Antwort & Gegenfrage: Ich fange & werfe Blogstöckchen.

Martin aus dem dunklen, dreckigen Reudnitz hat mir ein Blogstöckchen zugeworfen. Ich habe es tatsächlich gefangen, which made my day, denn in der Schule fing ich nie irgendwas. Wenn Du wissen willst, was genau ein Blogstöckchen ist, frag ihn. Martin fragt dann Captain Corleone, der fragt dann Micha, der fragt dann den anderen Martin und der fragt dann Laura, von der kommt das Ding ursprünglich. Du könntest natürlich auch André, Ulrike oder Marsha fragen. Oder eben direkt Laura, aber dann würdest viele sehr erschütternde Fragen und Antworten verpassen.

Wie zum Beispiel:

  1. Was war dein bisher blödester Nickname oder die blödeste E-Mail Adresse?

    Lord Berengar. (Du weißt schon: Das ist der Typ, der im Zuge eines durch den Blick ins leere Pflaumenmusglas ausgelösten Wutanfalls den Todesplaneten aus Star Wars auf den Turm von Mordor hat krachen lassen. Neinnein, der sah nicht immer wie ein riesiger in der Erde steckender Lolli aus.) Mit Hilfe dieses Anagramm-Generators lassen sich halbautomatisch auch aus den langweiligsten bürgerlichen Namen sehr viele sehr dämliche Nicknames für den Heimgebrauch generieren. In meinem Fall beispielsweise auch: Arger Blonder. Aber du hast nach dem allerblödesten gefragt.

  2. Welches ist das für dich beste Album aller Zeiten?

    „Walking Wounded“ von Everything but the Girl, mit ausdrücklicher Ausnahme von Track 4. Hormonell ist das schnell begründet: Als diese Platte rauskam, war ich zum ersten Mal verliebt. Unglücklich, natürlich. Auch nach 17 Jahren ist die letzte Spur Bittersüße noch nicht aus diesen Songs gelutscht. Was mich zur musikalischen Begründung bringt, denn ja: Die Platte ist aus dem Jahr 1996. Und ich finde, das hört man ihr immer noch nicht an. Die Einsamkeit in Tracey Thorns Stimme ist wohl leider zeitlos und Ben Watts Gespür für Beats und Samples ist: Leider geil.Vielmehr bedeutet mir im Moment aber „Aschenbecher“ von NMZS & Danger Dan. War zwar nicht die Frage, aber noch nie, nie, nie hat mich deutscher Rap so berührt.

  3. Was hast du zuletzt gegessen? Preise es wie in einem Sternerestaurant an.

    Zu den Gästen: „Wenn ich den Herrschaften etwas empfehlen dürfte? Unser Küchenchef kredenzt heute das köstliche Mark sonnengereifter mexikanischer Avocados unter einer herzhaften Würzkruste von edlen Salzen und frischen Kräutern aus den unberührten Höhen des Himalayas, gebettet auf feinstem handgeformten Sauerteig-Biskuit in einem Mantel kross gerösteter brandenburgischer Saaten. Zweimal, die Herrschaften? Sehr gerne!“

    Zum Koch: „Hier, Rudi, mach mal bitte noch zwei von den Körnerbrötchen mit uffjeschmierter Avocado und Kräutersalz! Watt wees denn ick, warum die da druff so abjehn, Mann!“

  4. Wenn du Reudnitz hörst, denkst du …

    … an diesen Geruch. Diesen Brauerei-Geruch. Ist das die Maische? Ist das das Malz? Wahrscheinlich. Es riecht ein bisschen wie Karamalz als Duftzerstäuber. Und ich liebe das. Selten riecht es auch nach Beck’s. Also ein bisschen wie ein Löwenkäfig, der lange nicht ausgemistet wurde. Ich glaube das ist dann der Hopfen oder so. Dann bin ich immer froh, nicht in Reudnitz zu wohnen.

  5. Warum liegt hier eigentlich Stroh?

    Das ist doch ganz einfach: Weil ich mit meinen riesigen Genitalien fett Kohle scheffeln will, jedoch nicht möchte, dass meine Kollegen davon Kenntnis erlangen. Also nicht MEINE Kollegen, also nicht ICH. Ach, sieh selbst.

