Antwort & Gegenfrage: Ich fange & werfe Blogstöckchen.

Martin aus dem dunklen, dreckigen Reudnitz hat mir ein Blogstöckchen zugeworfen. Ich habe es tatsächlich gefangen, which made my day, denn in der Schule fing ich nie irgendwas. Wenn Du wissen willst, was genau ein Blogstöckchen ist, frag ihn. Martin fragt dann Captain Corleone, der fragt dann Micha, der fragt dann den anderen Martin und der fragt dann Laura, von der kommt das Ding ursprünglich. Du könntest natürlich auch André, Ulrike oder Marsha fragen. Oder eben direkt Laura, aber dann würdest viele sehr erschütternde Fragen und Antworten verpassen.

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Partei ergreifen? Naja, wenigstens mal vorfühlen.

Heute Abend werde ich das Neumitglieder-Treffen einer Partei besuchen. Noch bin ich kein Mitglied. Aber aufgeregt. Und irritiert von mir selbst.

Seit ich wählen darf, wähle ich grün. Immer aus Überzeugung, nie aus Gewohnheit. Seit Jahren denke ich darüber nach, in die Partei einzutreten. Ich kann deshalb sehr kompakt argumentieren, warum das eine schlechte Idee ist. Partei ergreifen? Naja, wenigstens mal vorfühlen. weiterlesen

Zweifelhaft: Mein fotografisches Gedächtnis

Seit 1. Januar 2010 führe ich einen täglichen Fotoblog. Seit 1. Januar 2011 heißt der „Photography is a promise that cannot be kept.“. Heute habe ich verstanden, was das bedeutet.

Ich fotografiere seit 10 Jahren, aber erst seit drei Jahren mit größerer Aufmerksamkeit. Dabei hat mich Technik nie interessiert. Mir ging es um Momente. Ich wollte keine kiloschwere Spiegelreflex-Ausrüstung sondern eine kleine Taschenkamera, die ich immer bei mir tragen kann. Ich gab dem Impuls nach, wenn er mich traf. Ich verstand den Impuls nicht, ich lenkte den Impuls nicht, ich habe ihn machen lassen. Mir gefiel, was ich sah. Jetzt sehe ich, was passiert ist.
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Kann es sein, dass wir gerade im ICE nebeneinander sitzen?

Wann immer ich in einem Fernzug platz nehme – und ich tue dies regelmäßiger, als mir lieb ist – zücke ich das Handy und starte Tweetdeck. Dieser sehr funktionale Twitter-Aggregator versorgt mich mit den neuesten Nachrichten meiner Freunde, den aktuellsten Updates der Menschen und Institutionen, denen ich auf Twitter folge und immer neuen Links zu Artikeln, die mich interessieren. Man muss die wenigen Minuten die der Zug noch im Bahnhof steht nutzen um so viele Informationen wie möglich abzurufen, in Wirklichkeit ist das mobile Internet so mobil nämlich nicht.

Als ich neulich also in geübter Nerd-Pose (Kopf auf die Brust, Smartphone auf den Bauch) im Zugsessel vor mich hin updatete, setzte sich eine junge Frau neben mich. Ich bemerkte sie nur deshalb, weil sie auf der Suche nach der Steckdose zwischen den Sitzen mit ihrer Hand meinen Oberschenkel berührte. Einige Minuten später – der Zug fuhr, ich wartete auf das mobile Internet – folgte mein Blickt dem Kabel des Ladegerätes, dass sie angeschlossen hatte bis zu ihrem Handy. Sie verwendete Tweetdeck. Ich musste kichern, war aber nicht laut genug, um sie aus ihrer Timeline zu reißen.

Mir war schon vor längerer Zeit klar geworden, dass unsere kleinen digitalen Begleiter den zwischenmenschlichen Kontakt mit Unbekannten auf eine unangenehm transzendente ebene hieven. Anstatt den Blick zu heben und der Person, der man gegenüber sitzt ein Lächeln zu schenken, senken wir lieber den Kopf und drücken „Gefällt mir“. Bisher habe ich mir immer recht überzeugend einreden können, dass uns Bücher und Zeitungen schon seit Ewigkeiten vom Beieinandersein in öffentlichen Verkehrsmitteln abgehalten haben und Handys & Co. dies allerhöchstens ein kleines bisschen verschärft haben. Die Situation jetzt war aber so skuril, dass ich sie nicht aushalten konnte.

