My boyfriend went vegan – und hat sich in eine brutale Sexmaschine verwandelt

Einmal mehr greift PeTA mit beiden Händen ellenbogentief in die Jauchegrube des Sexismus, um mit beeindruckender Treffsicherheit neben dem stinkensten Klumpen heterosexueller Normativität diesmal auch einen widerwärtigen Batzen sexueller Gewalt zu Tage zu fördern. Keine besonders objektive Anmoderation, das sehe ich ein, aber nachdem folgender Clip seit 14. Februar bald 3 Millionen mal gesehen wurde – und damit zweifellos zu einem Renner im Netz geworden ist – seien mir drastische einführende Widerworte gestattet.

Weil ich aber einsehe, dass das Schimpfen auf meinem Blog allein wenig bewegen wird, habe ich mich per E-Mail mit PeTA in Verbindung gesetzt und mitgeteilt, dass ich als Fördermitglied des Vereines nicht bereit bin, „dieses Maß an Sexismus, Zementierung überkommener Rollenklischees und Verharmlosung sexueller Gewalt länger mitzutragen oder gar zu finanzieren.“

PeTAs Antwort kam binnen weniger Stunden in Form eines sicherlich tausendfach versandten, daher aber nicht minder lesenswerten Textbausteines.

 „Vielen Dank für Ihre Kontaktaufnahme, die das Video „My boyfriend went vegan“ betrifft. PETA hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Aufmerksamkeit der Menschen auf das Leiden der Tiere zu richten, und wir tun dies auf vielfältige Weise, unter anderem durch Öffentlichkeitsarbeit, verdeckte Ermittlungen, provokative Anzeigen und Videos. Wir nutzen alle Möglichkeiten, Millionen von Menschen mit starken Botschaften zu erreichen, und wir nehmen oft einen humorvollen Ansatz zur Aufklärung der Menschen über ernste Themen. Die Menschen zum Lachen zu bringen ist eine großartige Möglichkeit, sie zu öffnen, um sie an weitere, weitaus schlimmere Informationen heranzuführen. Die Situation für Milliarden von Tieren ist unglaublich schrecklich. Sie leiden jeden Tag in der Intensivtierhaltung und in Schlachthöfen. Unser Ziel ist es, die Öffentlichkeit zu informieren und zu sensibilisieren. Manchmal erfordert dies die Demonstrationen mit nackten Körpern oder andere Kampagnen, die manche Menschen als empörend empfinden. Wir begrüßen die Diskussion über – und auch Kritik an unseren-– Anzeigen und Kampagnen, weil wir wissen, dass es der erste Schritt zu mehr Sensibilisierung ist und die Leute darüber reden.

Das neue PETA-Video deckt ein wohl gehütetes Geheimnis veganer Männer auf: Nach der Umstellung auf die pflanzenbasierte Ernährung berichten viele Männer über mehr Energie und Ausdauer im Schlafzimmer. Das ist zurückzuführen auf weniger gesättigte Fettsäuren und kein Cholesterin in der Nahrung, die ihre Arterien blockieren würden. Vegan zu leben bedeutet, dass das Blut frei fließen kann, und zwar in alle Organe.

Es gibt eine Vielzahl junger Männer, die vegan werden, und PETA wollte den Valentinstag nutzen, um junge Frauen dazu aufzufordern, auf sich zu achten! Die erhöhte sexuelle Ausdauer ihres Liebsten kann einige unerwartete Nebenwirkungen für den Partner aufweisen, der noch nicht den ganzen Weg hin zur veganen Ernährung beschritten hat. Die beste Lösung wäre, sich selbst auch vegan zu ernähren, um für sich selbst und den Partner eine bessere Gesundheit und Ausdauer zu erreichen.

Die Menschen können im Spot sehen, dass die Frau immer noch lächelt bei dem Gedanken an das Toben mit ihrem Freund. Sie hatten unglaublichen Sex! Sie genoss seine Energie sehr und ging los, um ihm noch mehr Gemüse zu kaufen. Es ist ein humorvoller Spot für Männer und Frauen.

