor, mit dem die experimentelle Schose anmoderiert wurde, durchzog sie wie ein roter Faden: Verkabelte die launigen Tischmikrofone, die statt den modernen Knöpfen am Revers verwendet wurden, fädelte die kleinen Zettel mit Regieanweisungen auf, die den Moderatoren von Zeit zu Zeit gereicht und nicht geflüstert wurden und hielt den Gesprächskreis, der optisch mehr an eine Pokerrunde oder Probeaufnahmen für den noch zu erfindenden Presseclub erinnerte, zusammen.

In vielem versuchte man sich vom Überangebot konventioneller Talkshows zu unterscheiden, vor allem aber im Style. Es gab Whiskey mit oder ohne Eis, es durfte geraucht werden und wer fluchen wollte, konnte sich mit Hilfe eines praktischen Klingelknopfes in der Tischmitte selbst ausbeepen. Getrunken wurde jedoch kaum, geraucht wurde gar nicht, zensiert vor allem zu Demonstrationszwecken.
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