Was aber tun? Den Kopf heben und lächeln? Dafür war ich nicht mutig genug. Abgesehen davon, war sie viel zu vertieft in Tweets und Retweets, als das sie mein Lächeln hätte bemerken können. Sie ansprechen? Um wenigstens eine kleine Chance auf Erfolg zu haben, hätte ich ihr hierfür zuerst die Stöpsel aus den Ohren angeln müssen. Ihre Musik war ziemlich laut. Aber gut. Ich kannte die Band.

Also suchte ich – eine klassische Übersprungshandlung – nach Updates über die Band bei Twitter. Und fand:

_susaramsch: I am listening to Epica http://bit.ly/i5IPWS @GetGlue #Epica

Hatte sie das geschrieben? Direkt neben mir? Vor einer Minute? Wie wahrscheinlich war es, dass irgendwo irgendjemand auch gerate Epica hört und darüber twittert? Ich musste es herausfinden und schrieb:

kopfkompass: @_susaramsch ein bisschen riskant aber vielleicht witzig: Kann es sein, dass wir gerade im ICE nebeneinander sitzen? 😉

Die folgende Minute verbrachte ich breit grinsend. Ich konnte den Blick nicht vom Handybildschirm abwenden. Und zwar von ihrem. Tatsächlich: Ein kleiner gelber Punkt meldete einen neuen Tweet an sie.
Sie nahm die Stöpsel aus den Ohren, hob den Kopf und lächelte mich an.

Den Rest der Fahrt verbrachten wir in einem sehr angeregten Gespräch. Wir unterhielten uns einfach. Über alles mögliche. Wahrscheinlich so ähnlich, wie sich Menschen vor der Erfindung von Smartphones, iPods, Walkmans und sogar des Buchdrucks unterhalten haben. Es war sehr angenehm.

Seither folgen wir einander auf Twitter.

Ist mir auch noch nicht passiert. Lustig war’s aber. http://bit.ly/fJ2Lys

wundert sich. Heute über: Jogger

Ich kann das mittlerweile unumwunden zugeben: Das Konzept Sport ist mir von Grund auf suspekt. Viele Jahre habe ich das verborgen, damit ja nicht der Eindruck entsteht, ich sei faul und träge. (Was ich – auch daraus muss ich keinen Hehl mehr machen – zweifellos bin.) Dann habe ich einige Dinge begriffen.

Erstens: Mein Fahrrad. Es bringt mich zuverlässig, unabhängig und sehr preiswert von A nach B plus obendrein gelegentlich ziemlich aus der Puste. Aus Verlegenheit behaupte ich manchmal, Fahrradfahren sei mein Sport. In Wirklichkeit ist es lediglich meine präferierte Art der Fortbewegung aus Gründen.

Zweitens: Meine Hündin. Wenn ich die von der Leine mache, wird selbst dem wenig ambitionierten Beobachter schnell klar, dass Milda keineswegs ziellos umherstreunt. Sie erkundet das Revier, markiert dessen Grenzen und jagt. Zurück in der Wohnung verfällt sie in eine Art Standby-Modus der sich meist in einer etwas modifizierten Form der stabilen Seitenlage abspielt, die über Stunden hinweg reglos gehalten werden kann.

Neulich habe ich (es könnte in einem Prospekt für Rückentraining gewesen sein) gelesen, dass der Mensch in Wirklichkeit ein Läufer ist. Demzufolge sei es alles andere als überraschend, dass wir wegen unseres ewigen Rumgesitzes Rückenschmerzen bekämen und fett würden.

Vor einigen Minuten nun kam mir ein halbnackter, knackebrauner, stränchenblondierter Mann auf der Straße entgegengejoggt, der sich wahrscheinlich nur deshalb erlaubt hat, so ungeniert zu keuchen, weil die Knöpfe in seinem Ohr seine Atemgeräusche mit dem taufrischsten Pop übertönt haben.

