Welt-Down-Syndrom-Tag: Von wegen ganz, ganz tolle Menschen

Wie ich bei meiner morgendlichen Presseschau gelernt habe, ist heute Welt-Down-Syndrom-Tag. Ich gestehe, noch nicht ganz begriffen zu haben, wozu genau diese Welt-Haste-Nich-Gesehen-Tage gut sein könnten, wenn nicht dazu, einen Tag (einen Tweet, einen Like, einen Augenblick) lang sehr betroffen oder wütend zu sein und sich nach dieser sehr befriedigenden Gefühlsregung wieder seinem Alltag zuzuwenden. Aufmerksamkeit ist gut und wichtig. Aber Aufmerksamkeit allein ändert gar nichts.

Anlässlich des Welt-Down-Syndrom-Tages sind kämpferische Plädoyers für die Inklusion betroffener Kinder in „normale“ Schulklassen zu lesen, aber auch solche für die Separierung in Förderschulklassen. In Tweets ist von „wunderbaren Downies“ die Rede, und von „ganz, ganz tollen Menschen“. Facebook gefällt das. Mir jagt das Schauer über den Rücken.
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Warum die Entscheidung für einen Organspende-Ausweis immer religiös ist

Letzten Freitag – vor mir kniete ein kräftiger Mann auf dem Boden und versuchte mit klappernden Stößen eine Puppe wieder zu beleben, neben mir bettelte ein Kollege um meine Unterstützung bei einem Handy-Quizduell – tätigte ich schwungvoll eine Unterschrift, vor der ich mich jahrelang gedrückt hatte. Die unter meinem Organspende-Ausweis.

Ich bin erleichtert, dass das zermürbende Hin & Her in mir ein Ende hat. Warum die Entscheidung für einen Organspende-Ausweis immer religiös ist weiterlesen

Social Schwadroneezing

Apple, Facebook und andere amerikanische IT-Konzerne bieten Teilen ihrer weiblichen Belegschaft an, sich an den Kosten für die Entnahme und das Einfrieren von Eizellen zu beteiligen bzw. diese ganz zu übernehmen. Frauen, die sich dafür entscheiden, können sich in den nächsten Jahren ganz auf ihrer Karriere konzentrieren und haben auf der vielfach strapazierten biologischen Uhr gleichsam den Schlummerknopf gedrückt.

Ob man das moralisch richtig oder moralisch falsch oder überhaupt irgendwie moralisch finden muss, wurde in den letzten Wochen in allen Stimmlagen diskutiert, in der populistischsten aller denkbaren gestern Abend bei Günther Jauch. Ich möchte mich eigentlich nur kurz über den Begriff ärgern: Social Freezing. Social Schwadroneezing weiterlesen

7 mins & me: Eine Leibesgeschichte

Nein, ich würde mich nicht als unsportlich bezeichnen. Ich will niemandem zu nahe treten, aber ich muss ja bei der Wahrheit bleiben: Ich fand mich immer zu klug für Sport. Mit dem Gesichtsausdruck eines lasagnesatten Garfield betrachte ich von der sonnigen Tribüne aus die armen Schweine, die sich im Schweiße ihres Angesichts auf den Spielfeldern, Laufbändern und Fitnessgeräten quälen. Und mit ehrlichem Interesse frage ich mich: Warum machen die das? Es gibt so viel Aufregenderes und Sinnvolleres als Sport!

Umfragen in meinem Freundeskreis haben ergeben, dass man Sport macht, weil man sich danach besser fühlt. Ich bin sozialistisch erzogen und deshalb skeptisch gegenüber dem katholischen Gedanken, jetzt richtig zu leiden um es danach schön zu haben. Fußball spielen manche Menschen, weil es ihnen Spaß macht, während sie es tun. Die für diesen Spaß zuständige Hirnregion wurde bei mir jedoch wegen Sauerstoffmangels bei der Geburt vom unnatürlich großen Zentrum für Lustempfinden beim Genuss zucker- und fetthaltiger Lebensmittel irreversibel zerstört. Ich kann da nix für. 7 mins & me: Eine Leibesgeschichte weiterlesen