Wir haben festgestellt, was auch Ihre Nachricht bestätigt, dass Menschen solchen kontrovers diskutierten Aktionen mehr Aufmerksamkeit schenken. Schaut man sich die Anzahl von Menschen an, die dieses Video sehen und darüber nachdenken, zeigt sich schnell, dass diese Taktik funktioniert und mehr Menschen als je zuvor dazulernen und beginnen, sich für eine vegane Lebensweise zu interessieren. Werbung, Plakate, Printanzeigen, TV- und Radio-Sendezeit kosten Millionen Euro, doch durch die kreative Arbeit von PETA soll der Tierrechtsgedanke in die Öffentlichkeit gebracht werden. Mit unserer Website und diversen Videos erreichen wir viele Menschen, ohne dass wir Unmengen an Geld für traditionelle Werbezwecke ausgeben.

Nochmals vielen Dank für das Schreiben und dass Sie uns Ihre Meinung mitgeteilt haben.“

Freilich ist jeder eingeladen, sich seine eigenen Gedanken zu diesen Zeilen zu machen, und sich beispielsweise zu fragen, ob er an PeTAs Maßstäben gemessen, jemals mit seinem Partner „getobt“ oder dessen Energie wirklich „genossen“ hat. Weil dies hier aber mein Blog ist, erlaube ich mir im Folgenden meine Antwort an PeTA zu veröffentlichen:

„Ich verstehe, dass es für PeTA wichtig ist, mit minimalem Einsatz maximale Aufmerksamkeit zu erzielen. Dies ist durch die Inszenierung von rauem Sex sehr leicht möglich, insbesondere wenn die Kampagne heterosexuelle junge Männer ansprechen soll, zu deren Kernkompetenzen das Mitgefühl mit geschundenen Tieren augenscheinlich nicht gehört – denn andernfalls wären sie ja bereits vegan. Trotzdem ist und bleibt fraglich, welchen Preis man für diese Aufmerksamkeit zu zahlen bereit ist.

Ich persönlich kenne ein gutes Dutzend Menschen, die sehr gern Mitglied einer Organisation wären, welche sich politisch und medial für die Verbreitung von Veganismus engagiert. Keine dieser Personen findet sich jedoch in Ihrem Vereinsregister und bei ausnahmslos allen liegt dies in den sexistischen Kampagnen der letzten Jahre begründet. Sie sehen darin Klischees bedient und gefestigt, die von vielen Menschen als einengend, überkommen und vor allem leidvoll empfunden werden. In der „My boyfriend went vegan“-Kampagne wird beispielsweise propagiert, dass es Frauen mögen, während des Liebespieles so fest mit dem Kopf gegen die Wand geschlagen zu werden, dass sie anschließend eine Halskrause benötigen und dass sie es sehr schätzen so hart penetriert zu werden, dass sie anderntags nicht mehr richtig laufen können. Männer hingegen werden als allzeit bereite nimmersatte Sexmaschinen dargestellt, für die „gut im Bett“ „hart im Bett“ zu bedeuten hat. Ich halte beides für falsch.

Für mich selbst und viele meiner Freunde entspringt die Entscheidung für einen veganen Lebensstil einem sehr grundsätzlichen Mitgefühl. Mit Tieren, mit Hungernden und – Achtung: Pathos! – mit unserem Planeten als Ganzes. Für die allermeisten von uns ist ein queeres Weltbild nur eine weitere Ausprägung eben dieses Mitgefühls. Jeder soll in seinem Lebensentwurf, in seiner Weltsicht und selbstverständlich in seiner sexuellen Identität angenommen und willkommen sein, solange er damit niemandem schadet. Um aber eine eigene sexuelle Identität überhaupt entwickeln zu können braucht es Raum. Genau dieser ist durch den auf allen Kanälen überbordenden Sexismus, mit dem mittlerweile ja alles zu verkaufen ist, zunehmend gefährdet. Viele meiner Freunde sehen sich mittlerweile gezwungen, nicht nur in ihrer Freizeit sondern auch in ihrem Berufsleben dagegen aufzustehen. Der Einsatz für Veganismus und das Engagement gegen Sexismus sind für sie zwei Seiten desselben Manifests. PeTA können sie deshalb nicht unterstützen.

