Hassliebe: Die Wanze in meiner Tasche

Miriam Meckel, Direktorin am Institut für Medien- und Kommunikationsmanagement in St. Gallen, twitterte letzte Woche:

„Think of your smartphone as a tracking device that happens to make a call. „

Wir wissen, dass mit Hilfe unsere Mobiltelefone Bewegungsprofile von uns erstellt werden können. Und auch, dass von dem, was wir als Privatsphäre (miss)verstehen nicht viel übrig bleibt, wenn man die Verbindungsdaten und den Datenverkehr zur Auswertung hinzuziehen würde. Wir nehmen das hin. Aber Warum?

Mir gelingt das, weil ich entgegen Meckels Vorschlag eben nicht daran denke. Ich wische meine Überwachungsfantasien wie Fettflecken vom Display, indem ich mir einrede, sie wären übertrieben und psychotisch. Ich halte Orwell und Huxley für Science-Fiction-Autoren, nicht für Propheten. Ich lache über Verschwörungstheorien. In meiner betriebswirtschaftlichen Ausbildung habe ich gelernt, dass Konzerne mein Geld wollen, nicht aber mein Leben. Ich bezweifle, dass der Staat mich kontrollieren will, weil ich mir immer noch einrede, ich sei der Staat. Aber ich finde es zunehmend schwieriger, mir zu glauben.
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Neu: iHomophob by Apple

Bisher habe ich das Geschrei um Apples rigide Zensurpolitik eher belustigt als besorgt verfolgt. Ähnlich wie Cäsar in der Arena entscheiden die kalifornischen Designkönige mit Daumen hoch oder Daumen runter über Sein oder Nicht-Sein von Anwendungen, e-Books oder elektronischen Magazinen in ihrem App-Store. Mitunter geht es dabei auch um Leben und Tod der kleinen Entwicklerfirmen, die in die Programmierung ihrer Software speziell für die Apple-Geräte viel Geld gesteckt haben, nun aber wegen Daumen runter damit keines verdienen dürfen. Die antiquierten, ja geradezu biederen Vorstellungen von Moral und Züchtigkeit, die aus vielen dieser Entscheidungen sprechen, beispielsweise aus jener, das barbusige Bild-Mädchen auf Seite 1 einen Bikini anzuziehen, kommen mir zwar geradezu lächerlich bevormundend vor, haben mich aber bisher nicht besonders aufgeregt.
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