Stolz darauf, schwul zu sein?

Jedes Mal, wenn sich eine öffentliche Person als homosexuell outet, bin ich irritiert. Plötzlich steht da  eine Schauspielerin, ein Fußballer, ein Apple CEO und erzählt, in welche Sorte Mensch sie oder er sich verliebt und wie großartig das sei. Eben ging es noch um Filme, Sport oder Telefone — eigentlich immer ums Geschäft — und auf einmal steht da ein Mensch und spricht, meistens sehr ergriffen, über Liebe die im Allgemeinen und seine intimsten Gefühle im ganz Speziellen.

Immer dauert es ein paar Minuten, bevor mir einfällt, was für verdammtes Glück ich habe. Wäre ich ein paar Hundert Kilometer östlich geboren, in Polen oder Russland zum Beispiel oder ein paar Hundert Kilometer südlich, vielleicht in der oberbayrischen Provinz, käme es mir auch besonders vor, schwul zu sein. Und zwar nicht besonders schön. Würde ich von diesen Standpunkten aus auf die Welt blicken, wäre ich sicher auch dankbar für jedes Idol, das mit viel Tamtam „Ich auch!“ ruft.

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Warum es unlogisch ist, dass Schwule Organe spenden dürfen

Bis eben dachte ich, dass ich mir zum Thema Organspende keine Gedanken machen müsste. Als schwuler Mann darf ich in Deutschland weder Blut noch Knochenmark spenden. Warum sollten meine Organe okay sein? Sind sie nicht. Also nicht so richtig.

Zum Blutspendeverbot

In den “Richtlinien zur Gewinnung von Blut und Blutbestandteilen und zur Anwendung von Blutprodukten” heißt es im Punkt “Kriterien für einen Dauerausschluss” (2.2.1):

“[Ausgeschlossen sind] Personen, deren Sexualverhalten ein gegenüber der Allgemeinbevölkerung deutlich erhöhtes Übertragungsrisiko für durch Blut übertragbare schwere Infektionskrankheiten, wie HBV, HCV oder HIV bergen:
– heterosexuelle Personen mit sexuellem Risikoverhalten, z. B. Geschlechtsverkehr mit häufig wechselnden Partnern,
– Männer, die Sexualverkehr mit Männern haben (MSM),
– männliche und weibliche Prostituierte.”

Im bundeseinheitlichen Fragebogen für Blut- und Plasmaspender wird diese Information in den Punkten 16 und 17 konkret abgefragt.

“16. Für Männer: Hatten Sie schon einmal Intimkontakt mit einem anderen Mann? […]
17. Für Frauen: Hatten Sie in den letzten 4 Monaten Intimkontakt mit einem bisexuellen Mann?”

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Aggressive Homophobie bei DSDS

Dass sich DSDS als mustergültiges Kleinod der institutionalisierten Zuschauerverdummung einen feuchten Dreck um die Grenzen des guten – und sogar des schlechten – Geschmacks schert, holt ja mittlerweile niemanden mehr vom Sofa. Auch daran, dass man ohne ein kürzlich verstorbenes oder sich noch besser in akutem Siechtum befindliches Familienmitglied keine Chance auf seine 15 Minuten Ruhm hat, haben wir uns gewöhnt. Sogar die gnadenlose Inszenierung einzelner Kandidat(inn)en als Zicke, Lügenmaul, Dummchen, Heulsuse, Gigolo oder notlgeile Drecksau mit den Mitteln der modernen Schnitttechnik regt niemanden mehr auf und zündet daher kein Publicity-Feuerwerk.

Was mich aber wie eine Rakete abgehen lässt ist, dass man jetzt die Homosexualität eines Kandidaten nutzt, um den angerosteten und mit mittelmäßig cleverem Kandidatenmaterial nur noch lauwarm befeuerten Unterhaltungsdampfer wieder in Fahrt zu bringen.
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