Denn aus dieser Sicht ist es schwer nachzuvollziehen, warum PeTA einerseits dafür eintritt, den Blick auf Tiere und ihre Rechte zu verändern, andererseits dafür aber ausgerechnet auf den ausgelatschten Pfaden der sexuellen Objektivierung wandelt.

Zumal es an Alternativen nicht mangelt. Wie Sie selber sicherlich besser wissen als ich, hat beispielsweise auch ihre provokante und streitbare Holocaust-Kampagne ein enormes Maß an Aufmerksamkeit erzielt. Eine weitere, sehr effektive Möglichkeit ist freilich auch der Humor, der ja nicht zwangsläufig sexistisch aufgeladen sein muss. Ebenso könnte es funktionieren Veganismus als cool, lecker, intelligent, liebevoll oder einfach gesund darzustellen, was ja – im Gegensatz zur aphrodisierenden Wirkung desselben – auch tatsächlich zutrifft.“

Sollte ich hierzu eine weitere Antwort von PeTA erhalten, werde ich sie selbstverständlich ergänzen.

Ich bin immer noch Mitglied bei PeTA und ich werde es zunächst auch bleiben. Bevor ich nämlich austrete finde ich, dass es einen Versuch wert ist, stärker innerhalb der Organisation mitzumischen. Ich werde berichten.

 

15 Gedanken zu „My boyfriend went vegan – und hat sich in eine brutale Sexmaschine verwandelt“

  1. Ein Kommentar in eigener Sache: In einem Blogbeitrag, der sich auf meinen obenstehenden bezieht kritisiert die Autorin, dass ich einerseits PeTAs Sexismus kritisiere, andererseits aber die „Der Holocaust auf deinem Teller“-Kampagne offenbar okay finde.

    Ich möchte das gern erklären. Als ich die E-Mails an PeTA geschrieben habe, war mir noch nicht klar, dass ich sie später veröffentlichen würde. Deswegen war ich nicht so gründlich, wie ich es in meinem Blog normalerweise zu sein versuche. Es schien mir aber wenig redlich, die Mails nachträglich zu frisieren oder zu kürzen, daher stehen die Zeilen nun so da, wie ich sie in meiner Rage schrieb.

    Wir brauchen überhaupt nicht zu darüber zu diskutieren, dass die von heute aus als „Holocaust“ bezeichneten unvorstellbaren, unmenschlichen Grausamkeiten unerträglich verharmlost werden, sobald man mit sie mit irgendetwas zu vergleichen, zu erklären oder gar zu rechtfertigen versucht. Wie 2009 ja auch das Bundesverfassungsgericht entschieden hat, war es absolut inakzeptabel von PeTA, Fotos von gefolterten, ermordeten Häftlingen aus Konzentrationslagern Bildern aus Massenställen und Schlachthöfen gegenüberzustellen. Ich fand die Entscheidung richtig, weil eine Instrumentalisierung des Holocausts für mich wie gesagt immer auch eine Verharmlosung ist.