Das große Oxfam-Trailwalker-Alphabet: F – J

F wie Frühstücksfrechheit
Um das Frühstück würde ich mich beim nächsten Mal selber kümmern. Das von Oxfam war eine Enttäuschung. Lieblos in Plastiktüten auf die Buffet-Tische geschmissen, gab es Brot, zwei Sorten Wurst, eine Sorte Käse sowie fettfreien Joghurt vom Discounter. Und Butter natürlich. Im praktischen 250g-Stück mit nur einem Schmiermesser am Buffet. So war man gezwungen, sich die Brote direkt an der Tafel zu schmieren, was für lange Schlangen sorgte. Ein veganes Angebot gab es nicht. Kein Obst, keine Marmelade, keine Margarine. Das Brot war wirklich lecker, aber Brot gibt es bei den 4 Bäckern auf dem Weg von der Stadthalle zum Start sicher auch. Und vielleicht sogar ein Lächeln dazu. Das große Oxfam-Trailwalker-Alphabet: F – J weiterlesen

Das große Oxfam-Trailwalker-Alphabet: A – E

Weil ich einerseits geradezu übersprudele vor Eindrücken, andererseits aber niemandem einen 4.200-Wörter-Blogpost zumuten will, habe ich eine Miniserie über meine Erfahrungen gebastelt: Das große Oxfam-Trailwalker-Alphabet. Ab heute, bis Samstag jeden Tag um 12. Wer diesen Blog danach immer noch liest, muss mich wirklich mögen. Und bitte:
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Oxfam Trailwalker: 7 auf einen Strich durch die Rechnung

Wäre ich ein Hellseher, sähe ich schwarz. Der Trailwalker stehe unter keinem guten Stern, würde ich mit rauchiger Stimme in die Gesichter der Fragenden sprechen. Je nachdem, wieviel Fusel ich schon intus hätte, würde ich mich vielleicht sogar dazu hinreißen lassen, lautstark einen Fluch zu vermuten. Das wäre zwar hoch gestapelt, gehörte aber zum Beruf.
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Oxfam Trailwalker: Erinnerungen an die Generalprobe

Die im letzten Post anmoderierte 50 km-Wanderung liegt hinter mir. Ich bin erleichtert und glücklich. Die Strecke ist anspruchsvoll aber nicht „ganz schön knackig“, wie mir Joe Kelly in einem Trailwalker-Werbevideo einreden wollte (nur um mir Angst einzujagen und sich noch länger in der trügerischen Sicherheit wiegen zu können, dass er der Coolere von uns beiden sei).
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Oxfam Trailwalker: Hoffnungen & Ängste vor der Generalprobe

In drei Wochen ist es soweit – mit fünf Freunden werde ich versuchen, innerhalb von 30 Stunden einhundert Kilometer zu wandern. Gleich werden wir in den Harz aufbrechen, um auf der Originalstrecke fünfzig Kilometer zu laufen. Ich bin überrascht darüber, was ich bisher begriffen habe und wovor ich mich fürchte. Oxfam Trailwalker: Hoffnungen & Ängste vor der Generalprobe weiterlesen

Männermode: Warum kurze Hosen im Büro sehr wohl gehen

Jeden Sommer quälen mich Menschen, die in offensichtlicher Ermangelung anderer Talente Fashion-Experten werden mussten, mit Kolumnen zur sommerlichen Kleiderordnung am Arbeitsplatz. Man erkennt ihre Artikel an der Kombination der Termini „No-Go“, „Tabu“ oder „nackte Haut“ mit dem Wort „Büro“ in der Überschrift. Daher ist es nicht schwer, sie zu überlesen. Damit ihre perfide Hirnwäsche trotzdem funktioniert, sind sie dazu übergegangen, ihre Indoktrination als Alltagstipp im Popradio oder als Ratgeberbeitrag im Frühstücksfernsehen zu streuen.

Alljährlich verhandeln sie die tolerierbare Rocklänge für Damen sowie ob Strumpfhosen sein müssen oder Zehen erlaubt sind. Gelegentlich kommt Zwist auf, ob es bei den Herren notfalls auch ohne Jackett ginge oder ausnahmsweise ohne Krawatte. Furchterregend einig ist man sich jedoch in einem Punkt: Kurze Hosen für Männer gehen gar nicht.

Ich erkläre hiermit feierlich: Das ist Mumpitz. Männermode: Warum kurze Hosen im Büro sehr wohl gehen weiterlesen