Ich könnte den jungen Mann nun dafür bewundern, dass er seiner Natur gerecht wird, in dem er seine Stadt im Laufschritt erobert. Tatsächlich: Er war weder fett, noch würde ich ihm Rückenschmerzen zutrauen. Ich kann mich aber ebenso begründet darüber wundern, dass er sich diese völlig willkürlichen Energieverschwendung ohne Not zumutet.

Ich kenne zahlreiche joggende Menschen. Ich habe jeden einzelnen gefragt, warum er das tut. Gern wird die Tortur mit dem guten Gefühl danach begründet. Selbiges hat sich im mehrfachen Selbstversuch bei mir zwar nicht eingestellt, wurde von Personen meines Vertrauens jedoch glaubhaft versichert.

Mir kommt das trotzdem komisch vor. Ich finde, wir sollten Wege erledigen. Dinge besorgen. Freunde besuchen. Wir sollten unser Revier erkunden, meinetwegen auch markieren. Ich finde, wir sollten jagen. Gute, gesunde Lebensmittel. Und zwar zu Fuß. Oder mit dem Rad. Von mir aus.

Es kann doch nicht angehen, dass die selbst ernannte Krone der Schöpfung die Energie einer Haupmahlzeit damit verbrennt, kilometerweit im Kreis zu rennen, um sich ein gutes Gefühl danach zu bescheren.

Hoffnung auf weniger Hoffnung

Die Hoffnung ist ein trügerisches Kind. Eine Hoffnung tritt ins Leben, wie wir Menschen das Licht dieser Welt erblicken – schutzlos und hilfsbedürftig. Sie schreit nach Aufmerksamkeit und Fürsorge. Danach wächst die Hoffnung mit jedem Tag, die sie unserer Brust innewohnt. Wir durchleben rebellische Phasen, in denen es uns schwer fällt sie aufrechtzuerhalten. Trotzdem halten wir daran fest, denn die Hoffnung ist bereits ein Teil von uns geworden und wir lieben sie.
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10 Sätze zum Wert von Kiwis

Um unser Begrüßungsgeld abzuholen, waren wir wie Sardinen in eine Dose in ein enges Zugabteil gequetscht nach Hof gefahren. In der Gemüseabteilung eines dortigen Supermarktes machte ich eine faszinierende Entdeckung: „Guck mal Mama. hier gibt es Kartoffeln mit Haaren!“ Obwohl auch meine Mutter noch nie zuvor in ihrem Leben eine Kiwi gesehen hatte, erklärte sie mir gespielt fachkundig verstohlen das kleine Etikett lesend, dass ich offensichtlich falsch lag. Dann nahm sie mich an die Hand und wir verließen schnellen Schrittes die Frischeabteilung, in der sich einige Kunden köstlich über meinen Ausruf amüsierten. Da ich die seltsame Frucht an der Kasse noch immer in der Hand hielt, hat meine Mutter sie mir gekauft und ich habe sie den ganzen Tag in meiner Jackentasche mit mir herum getragen, um wann immer Zeit war das süßlich-exotische Aroma zu inhalieren, das sie verströmte.

Am Abend – wir waren gegen elf völlig erschöpft wieder zuhause angekommen – holte ich sie hervor und bat meine Mutter, sie mit chirurgischer Genauigkeit in vier gleich große Teile zu zerschneiden, damit jeder etwas davon habe. Andächtig und in völliger Stille saßen wir am Esstisch und löffelten langsam das grüne Fleisch, bevor wir – kaum war das letzte Fitzelchen genossen – wild durcheinander plappernd versuchten, unseren Geschmackseindrücken Ausdruck zu verleihen. In der festen Überzeugung, nie wieder in meinem Leben nach Hof zu kommen, versuchte ich, aus den winzigen schwarzen Kernen kleine Kiwipflanzen zu ziehen – vergeblich.

Heute habe ich eine Sechserpackung Kiwis weggeworfen. Die war letze Woche sehr günstig im Angebot und ich dachte, vielleicht würde ich Appetit auf Kiwis bekommen, bevor sie allesamt verschimmelt wären.

