Strategische Konsumverweigerung gegen schlechte Arbeitsbedingungen?

Ich glaube an die Idee, dass jede Konsumentscheidung auch eine politische Entscheidung ist. Ich glaube daran, dass es einen Unterschied macht, ob ich argentinische Äpfel kaufe oder deutsche, ob ich Fairtrade-Kaffee trinke, oder den von Nestlé, ob meine T-Shirts von Trigema sind von Takko. Obwohl ich’s wirklich nicht übermäßig dicke habe, bin ich ein großer Freund des strategischem Konsums und deshalb auch bereit, mancherorts mehr zu bezahlen, als ich anderswo müsste.

Es nervt mich sehr, wenn Menschen abstreiten, dass sie auch wählen, wann immer sie etwas kaufen. Es nervt mich, wenn versucht wird zu leugnen, dass Geld ausgeben auch mit Verantwortung zu tun hat, und zwar nicht nur für sich selbst.

Allmählich aber wird’s bisschen eng, denn wo immer ein Blick hinter die Kulissen gelingt (bei H&M, Apple, Sony, Rewe, Lidl und heute eben bei Amazon) möchte man im Strahl kotzen.

Ja, ich finde, der Verbraucher trägt Verantwortung für das, was er konsumiert.
Aber nein, niemand möchte, dass seine Pakete von Arbeitern eingepackt werden, die zwischen zwei Schichten nur vier Stunden im 6-Personen-Bungalow schlafen konnten, weil die Busse vom und zum Logistikzentrum so selten fahren. Kein vernünftiger Mensch will, dass diese Arbeiter von einer Parallelwelt-Pseudo-Polizei in Thor-Steiner-Pullis tyrannisiert werden.

Ich akzeptiere nicht, dass Amazon davon nichts gewusst haben will, sodass es jetzt nötig ist, die Vorwürfe zu prüfen. Und ich lasse auch nicht gelten, dass nicht Amazon sondern die Personalvermittlung Trenkwalder für die Unterbringung der Arbeiter verantwortlich sei.

Schon klar: Es geht nicht um Menschen, es geht um Profit. Der Kapitalismus ist so und: „Wie naiv muss man sein das nicht zu begreifen?“

Ich begreife das, aber wann immer möglich weigere ich mich, das zu akzeptieren.
Schon bald werde ich ein reicher Mann sein.