    Wahr ist aber auch, dass es ein Motiv eben dieser Kampagne war, das mein Leben nachhaltig verändert hat. Das Bild zeigte einen leeren Teller und unbenutztes Besteck auf einem Tisch. Darunter stand: „Auf deinem Teller ist jeden Tag Holocaust.“ Zuerst war ich maßlos schockiert und wütend über diesen Slogan. Als ich ihn aber (gerade deshalb) nicht mehr aus meinem Kopf bekam, habe ich intensiv darüber nachgedacht und mit Freunden darüber gesprochen. Mich führte dieser – deshalb nicht weniger empörende Slogan – zu den Kernfragen der Tierrechtsbewegung, mit denen ich mich bis dato nicht auseinandergesetzt hatte. Dürfen wir Tiere so behandeln, wie wir sie behandeln? Und wäre es okay, selbst so behandelt zu werden, wenn es eine Spezies auf diesem Planeten gäbe, der wir schmecken würden, und die das Zeug dazu hätte, uns zu unterjochen? Von hier aus weitergedacht landet man schließlich bei: Ist ein Menschenleben per se wertvoller als das Leben eines Tieres? Manch hartgesottener Tierrechtler traut sich zu, diese Frage zu beantworten. Ich tue es nicht. Auch nicht mit ja. Ich finde es eine gute Frage. Sie zweifelt an der Naturgegebenheit der Überlegenheit, die der Mensch gegenüber allen anderen Spezies empfindet und ausübt. Sie erhebt sich über den Speziesismus als Ganzes.
    So bin ich dankbar, die Gedanken gedacht zu haben, die die Kampagne letzten Endes in mir ausgelöst hat. Und genau diese Gedanken waren ihr Ziel. Das macht sie kein bisschen weniger problematisch, aber ein kleines bisschen nachvollziehbarer für mich.

  2. Zitat: „Ich persönlich kenne ein gutes Dutzend Menschen, die sehr gern Mitglied einer Organisation wären, welche sich politisch und medial für die Verbreitung von Veganismus engagiert. Keine dieser Personen findet sich jedoch in Ihrem Vereinsregister und bei ausnahmslos allen liegt dies in den sexistischen Kampagnen der letzten Jahre begründet. Sie sehen darin Klischees bedient und gefestigt, die von vielen Menschen als einengend, überkommen und vor allem leidvoll empfunden werden.“

    Spricht es nicht eher für eine Organisation, wenn sie nicht so arbeitet, dass sie möglichst viele wohlwollende Spender zusammenbekommt, sondern eben so, dass sie bei der Zielgruppe (Fleischesser, Unaufgeklärte, Chauvinisten…) möglichst viel Aufmerksamkeit erregt und so bestenfalls einen Denkanstoß liefert? Vielleicht betrachtet der Autor die Sache etwas zu egozentrisch?!

  3. Ich verstehe nicht, was Sie mit egozentrisch meinen – in dem Artikel geht es ja nicht um mich. Er gehtvon mir aus, das stimmt natürlich. Und er spiegelt meine ganz persönliche Sichtweise auf die Dinge wieder. Aber wo soll ich denn hin, mit meiner Meinung, wenn nicht auf meinen persönlichen Blog? 😉

    Es gefällt mir gut, dass Peta aneckt und provoziert, manchmal auch verstört und schockiert. Und ich sehe ein, dass man mit „Esst weniger Tiere!“-Aufklebern in unserer Welt der knappen Aufmerksamkeit nicht viel erreichen kann. Aber ich lehne Sexismus ab. Ich erlebe jeden Tag, welchen ungeheuren Schaden Sexismus anrichtet – im Einzelnen aber auch in der Gesellschaft als Ganzes. Ich wünsche mir eine Welt, in der Menschen versuchen sich zu entfalten und sich nicht so passgenau wie möglich in ein Rollenklischee zu quetschen, in dem sie nicht atmen können. Diese Peta-Kampagne zementiert genau diese Klischees.

    Vielen Dank aber für Ihre Eindrücke. Und vor allem für den Link zu Ihrer Seite (www.patrik-b.com), die ich mit großem Interesse studiert habe.