10 Sätze zum Thema: Oldies

Ich erinnere mich, wie ich eines Abends vom Schluchzen meiner Mutter geweckt wurde. Zum ersten mal in meinem Leben war ich vorm Fernseher eingeschlafen, also einem Phänomen erlegen, das mir bis dato völlig rätselhaft gewesen war. Meiner Mutter rollten dicke Tränen über die Wangen. „Ach, das ist so schön!“, rief sie und meinte ein Duett von Frank Schöbel und Chris Doerk, das hinter hautfarbener 70er-Jahre-Patina über den Fernseher flimmerte. „Das ist total Panne!“, entgegnete ich laut prustend, nachdem ich die hölzerne Choreografie aufmerksam aber erfolglos auf Spuren von Schönheit geprüft hatte. „Das war meine Zeit.“, erklärte mir meine Mutter. „Zu diesem Lied habe ich zum ersten Mal mit deinem Vater getanzt.“ Heute, etwas mehr als 15 Jahre später hat mich der Zufallsalgoritmus meines Rechners mit Marushas „Somewhere over the rainbow“ konfrontiert, das offensichtlich bis heute in einer entlegenen Ecke meines digitalen Musikarchives auf diesen Tag gelauert haben muss. Dieses Lied lief, als ich zum ersten Mal ein Mädchen küsste. Ich schäme mich für meinen indiskutablen Musikgeschmak und das ignorante Verlachen der pompösen Sentimentalität meiner Mutter.

10 Sätze zum Thema: Gute Vorsätze

Mir sind sie mittlerweile zu guten Freunden geworden, meine Vorsätze. Ich begegne ihnen nur einmal im Jahr, aber immer ist diese Begegnung intensiv und vielversprechend. Sie zeigen mir Bilder von einem besseren Leben und Karten, die den Weg dorthin weisen. Sie verhehlen nicht, dass der Weg bergauf führt.
Aber sie schwärmen von der fantastischen Aussicht, die man vom Ziel hätte. Jedes Jahr mache ich mich begeistert auf den Weg. Jedes Jahr gelingt es mir, für ein paar Tage zu verdrängen, wie oft ich schon aufgebrochen bin, und dass ich mich noch jedes Mal verirrt habe. Und jedes Jahr verirre ich mich erneut, und verliere die Vorsätze und den Pfad, den sie wiesen im Schneesturm der Alltäglichkeiten aus dem Blick.
Außer im letzten Jahr. Einer Fährte folge ich noch immer. Und heute wage ich es, eine zweite aufzunehmen.

Von einer Bronchitis lernen

Soweit ich das beurteilen kann, ist die gemeine Bronchitis und auch ihre dickere Schwester die Tracheobronchitis zumindest in ihren akuten Ausprägungen weder besonders selten noch besonders fürchterlich noch ohne Ende. Eigentlich ist sie nicht der Rede wert. Mich aber bringt sie gerade dazu, ernsthaft über Leben und Tod nachzudenken. Wofür ich mich freilich ein bisschen schäme.

Von früheren Krankheiten weiß ich bereits, dass ich zu den besonders wehleidigen Patienten gehöre. Während andere mit Stolz und Würde abwinken, wenn die Sprache auf ihre, wegen der wie eine auslaufende Duschbadflasche sekretierenden Nase unübersehbare Erkältung fällt, zwingt mich bereits eine leichte Bronchitis dazu, den gesamten Tag im Bett zu verbringen und jede Bewegung (Drehen im Bett, Griff zur Fernbedienung, Gang zur Toilette) mit einem lauten Ächzen in ihrer Beschwerlichkeit zu unterstreichen. Jedes Mal versuche ich mich zusammenzureißen in der festen Überzeugung, dass meine Genesung sehr direkt von meiner psychischen Verfassung abhängt, deren beste Freundin Selbstmitleid und theatralisches Gestöhne nun eben nicht sind. Jedes Mal aber scheitere ich. Meine Glieder täuschen vor, während eines 50 km Cross-Bike-Trials aufs Übelste malträtiert worden zu sein, mein Kopf fährt das beliebte Übungsmanöver “Denken, nach einer Kollision mit einem Linienbus” und Hals und Lunge feiern Barbecue. Ich MUSS ächzen.

