Warum mir der 3. Oktober als Feiertag wirklich etwas bedeutet

In diesen Zeiten ist es heikel, Begriffe wie „Heimat“ oder „Nationalfeiertag“ ohne kritische Distanzierung zu gebrauchen. Dafür gibt es gute Gründe. Politische Kräfte, die das Wort „völkisch“ wieder positiv besetzen wollen zum Beispiel. Solche die wollen, dass „Deutschland den Deutschen“ wieder ohne Scham gesagt werden darf. Oder die mit der Erinnerung an den Holocaust abschließen wollen.

Ich traue mich daher kaum, über das Gefühl zu schreiben, dass mich heute den ganzen Tag beherrscht hat: Dankbarkeit. Ich bin sehr froh über diese deutsche Einheit, auch nach 27 Jahren noch. Für mich ist der 3. Oktober einer der wenigen Feiertage, die mir tatsächlich etwas bedeuten. Mehr als: Heute muss ich nicht ins Büro. Warum mir der 3. Oktober als Feiertag wirklich etwas bedeutet weiterlesen

Welt-Down-Syndrom-Tag: Von wegen ganz, ganz tolle Menschen

Wie ich bei meiner morgendlichen Presseschau gelernt habe, ist heute Welt-Down-Syndrom-Tag. Ich gestehe, noch nicht ganz begriffen zu haben, wozu genau diese Welt-Haste-Nich-Gesehen-Tage gut sein könnten, wenn nicht dazu, einen Tag (einen Tweet, einen Like, einen Augenblick) lang sehr betroffen oder wütend zu sein und sich nach dieser sehr befriedigenden Gefühlsregung wieder seinem Alltag zuzuwenden. Aufmerksamkeit ist gut und wichtig. Aber Aufmerksamkeit allein ändert gar nichts.

Anlässlich des Welt-Down-Syndrom-Tages sind kämpferische Plädoyers für die Inklusion betroffener Kinder in „normale“ Schulklassen zu lesen, aber auch solche für die Separierung in Förderschulklassen. In Tweets ist von „wunderbaren Downies“ die Rede, und von „ganz, ganz tollen Menschen“. Facebook gefällt das. Mir jagt das Schauer über den Rücken.
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Oxfam Trailwalker: Über Sieg & Niederlage

Heute in einer Woche sind wir schon fünf Stunden unterwegs. Den ersten Checkpunkt haben wir dann vielleicht schon hinter uns gelassen. Ich kann diesen Gedanken denken oder mir eine Tagesdosis Adrenalin injizieren. Ich bin glücklich. Ich bin aufgeregt. Ich habe Angst. Und ich freue mich. Aber der Reihe nach.
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Ich habe Angst vor Ärzten und ich kann das erklären

Ich bin 32 Jahre alt und gesund. Hoffe ich. So sehr. Ich habe Angst vor Ärzten und ich kann das erklären.

Ich gehöre zu den Männern Menschen, die Arztbesuche soweit aufschieben, wie es nur geht. Ich bin einer von denen, die ab Juni an ihre jährliche Zahnarztvorsorge denken, aber erst am Abend des 22. Dezember der entnervten Sprechstundenhilfe gegenübertreten, um unter Einsatz allen verfügbaren Charmes einen Termin noch in diesem Jahr zu erbetteln. Einmal, als ich drei Jahre lang nicht mutig genug war, zum Zahnarzt zu gehen, und mir die Ärztin an einem dieser Dezemberabende kühl eröffnete, bis Mitte März des nächsten Jahres neun meiner Zähne sanieren zu wollen, bin ich unumwunden in Tränen ausgebrochen. Zwölf Mal wollte sie mit Bohrern, Schleifern, Saugern, Schläuchen und Metalllegierungen in meinen Kopf eindringen, ohne mir den Segen einer Vollnarkose zuteil werden zu lassen! Das ging nicht. Nirgendwo fühle ich mich ausgelieferter, als auf dem Behandlungsstuhl einer Zahnärztin. Ich bin sehr stolz darauf, dass mein Gebiss mittlerweile komplett saniert ist. Natürlich nicht von diesem sadistischen Monster, sondern von einer engelsgleichen Zahnfee mit dunkler Dauerwelle, die sich – mutig die Realität leugnend – von winzigem Löchlein zu winzigem Löchlein gefaselt hat. Bitte: Ich möchte von Zahnärztinnen angelogen werden. Ich habe Angst vor Ärzten und ich kann das erklären weiterlesen

