Bildkritik: Über die Vorstellungen von Erfolg

Weil sie mit einem ausgeklügelten Schneeballsystem Tausende Anleger um ihr Geld gebracht haben sollen, sitzen die Gründer der Frankfurter S&K Gruppe, Stephan Schäfer und Jonas Köller seit letztem Dienstag in Untersuchungshaft. Der Fall an sich interessiert mich nicht besonders, aber ein offenbar privates Foto, das dazu auf welt.de veröffentlicht wurde, geht mir nicht mehr aus dem Kopf.

Stephan Schäfer zeigt auf mich im elegant geschnittenen schwarzen Anzug vor einer blassgelben Neubauvilla posierend, flankiert von jungen Frauen in dunkler Unterwäsche, von denen sich fünf in zwei blitzblanken Sportwagen räkeln, zwei weitere Laufsteg-Posen vorführen und sich eine achte mit einer Flasche Champagner den Oberschenkel kühlt.

Ich verstehe, was ich sehe, aber ich bin ratlos.

Wie muss frau drauf sein, um sich an einem lauwarm-trüben Sommertag in Unterwäsche zwischen sieben normgekörperten Konkurrentinnen in die gepflasterte Einfahrt eines Spießer-Eigenheims zu stellen, und hinter einem schmierigen Finanzfuzzi sexy das high-beheelte Bein anzuwinkeln? „Wie viel kostet Deine Würde, Deine Oberbekleidung und der Wunsch, nicht als Objekt wahrgenommen zu werden und wie viel Rabatt bekomme ich, wenn ich Dir das alles im Paket abkaufe?“

Wie muss mann drauf sein, um ernsthaft zu glauben, Autos, Villen und Hostessen würden Deinen Status aufwerten? Und wie kann Smartness – denn, dass der Mann Erfolg hatte, lässt sich ja leider nicht bestreiten – und fremdschamauslösendes Primatengebaren so eng beieinander liegen?

Was lief schief bei der Entwicklung des Selbstwertgefühles aller Beteiligten?

Wie konnte der Fotograf seine Fassung bewahren, als er den Auftrag erhielt, alle Klischees, die über erfolgreiche Männer, vom Erfolg angezogenen Frauen und den Erfolg als solchen kursieren, in einem einzigen Foto unterzubringen?

Und haben wir es überhaupt mit Klischees zu tun oder vielleicht doch – was mich sehr gruseln würde – mit den tief verankerten, notdürftig kaschierten Idealvorstellungen zu vieler?

Ein Gedanke zu „Bildkritik: Über die Vorstellungen von Erfolg“

  1. nun, in dem fall würde ich mal auf dieses bild verweisen: http://www.handelsblatt.com/images/s_and_k_26_08_2013_6/7843802/3-format3.png
    das finde ich noch viel entlarvender. denkt man diese beiden bilder zusammen, dann sind nahezu alle angeblichen erfolgssymbole hegemonialer männlichkeit drin: frauen, geld, normierte körper, protz, prunk und hedonismus. und macht. und was den fotografen angeht: ich glaube nicht, dass der außerhalb dieses wertesystems steht. im gegenteil. das ist ja gerade das perfide an diesen normen – sie wirken unhinterfragt und scheinen immer gültig zu sein…

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