Lebwohl Whatsapp, hallo Threema!

Vielleicht bin ich altmodisch, aber: Wenn ich Nachrichten an meine Freunde versende, sollen sie meine Freunde erreichen und sonst niemanden. Whatsapp ist in meinem Umfeld zum Standardkanal für Zwischendurch-Kommunikation geworden. Aber ich rufe zum Boykott auf und mache ab sofort nicht mehr mit.

In meiner Kindheit in der DDR landeten manche Briefe seltsam wellig in unserem Briefkasten, ganz so, als seien sie unterwegs in den Regen gekommen. Als ich nach der Wende im Stasimuseum einer Vorrichtung gegenüber stand, mithilfe derer der DDR-Geheimdienst verdächtige Umschläge mit Wasserdampf geöffnet hat, um deren Inhalt vor der Zustellung zu inspizieren, standen mir die Haare zu Berge.

Whatsapp schert sich einen Dreck um die Sicherheit seiner Nutzerdaten. Anfangs verschickte die App Nachrichten im Klartext, so dass jeder, der die Bedienung eines Computers im gleichen WLAN beherrschte, sie mühelos mitlesen konnte. Später wurden bekannte Sicherheitslücken, die die Änderung der Statusmeldungen fremder Accounts oder gar deren komplette Übernahme ermöglichten, wochenlang ignoriert. Und noch heute werden die Adressbücher der Nutzer komplett auf amerikanische Server übertragen. Zudem halten es die Entwickler nicht für nötig, auf Presseanfragen zu reagieren. Das alles kann man z.Bsp. bei heise nachlesen.

Ich bin nicht bereit, das zu länger hinzunehmen. Obwohl ich skeptisch gegenüber Folklore bin, leuchtet mir Sinn und Zweck des grundgesetzlich verankerten Briefgeheimnisses durchaus ein. Prism und Tempora haben mir – und ich kann dir das leider nicht ersparen: auch DIR ganz persönlich – die Privatsphäre in der elektronischen Kommunikation genommen. Und es liegt an uns, sie zurück zu erobern. Ein ziemlich fetter Batzen davon kostet nur 1,79 €. Mir kommt das wie ein Deal vor.

Threema kann fast alles genauso gut wie Whatsapp. Aber manches sehr viel besser: Alle Nachrichten, die Threema verschickt sind Ende-zu-Ende verschlüsselt. Das bedeutet: Nicht einmal der Betreiber des Dienstes kann sie mitlesen, und nein auch nicht nach einer freundlichen oder weniger freundlichen Anfrage „der Behörden“. Nachrichten erreichen ihre Empfänger und sonst niemanden. Die App ist hübsch, einfach zu bedienen, kommt aus dem gleichen Land wie meine Lieblings-Kräuterbonbons und steht für iOs und Android zur Verfügung.

Und dass doch aber ALLE bei Whatsapp sind und gar NIEMAND bei Threema stimmt nur, solange du nicht wechselst.

Meine Threema-ID: MVWKU4S6

12 Gedanken zu „Lebwohl Whatsapp, hallo Threema!“

  1. Da bin ich ganz bei dir. Leider gibt es Threema bisher nicht für alle Platformen, sondern nur für die 2 Betriebsysteme des Mainstream (90%). Whatsapp gibt es für mindesten 3-5 weiteren OSe. Und ja, ich finde diese Randgruppen-Systeme wichtig.

  2. Ich finde Randgruppen OSe auch wichtig. Derzeit bin ich selbst auf Windwos Phone und muss was Threema angeht in die Röhre kucken. Aber: Whatsapp war auch nicht über Nacht auf allen Plattformen verfügbar. Je verbreiteter die App ist, umso wahrscheinlicher wird sie auch auf anderen OS verfügbar sein. Hoffe ich.

  3. Das sehe ich haargenauso. Offenbar sind immer noch zu viele Menschen der Meinung, dass sie nichts zu verbergen haben. Das ist schade. Aber nicht hoffnungslos.

  4. Ich denke es müsste mehr Firmen wie Threema geben um Druck auf andere Messenger-Anbieter aufzubauen damit ein umdenken stattfindet im Bezug auf Sicherheitsstandards.

  5. Messenger mit Ende zu Ende Verschlüsselung scheinen zur Zeit wie Pilze aus dem Boden zu spriessen :). Aus Deutschland gibt es nun auch eine Alternative, die sich aber noch im Beta-Status befindet http://www.whistle.im . Threema verwende ich erst seit wenigen Wochen. So richtig überzeugen lässt sich natürlich keiner. Jeder nutzt Whatsapp und ob nun irgendein Geheimdienst die Nachrichten mitliest, ist den meisten eh egal. Wie immer halt „Ich habe nichts zu verbergen“.

    Mir gefällt Threema sehr gut und ich hoffe die App wird auf weiteren Plattformen verfügbar gemacht um den Verbreitungsgrad zu erhöhen. Auf Tablets funktioniert Threema übrigens auch. Da für eine Verifizierung keine Telefonnummer nötig ist.

  6. Ich beobachte dieses Sprießen auch, allerdings eher mit Unmut. Ich bin sehr für Vielfalt, frage mich aber, ob es bei so vielen Anbietern nicht noch schwerer wird eine kritische Masse an Nutzern zu generieren. Und die ist ja zwingend nötig um die Menschen aus ihrer trügerischen Whatsapp-Lethargie zu reißen. Ich bleibe erst einmal bei Threema, finde whistle.im generell aber auch sehr interessant.

  7. Je eher in Sachen Sicherheit etwas sprießt, umso besser! Welcher verschlüsselnder Messenger sich am Ende durch setzt, das werden die Nutzer/Käufer entscheiden.
    Für mich war entscheidend, daß Threeme mir (als altmodischen Kerl) eine alternative Zahlungsmöglichkeit angeboten hat (click & buy) und mich von anfang an vor Werbung in der App verschont. In die App eingebaute Werbekanäle stellen sowieso ein weiteres Risiko für Android dar. Ich hoffe daher sehr, daß die Threeme App niemals Werbung eingebettet bekommt.

    Ich lehne seit jeher ebay und paypal ab. Deren Methoden gingen mir von Anfang an zu weit, also noch bevor das Web 2.0 aufgekommen ist. Und meine Befürchtungen von einst haben sich leider bewahrheitet. Es sind ja amerikanische Firmen, wie google auch. Wie hieß es vor fast 70 Jahren noch gleich? „Big Brother is watching you!“ Die Amis haben es damals schon ernst damit gemeint.
    Achja, und auch deswegen will ich keine Kreditkarte.

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