Was mich meine Hündin lehrt

In diesen Augenblicken werden meiner Hündin Eierstöcke und Gebärmutter entfernt. Beide Organe sind entzündet und bereiten ihr Schmerzen. Das ist meine Schuld. Mir ist übel, mir ist kalt und ich fürchte mich.

Milda ist seit fünf Jahren bei mir und genauso lange habe ich mich um die Kastration gedrückt. Eine Operation erfordert immer die Verletzung des Körpers. Sie erfordert immer Narkose, Wunde und Schmerz. Möglicherweise verursacht sie ein Trauma und beschädigt das Vertrauen. Mir war das zu teuer.

Es hat mich nie gestört, dass Milda zweimal im Jahr läufig wurde und ich ihr dann permanent hinterherwischen musste. Sie ist mir auch nie ausgebüxt. Sie war immer gehorsam. Und die Idee, Eierstock- oder Gebärmutterkrebs zu vermeiden, indem man beides vorsichtshalber entfernt, erschien mir immer – ja, es ist das richtige Wort – pervers. Als würde ich mich prophylaktisch von meiner Prostata trennen.
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10 Sätze zum Wert von Kiwis

Um unser Begrüßungsgeld abzuholen, waren wir wie Sardinen in eine Dose in ein enges Zugabteil gequetscht nach Hof gefahren. In der Gemüseabteilung eines dortigen Supermarktes machte ich eine faszinierende Entdeckung: „Guck mal Mama. hier gibt es Kartoffeln mit Haaren!“ Obwohl auch meine Mutter noch nie zuvor in ihrem Leben eine Kiwi gesehen hatte, erklärte sie mir gespielt fachkundig verstohlen das kleine Etikett lesend, dass ich offensichtlich falsch lag. Dann nahm sie mich an die Hand und wir verließen schnellen Schrittes die Frischeabteilung, in der sich einige Kunden köstlich über meinen Ausruf amüsierten. Da ich die seltsame Frucht an der Kasse noch immer in der Hand hielt, hat meine Mutter sie mir gekauft und ich habe sie den ganzen Tag in meiner Jackentasche mit mir herum getragen, um wann immer Zeit war das süßlich-exotische Aroma zu inhalieren, das sie verströmte.

Am Abend – wir waren gegen elf völlig erschöpft wieder zuhause angekommen – holte ich sie hervor und bat meine Mutter, sie mit chirurgischer Genauigkeit in vier gleich große Teile zu zerschneiden, damit jeder etwas davon habe. Andächtig und in völliger Stille saßen wir am Esstisch und löffelten langsam das grüne Fleisch, bevor wir – kaum war das letzte Fitzelchen genossen – wild durcheinander plappernd versuchten, unseren Geschmackseindrücken Ausdruck zu verleihen. In der festen Überzeugung, nie wieder in meinem Leben nach Hof zu kommen, versuchte ich, aus den winzigen schwarzen Kernen kleine Kiwipflanzen zu ziehen – vergeblich.

Heute habe ich eine Sechserpackung Kiwis weggeworfen. Die war letze Woche sehr günstig im Angebot und ich dachte, vielleicht würde ich Appetit auf Kiwis bekommen, bevor sie allesamt verschimmelt wären.

Intuition der Fische

Ich im Baumarkt.
Die Zierfische.
Die Schmuckschildkröten.
Die Mooskugeln für einen Euro.

Ich im silikonverklebten Aquarium.
Mein klingelndes Telefon irgendwo da draußen.
Dumpf und anderswo und trotzdem laut genug.
Ich stelle auf lautlos und treibe weiter.