  6. Was ist dein Lieblingsort in Leipzig?

    Ich bin ja ein großer Freund von Nicht-Orten, also von Orten, die man dort, wo sie sind nicht vermutet, weil sie da irgendwie nicht hinpassen. In Leipzig ist das für mich eindeutig der Auwald. Ich finde es immer wieder irre, wie klar sich dieses Biotop vom Rest der Stadt abgrenzt, obwohl es mitten drin liegt. Mein Lieblingsort in Leipzig ist der Ort im Auwald, an dem die Bäume merkwürdigerweise nicht nach oben sondern schräg aufeinander zu wachsen und mit etwas Wohlwollen eine Art Dom erkennen lassen. Der ist ungefähr hier. Normalerweise fotografiere ich ja alles, was ich merkwürdig finde, aber dort fotografiere ich nicht, weil es ein magischer Ort ist. Warum machen die das, die Bäume?

  7. Was findet man bei dir immer im Kühlschrank?

    Vom obligatorische Avocado-Vorrat abgesehen? Den Hafer-Soja-Drink von Rewe Bio. Ich bin was schmecken angeht ja ein Grobmotoriker, aber mein Lieblingsmensch behauptet, dies sei die einzige genießbare Pflanzenmilch. Da ich keine schlechte Stimmung wegen durch ungenießbare Pflanzenmilch ungenießbar gewordenen Kaffees riskieren will, gehen meine Vorräte davon nie zur Neige.

  8. Hast du noch ein Zeitschriftenabo? Wenn ja, welches?

    Ich hatte lange die Zeit abonniert, wollte mir diese Demütigung aber irgendwann nicht mehr bieten lassen. Ich möchte die Augen nicht vor meinen Unzulänglichkeiten verschließen, aber jede Woche eine neue 150-seitige Ausgabe zugeschickt bekommen, obwohl gerade mal die Hälfte der interessanten Artikel der Ausgabe der Vorwoche gelesen ist, grenzt an Selbstkasteiung. Ich würde sehr gern den Freitag finanziell unterstützen, weil ich den wegen der starken Einbindung der Community einzig- und großartig finde (und der ja auch sehr viel dünner wäre). Aber ich will keine Zeitung auf Papier. Und ein Online-Abo gibt es nicht.

  9. Ab wann machst du Pläne für Silvester?

    Ein Freund von mir hat eine Dachterassenwohnung mitten im Stadtzentrum. Bisher war ich immer sehr froh, dass er die Pläne für Silvester gemacht hat.

  10. Welchen Film sollte ich mir unbedingt einmal ansehen und warum?

    Magnolia. Weil der auch schon 14 Jahre alt ist hier die Kurzzusammenfassung: Man sieht Menschen drei Stunden lang beim Leiden zu, Aimee Mann trällert ein paar Songs und dann regnet es Frösche. Im Ernst: Als ich den Film im letzten Jahr nach langem mal wieder sah, fiel mir auf: In jeder Szene weint jemand. Aber es wird auch über die großen Dinge des Lebens nachgedacht: Liebe und Angst. Und es wird über die Zufälle nachgedacht, die keine sein können, weil sie so viel auslösen. Und über Vergebung. Seitdem ich Magnolia gesehen habe, habe ich eine Vorstellung davon was Filme leisten können. Seitdem mag ich Filme.

So. Herr Birkhölzer? Herr Himpenmacher? Miss Leelah im viel zu fernen Weitweg? Sind sie bereit?

Ich hätte da ein paar Fragen:

  1. Wenn alle Lieblingsmenschen freudig mitkämen: Wo willst du leben?
  2. Wenn man dir unter der Bedingung, dass er sich von den restlichen 7 grundlegend Unterscheiden müsste eine 8. Wochentag schenkte: Was würdest du damit machen?
  3. Bezüglich welcher Situation hast du erst neulich wieder gedacht: Mist, dass einem so eine Voll-auf-die-12-Formulierung immer erst hinterher einfällt?
  4. Wer ist deiner Meinung nach inakzeptabel unterschätzt?
  5. Und wer wird hoffnungslos überbewertet?
  6. Was war in echt viel einfacher als du dachtest?
  7. Und was viel schwerer?
  8. Hast du nach dem Bekanntwerden der Geheimdienst-Überwachung irgendetwas an deinem Online-Verhalten geändert? Hältst du das durch?
  9. Linux, Windows oder Mac Os? Und warum?
  10. Mal ehrlich: Wie zum Teufel merkst du dir, wo rechts und links ist?

Ich liebe Blogstöckchen. Update: Und Ali auch. Warum sonst hätte er innerhalb von zwei Stunden geantwortet?

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