10 Sätze über das Ausspähen unter Freunden

„Das Ausspähen unter Freunden, das geht gar nicht.“, sprach Angela Merkel vorgestern am Rande eines EU-Gipfels in die Mikrofone der Reporter, um ihrer Entrüstung über das Anzapfen eines ihrer Telefone durch den amerikanischen Geheimdienst Ausdruck zu verleihen. Erst, als ich dieses Zitat im O-Ton gehört habe, war ich bereit zu glauben, dass dies tatsächlich die Wortwahl der Kanzlerin war.

Wenn man diesem Satz noch ein „…, Alter!“ hintanstellt, stürzt er schlagartig auf Schulhof-Niveau, weshalb ich anrege zu fragen, ob er vorher wirklich auf dem Sprachelevel der „großen Politik“ war. Ich habe nichts gegen einfache Sprache – vielleicht sollte das volksnah sein oder wenigstens salopp – aber mich stört, dass es nicht stimmt: Natürlich geht das Ausspähen unter Freunden, technisch und praktisch. Es ist lediglich nicht erlaubt im Sinne von gesellschaftlich akzeptiert, aber wie wir sehen ist es politisch sogar geduldet, zumindest noch.

Freunde sind einzelne Menschen, die einander vertrauen und Dinge füreinander tun, damit es dem anderen gut geht, auch, wenn sie selbst davon möglicherweise gar nichts haben. Verbündete hingegen sind Parteien, die in bestimmten Bereichen gleiche Ziele verfolgen, für deren Wahrung sie sich gemeinsam einsetzen. Nicht selten sind diese Bündnisse in Verträgen geregelt, weil man sich im Politischen auf das Vertrauen allein weder verlassen will noch sollte.

Selbstlosigkeit wie in Freundschaften gibt es in der Politik nicht, das weiß Angela Merkel besser, als sie mit dieser Formulierung zugeben will. Und wir wissen das auch.

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