Heiko angelt nach mir.
Du kannst doch nicht immer.
Du musst doch auch mal.
Was wenn?
Stell dir vor:
Paris!

Hello?
This is Caroline Calchera of the
Fondation Cartier pour l’art contemporain.
Am I talking to?
Ja? Yes? English?
Sure. You have been selected for our summer exhibition.
It is you we have selected.
Congratulations!

Ernsthaft? Ich? English?
Sure.

Heiko!
I have been selected!
Siehste?
Herz!
Ich wusste das.
Ich wusste.

Die Intuition der Fische.
Und ich als Mooskugel
im silikonverklebten Aquarium.

Guten Morgen, Vordiplom!

War eine lange Nacht, würde ich sagen. Von Ende März bis Mitte Juli. Ich weiß nicht, ich bin nicht ausgeschlafen. Aber ich bin in diesen Minuten so voll, so prall, so geil aufs Leben, dass ich es nicht länger ausgehalten habe in meinem Bett.

Dieser Drang vibriert in mir, drängelt, kann den Morgen nicht erwarten, zerrt mich mit halb offenen Augen in den neuen Tag. Wie gesagt, eigentlich bin ich total kaputt. Hinter mir liegt eine arbeitsreiche Zeit mit Vordiplom, Ausstellung und allem was dazu gehört. Eigentlich wäre es glaube ich ganz gut für mich, wenn ich ein paar Stunden ins Bett käme. Aber so ist es eben nicht. Ich sehne mich nur so lange nach Ruhe, bis ich sie haben könnte. Dann wird sie uninteressant. Langweilig. Fad.

Mein Vordiplom war gut. Eigentlich sollte ich es hier verlinken, aber es steht noch nicht online. Wie immer ging einiges schief, wie immer wurde die Zeit gegen Ende ganz schön knapp und wie immer ist die Arbeit nicht perfekt und ich nicht zufrieden. Aber dennoch war es gut. Ich hatte schon das Gefühl besser organisiert zu sein diesmal. Klarer strukturiert. Linearer. Effektiver. Das ganze Arbeiten hat sich professioneller angefühlt. Geregelter. Und ich hatte nicht permantent das Gefühl was suuuperverrücktes und suuuperschickes zu machen, dass im Grunde aber nichts mit mir zu tun hat. Dass im Grunde nur eine Maske ist, eine Rolle.

Auch die Verteidigung war gut. Natürlich war ich aufgeregt. Wie man vor einer Prüfung eben aufgeregt ist. Andererseits – und das erschreckte mich fast – war ich vor keiner Prüfung in meinem Leben so gelassen wie dort. Ich meine, das war immerhin mein Vordiplom. Ganz ehrlich: meine mündliche Geo-Prüfung zum Abi hat sich schlimmer angefühlt. Deutlich schlimmer. Aber dieses Vordiplom war so sehr meins! Das war mein Thema. Das habe ich mir gesucht. Daran habe ich ein ganzes Semester lang gearbeitet. Jeden Tag. Es ging hier nicht um die Wiedergabe auswändig gelernter Fakten. Es ging nicht um das korrekte Anwenden einer Formel. Es ging um mich. Wie soll ich das nach vier Monaten Vorbereitungszeit nicht verteidigen können? Beinahe hat es Spaß gemacht. Ich glaube, so soll es sein.

Und dann die Ausstellung jetzt. Das lief alles so reibungslos. Ich konnte einen wundervollen Galerieraum mit Schaufenster besorgen, ganz umsonst. Und obwohl wir weder in der Zeitung noch in sonst irgendeinem Veranstaltungskalender verzeichnet waren hatten wir mehr als 150 Besucher. Zwei neue Arbeitsweisen haben wir probiert: die Rauminstallation und ein tagebuchähnliches Wandtablot. Einige Besucher waren total ergriffen und sagten Dinge wie: Wundervoll, dass ihr auf der Welt seit. Einige haben sich so verstanden gefühlt. Einige waren so beeindruckt. Natürlich kann ich das alles erst im Nachhinhein so positiv bewerten. Während die Ausstellung lief, habe ich mich sehr schwach gefühlt. So etwas kann man ja eigentlich auch nicht machen.

