Die Kindle-LeiDbücherei

Ich finde, dass es viele gute Gründe für die Anschaffung eines Kindle gibt. Die Amazon Leihbücherei zählt allerdings nicht dazu. Die ist nämlich ein Witz.

Das merkt man allerdings nicht sofort. Zunächst ist man nämlich sehr zuversichtlich, dass man unter den gut 10.000 verfügbaren Titeln genug Spannendes finden wird. Wird man aber nicht. Hier sind die Top-3-Gründe:

1. Die Bibliothek steht nur auf dem Kindle selbst zur Verfügung. Ein Stöbern auf dem PC mit Maus und Farbbildschirm ist also nicht möglich. Und so perfekt der 6-Zoll-Bildschirm des Paperwhite auch zum Lesen geeignet sein mag, zum Stöbern eignet er sich nicht. Ich jedenfalls bin nicht geduldig genug, mich in 6er Schritten durch mehr als 10.000 Titel zu blättern.

2. Die Bibliothek ist voller Trash. Der größte Vorteil von Ebooks eskaliert hier wie in der Geschichte vom süßen Brei. Jeder kann Ebooks veröffentlichen und auf Amazon verkaufen, und wenn man sich so durch die Bibliothek blättert, hat man den Eindruck, dass das eben auch jeder macht. Soziologisch ist das interessant. Die eine Hälfte der Hobbyautoren fühlt sich derzeit offenbar ermutigt, im Windschatten von Shades of Grey eigene erotische Fantasien niederzuschreiben. Dabei entstehen so spannende Titel wie: „Vom Prinzen gezähmt“, „Feuchtes Verlangen“ oder „Liebesfee im Weihnachtsrausch“. Selbst wenn es sich dabei um die letzten Texte dieser Erde handeln würde: Ich möchte das nicht lesen. Die andere Hälfte der Freizeit-Tipper übt sich als Tolkien-Verschnitt und versucht uns mit immer neuen, gern mehrteiligen Fantasy-Sagas für den ultimativen Kampf gegen das Böse zu wappnen. Die Abenteuer von Mittland, die Sumpfloch-Saga und die Winterwelt-Trilogie können aber leider unmöglich gut ausgehen, wie schon die (Danke, Amazon!) kostenlose Leseprobe unmissverständlich klar macht.

3. Die Bibliothek ist schlecht sortiert. Es gibt zwar 22 Kategorien, durch die man sich blättern kann, aber viele Titel tauchen in mehreren Kategorien auf und wenn eine Kategorie wie zum Beispiel „Belletristik“ mehr als 3.800 Bücher enthält, ist ihr Beitrag zur Übersichtlichkeit eher mittel, finde ich. Die Bibliothek selbst semantisch zu durchsuchen ist gar nicht möglich. Die Ergebnisse enthalten immer auch alle nur zum Kauf zur Verfügung stehenden Bücher. Aber filtern kann man. Nach Erscheinungsdatum und Kundenbewertung. Ich habe einen komischen Geschmack. Mir hilft das nicht.

Und doch ist mir das scheinbar Unmögliche gelungen: Ich habe ein Buch ausgeliehen, bis zu Ende gelesen und tatsächlich gemocht: „Herr K. und der Schnee“ von Miron Neghabian. Ein unterhaltsames, kluges und zuweilen erfrischend deutlich formuliertes Pamphlet über die Suche nach dem Sinn und das Finden der Liebe über den Umweg der Lächerlichkeit. Scheitern und trotzdem gewinnen, genau mein Ding also.

Herr Neghabian hat zwei weitere Romane veröffentlicht, die ich sehr wahrscheinlich auch Lesen werde. Nicht, weil ich ihn so großartig finde. Sondern ein bisschen aus Verzweiflung. Was nicht die schlechteste Voraussetzung für seine Bücher zu sein scheint.

2 Gedanken zu „Die Kindle-LeiDbücherei“

  1. Hallo,

    ich erlaube mir, in die­sem Zusam­men­hang auf meine Web­site http://kindle-neuerscheinungen.de zu ver­wei­sen, auf der die Neu­er­schei­nun­gen für kindle nach Preis­klas­sen, Aus­leih­bar­keit und Gra­tis­books geglie­dert sind. Auf Wunsch ver­linke ich von dort gerne auch auf diesen Artikel (Mail genügt).

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