10 Sätze über „ein gewisses Unbehagen“ gegenüber der Adoption durch Homosexuelle

Nachdem das Bundesverfassungsgericht letzte Woche klargestellt hat, dass verpartnerte homosexuelle Paare verheirateten heterosexuellen Paaren steuerlich gleichgestellt werden müssen, gibt es nur noch ein Privileg, das  gemischtgeschlechtlichen Eheleuten vorbehalten bleibt: die Adoption von Kindern.

Der stellvertretende CDU-Vorsitzende Volker Bouffier sagte dazu gestern gegenüber dem Spiegel, dass ein eventuelles Adoptionsrecht ein viel schwierigeres Thema sei, als die steuerliche Gleichstellung; schließlich gehe es beim einen nur ums Geld, beim anderen aber (Sie ahnen es!) ums Kindeswohl. Nachdem er einräumte, dass selbstverständlich auch Homosexuelle Kinder liebevoll erziehen könnten, heißt es weiter:

Trotzdem fühlten viele Menschen, über alle Parteigrenzen hinweg, „ein gewisses Unbehagen“ in dieser Frage.

Obwohl sie schmallippig und hellgrau daherkommt, halte ich diese Wendung für eine der aufrichtigsten, aufschlussreichsten und entlarvendsten, die im Politikbetrieb der letzten Monate gesprochen wurde.

Ist „ein gewisses Unbehagen“ nicht die Art von Zweifel, die sich hartnäckig hält, obwohl alle rationalen Einwände entkräftet oder unaussprechlich geworden sind? Ist „ein gewisses Unbehagen“ nicht dieses klebrige Misstrauen, das man gegenüber Dingen hegt, die dem, was man gelernt und vorgelebt bekommen hat, grundsätzlich widersprechen, ohne dabei aber nachweislich schlechter zu sein? Muss man nicht nur den Dingen gegenüber von einem „gewissen Unbehagen“ sprechen, die einem missfallen, weil „man sie eben einfach nicht so macht“, weil sie einem also nun mal – naja – missfallen?

Dieses „gewisse Unbehagen“ ist in meinen Augen nichts anderes als die stinkende, unverdaute, halb verweste Schlacke von Vorurteilen, Aversionen und Angst gegenüber Homosexuellen, die sich durch Diskurse und Konfrontationen nicht abbauen ließ, die jedoch auszusprechen das gesellschaftliche Klima – und vielleicht auch die eigene Intelligenz – verbietet.

Sozialministerin Ursula von der Leyen konterte heute Morgen im Deutschlandfunk mit folgendem cleveren Satz: „Ich kenne keine Studie, die sagt, dass es Kindern, die in gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften aufwachsen, anders geht als Kindern, die in gemischtgeschlechtlichen Ehen aufwachsen.“

Gute Idee, finde ich: Schlacke weiter vor sich hin verwesen lassen und sich inzwischen an die Fakten halten.

4 Gedanken zu „10 Sätze über „ein gewisses Unbehagen“ gegenüber der Adoption durch Homosexuelle“

  1. „Eine Sicht, die unausweichlich mit jener neueren Ideologie kollidiert, derzufolge Frauen grundsätzlich nicht mit den destruktiven Seiten des Zivilisationsprozesses in Verbindung gebracht werden sollen. Also auch nicht mit der Entstehung von Homosexualität.“
    An diesem Punkt hab‘ ich aufgehört, den verlinkten Artikel weiterzulesen. Derartig antifeministischen, homophoben Mist im wissenschaftlichen Kostüm vermag ich nicht ernst zu nehmen.

    Im Übrigen: Guter Artikel, Ron!
    Mich würde interessieren, ob Du es für relevant hältst, ob ein Kind männliche* und weibliche* Bezugspersonen hat (müssen ja nicht die Eltern sein, aber zumindest Menschen im näheren Umfeld, zu denen das Kind ein Vertrauensverhältnis und eine gewisse Bindung aufbauen kann)oder ob diese Kategorien in Deinen Augen hinfällig sind?

  2. @Minerva: Ich habe den verlinkten Artikel bis zu Ende gelesen und finde, das ist einen kleinen Applaus wert. Nicht oft ziehe ich mir derartig homophobe und ideoligsch-verbrämte Ergüsse von Personen rein, die mit dem Thema nichts verbindet, als ihr laues wissenschaftliches Interesse. Ich kontere hiermit: http://kopfkompass.de/2013/03/warum-ich-nicht-will-dass-ihr-wisst-wie-homosexualitat-entsteht/ und hiermit: http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/39323/1/1

Kommentare sind geschlossen.