Zielstrebig über eine lange Zeit auf eine Prüfung hinarbeiten, um direkt nach selbiger eine Ausstellung aufzubauen, in der man dann jeden Tag sitzt und seine Arbeit erklärt, anstatt mal in die Wanne zu gehen und sich dann richtig auszuschlafen. Ich stand sehr unter Druck, habe mich sehr gefangen gefühlt und hatte dementsprechend fast täglich Atemnot. Mal ganz zu schweigen von einer massiven Unlust und einer für meine Verhältnisse starken Sympathie zum Alkohol…

Ich habe viel gelernt durch die Ausstellung. Das ganze Thema von wegen für sich und seine Arbeit einstehen können. Da lernt man ja nie aus. Aber viel wichtiger für mich ist, dass im Zuge der Ausstellung zwei alte Freundschaften wiederbelebt wurden, die mir unterwegs abhanden gekommen waren. Die zu Marco und die zu Andreas nämlich. Beide kenne ich aus Schulzeiten und zu beiden habe ich nach der Schule den Kontakt abgebrochen, weil ich der Meinung war, als Schwuler, als Paradiesvogel, als Sonderling nicht mehr in meinen alten Freundeskreis zu passen. Naja, so ganz falsch lag ich damit wohl gar nicht, denn in der Tat hatten einige meiner früheren Freunde, wie ich kürzlich erfuhr, Probleme mit meinem „neuen Leben“. Und die Entscheidung die sterbenslangweilige, wenn auch solide Deutsche Bank zu verlassen, um ein wenig solides aber dafür umso spannenderes Kunststudium zu beginnen hat bei den meisten wohl auch wenig gepunktet. Aber schon beim Klassentreffen Ende Mai wurde mir klar, dass ich wohl doch ganz schön übertrieben hatte mit meinem Kahlschlag. Denn in Anwesenheit von Marco und Andreas wurde mir bewusst, wie sehr ich die beiden eigentlich vermisst hatte.

Ich weiß nicht. Natürlich ist es nicht so, dass wir zwangsläufig miteinander zu tun haben müssen, damit sich mein Leben vollständig anfühlt. Uns trennen immerhin knappe fünf Jahre unseres Weges, und was uns vorher verband, war Teenagerfreundschaft, die wichtig und prägend ist, aber eben doch allgemeiner, leichter, vielleicht austauschbarer. Und doch hat es etwas mit Verwurzelung zu tun jetzt wieder Zeit mit den beiden zu Verbringen. Marco ist Programmierer geworden. Er hat mit Kunst nichts zu tun, wie er mit vielen Dingen, die in meinem Leben von Belang sind nichts zu tun hat. Aber ich habe bei ihm so sehr das Gefühl einem guten, lieben, liebenswürdigen Menschen gegenüberzustehen, dass ich seine Anwesenheit sehr genieße. Andreas studiert Psychologie und wird nächstes Jahr fertig. Da hat man ja schon ein gemeinsames Thema mit dem man auch auf einer einsamen Insel einige Monate ganz unterhaltsam über die Runden kommen würde. Und tatsächlich ist sehr spannend wenn sein schulpsychologischer Wissenswust auf mein derbe spirituelles Weltbild trifft.

Ich werde in jedem Fall versuchen beide Kontakte aufrecht zu erhalten.

Meine Güte, was bin ich zufrieden in diesen Minuten. Es scheint ein fantastischer Tag werden zu wollen. Vielleicht lege ich mich noch mal ein paar Minuten zu meinem duftenden, warmen Mann und genieße seinen Atem.

Danke für deine Aufmerksamkeit.

Fliegende Holländer

Es steht auf jeder zweiten Urlaubskarte und ist meistens einfach schlecht beobachtet: „Die Menschen sind ganz anders hier. Viel freundlicher, viel offener, viel freier.“ Aber ich komme auch nach intensiven Hinsehen nicht umhin, genau das von Amsterdam zu behaupten.