Meine Schwester, die sich gestern telefonisch nach meinem Befinden erkundigte, half mir aus der Patsche. Ich bat sie, mir zu erklären, was ich für eines der größten Mysterien der Menschheit halte: Wie um alles in der Welt können Frauen die Schmerzen einer Geburt ertragen? Damit kennt sich meine Schwester aus, erst vor acht Wochen hat sie ein Kind geboren. Ihr drittes. Sie erklärte mir, dass eine Geburt im Prinzip ganz ähnlich wie Erbrechen funktioniere. Nur an anderer Stelle. Wer seinen Körper beim Erbrechen nicht machen lasse, riskiere unschöne geplatzte Äderchen im Auge. Der Trick bei einer Geburt sei, sich ganz und gar hinzugeben. Im festen Vertrauen darauf dass die Natur das schon regele. Und die Hebamme helfe, falls nicht. In diesem Zusammenhang riet sie mir beinahe fürsorglich, zu ächzen und zu stöhnen soviel ich will. Schließlich verschaffe mir das Erleichterung. Ebenso wie eine Geburt deswegen freilich noch lange kein Kindergeburtstag sei – worin ich sie korrigieren musste – werde eine Bronchitis deswegen natürlich kein Spaziergang. Aber sie bekäme die Aufmerksamkeit die sie fordere und würde entsprechend schnell verschwinden.

Von Schnelligkeit weigere ich mich in diesem Zusammenhang allerdings zu sprechen: Ich liege seit Dienstag im Bett und langweile mich. Versuche ich zu lesen oder Radioreportagen zu hören, fühle ich mich überfordert, was mir Angst macht. Sehe ich fern oder surfe ich im Netz, kann ich mich des überwältigenden Eindruckes nicht erwehren, meine Zeit zu verschwenden. Denn eigentlich ist sie doch wertvoll: Die Zeit mit mir. Oder?

Im Grunde meines Herzens war ich bis heute der zugegeben esoterischen Überzeugung erlegen, dass mich eine Krankheit zwingen soll inne zu halten, um das Hamsterrad für zwei, drei Runden zu verlassen, durchzuatmen und zu prüfen, ob ich wirklich zurück will. Und falls ich das nicht will, bietet eine Krankheit den Raum zu prüfen, ob es nicht einen Weg gibt, auf dem ich im Gegensatz zum Hamsterrad tatsächlich vorwärtskomme. Derartige Reflexionen liegen mir, können aber dazu führen, alle zwei, drei Jahre etwas völlig anderes zu tun, und so zu riskieren, es nirgendwo jemals zu etwas zu bringen. Deswegen, und weil ich außerdem der Überzeugung bin, dass jedem Menschen nicht nur ein Weg zum geglückten Leben offensteht, hatte ich mir vorgenommen, allzu voreilige Richtungswechsel künftig zu unterlassen und irgend einen Weg einfach mal für eine Weile zu probieren. Diesen zum Beispiel.

Wie ich heute endlich verstanden habe, kann einer Krankheit wie dieser garstigen Bronchitis, die gerade in mir haust diese bedeutende Funktion aber unmöglich zukommen. Vom vielen Ächzen bin ich so abgelenkt, dass ich keinen klaren Gedanken fassen kann und tunlichst davon absehen sollte, Entscheidungen zu treffen die über “Cornflakes oder Haferflocken zum Frühstück?” hinausgehen.

Einen sehr wertvollen Zweck hat sie dennoch, diese verhasste Keuche. Einen Zweck, der allerdings erfordert alle Scheu vor Kitsch und Binsenweisheiten abzulegen und auch die Furcht davor, einen hoffnungsvollen Text mit dem letzten Satz zu zerstören: Diese Bronchitis erinnert mich an das Wunder der Gesundheit, dass ich allzu oft für eine Selbstverständlichkeit halte.