Es ist diese fröhliche Freiheit, die hier in jedem Gesicht steht. Sicher, ich weiß: Es ist Frühling, ich bin im Urlaub und außerdem sind andere Städte, besonders die in anderen Ländern immer spannend, immer faszinieren und viel schöner als Zuhause. Aber die fröhliche Freiheit hier ist echt.

Ich glaube nicht, dass es eine holländische Leichtigkeit ist. Oder anders: dass es deutsch ist, was mich schwer macht zu hause. Wahrscheinlich ist sie hausgemacht, diese Schwere, diese Verkrampftheit, diese subtile Angst. Dieses kurze „Bin-ich-schick-genug?“ bevor ich ein neues Cafe betrete. Diese steinerne Mine, wenn auf der Straße jemand zu nah an mir vorbeigeht. Aber auch: Dieses „Dankeundschöntagnoch.“ dass nicht mich meint, sondern einen fiktiven Punkt der Deckenverkleidung im Aldi. Die Menschen sind hier anders. Heute morgen in der Straßenbahn wollte ich ein Ticket kaufen. Dabei benutzte ich die Formulierung „two people“ was den Straßenbahnfahrer dazu veranlasste über das Straßenbahnmikrofon Paul McCartneys „Too many people living underground“ anzustimmen und mich zum mitsingen einzuladen. Das ist Amsterdam. So sind die Menschen hier. Manchmal fangen sie einfach auf der Straße zu singen an. Wer zu ernst kuckt wird einfach angesprochen und gefragt, ob alles in Ordnung ist. Wer vor einem Laden unsicher auf und ab geht, wird freundlich hereingebeten. Man muss sich ganz schön anstrengend, hier verkrampft zu sein. Schlechte Laune kostet hier viel Mühe. Auch, wenn es regnet. Auch, wenn man nicht im Coffee-Shop war.

Das ist sehr befreiend.

Amsterdam

Kurzurlaub in Amsterdam. Drei Tage, weil wir drei Jahre zusammen sind. Eine gute Idee. Weil man über Amsterdam ja soviel gutes hört. Und weil sich Vorfreude ja so gut anfühlt. Besonders dann, wenn sie sich nicht in erster Linie auf ein besonderes Ereignis, sondern das Ausbleiben besonderer Ereignisse – dem Denken spezieller Gedanken nämlich – bezieht. So eine Reise lenkt ab. Auch die Vorfreude auf sie.

Eine weniger gute Idee ist es hingegen, diese Vorfreude mit anderen zu teilen. Das jedenfalls ist meine Erfahrung. Die erste Reaktion auf das Wort Amsterdam ist nämlich in der Regel das Wort Coffee-Shop. Und dieses Wort war wie ein Virus, der vom Mund meines Gegenüber in mein Ohr kletterte und sich dort einnistete, um von Zeit zu Zeit widerzuhallen. An jeder Ecke hier gibt es Coffee-Shops. An jeder einzelnen Ecke. Und ob man nun diesen Virus im Ohr hat oder nicht: Die erwachte Neugier nimmt den Kampf gegen die Vernunft auf. Und letztere hat nicht viel Rückenhalt: Kiffen ist legal hier. Der Geruch gehört zum Stadtbild. Weed rauchen zum guten Ton.

Ach ja, die Stadt. Diese Stadt! Unglaublich. Ich fürchte, zum Sightseeing werden wir nicht kommen. Die exostischsten Geschäfte bilden endlose wunderschöne Gassen, zahllose Kanäle gaukeln dennoch Weite vor, gemütliche Cafes versüßen ohnehin zuckersüße Stunden und freundliche, hilfsbereite Menschen bevölkern das Ganze mit lockerem, leichtem Leben. Selten hat mich eine Stadt so fasziniert, so in ihren Bann gezogen, so schnell so mein Herz erfüllt, wie diese hier. Selten habe ich mich auf Anhieb so wohl gefühlt irgend wo, so kräftig und froh.

Nur die Coffee-Shops machen mir Angst. Mal sehen, wie lange noch.