  4. Ich kann Deinen Ärger über die sexistische(n) Kampagne(n) von PeTA nur teilen, obwohl auch ich erst nach längerer Auseinandersetzung mit der Frage, ob der gute Zweck die Mittel heiligt, zu diesem Standpunkt gekommen bin. Die Antwort liegt für mich in folgender, recht simplen Überlegung: Diskriminierung, Machtverhältnisse und Unterdrückungsmechanismen sind auf komplexe Weise miteinander verbunden und können nie singulär gedacht werden. Speziesismus steht für mich auf gleicher Stufe neben Rassismus, Sexismus, Homophobie usw. (ich bin eine dieser „hartgesottenen Tierrechtler“_innen, die die Frage des Wertigkeitsunterschieds zwischen Mensch und (anderem) Tier verneint). Ich für mich weiß sehr sicher, dass ich mir eine Welt wünsche, in der alle dieser strukturellen Unterdrückungs-, Diskriminierungs-, Ausgrenzungs- und Ausbeutungsmechanismen gleichermaßen überwunden sind. In der Freiheit und Befreiung eben kein Privileg mehr für bestimmte Gruppen ist, sondern ein so allumfassender Zustand wie möglich. Gerade weil ich glaube, dass all diese Mechanismen und Strukturen aber zusammenhängen und auch ihr Funktionieren Hand in Hand geht, denke ich, dass das Ziel einer befreiten Gesellschaft nicht dadurch erreicht wird, dass die Abschaffung der einen Diskriminierungsform mit der Reproduktion (und damit Festigung) einer anderen beworben wird. Emanzipatorisches Denken sieht anders aus, als diese PeTA-Kampagne, die – anders, als die angesprochene Holocaust-Kampagne – auch keinen neuen und emanzipatorischen Gedanken hinter einem problematischen Bild vermittelt. Ich sehe bei aller Problematik des Holocaust-Vergleichs nämlich ebenso wie Du die Botschaft der Gleichwertigkeit der Lebensformen. Ein solcher tiefergreifender Gedanke wird mit der hier diskutierten Kampagne überhaupt nicht vermittelt. Niemand wird Veganer_in, weil er* oder sie* endlich kapiert hat, dass Veganismus doch nicht leistungsschädigend wirkt und keine Mangelerscheinungen produziert. Wen nämlich nur noch dieses plumpe Vorurteil abhält, hat sich zuvor schon dafür entschieden, es aus Sinngründen eigentlich zu wollen und ist dann auch problemlos in der Lage, dieses Vorurteil durch einmal Google bedienen auszuräumen. Das geht (bei eingeschaltetem Werbeblocker) sogar ganz ohne hetero-normativen, gewaltverniedlichenden Sexismus…

  5. Ich kann deinen Standpunkt sehr gut nachvollziehen. Es ist – wie du schreibst – die alte Frage, ob der Zweck alle Mittel heiligt. Ich entscheide das von Fall zu Fall und habe es bei Peta zähneknirschend hingenommen – für mich. Denn – wie ich schreibe – sex sells eben immer noch. Was und derzeit ja FEMEN sehr plastisch vorführen, die mit blankem Busen gegen Chauvinismus kämpfen. Und mich ratlos zurück lassen. Was denkst du über diese Gruppe?

  6. Zu dieser Gruppe habe ich kürzlich einen Artikel bei Indymedia gelesen, den ich (teilweise etwas polemisch, aber) ganz gut argumentiert fand und sehe das ähnlich, wie die Autor_innen:
    http://de.indymedia.org/2013/02/341366.shtml

    Das mit dem sich-barbusig-gegen-Sexismus-stellen sehe ich zwiegespalten: Auf der einen Seite das bewusste (?) Sich-zum-Objekt-machen, was ich als sehr problematisch erlebe, weil es ja gerade eine Reproduktion dessen ist, was mensch anprangert und Reproduktion führt selten bis nie zum Aufbrechen alter Strukturen.

    Andererseits aber kann das Sich-nackt-zeigen auch gerade den Protest gegen das von Dir beschriebene Sex sells verstanden werden – vergleiche bspw den jährlichen „Slutwalk“, bei dem es gerade darum geht, zu zeigen, dass auch Frauen* tragen – oder eben NICHT tragen – können, was sie wollen, ohne es sich deshalb gefallen lassen zu müssen, als Objekte wahrgenommen zu werden. Wie viele Männer* ziehen auf einer Party oder beim Sport im öffentlichen Raum ihre T-Shirts aus, weil ihnen warm ist? Frauen* können das nicht…
    Sich „oben ohne“ zu präsentieren kann auch als Protest dagegen verstanden werden. Trotzdem sehe ich es in den allermeisten Kontexten als höchst problematisch.

    Aber FEMEN finde ich eher aus den in oben verlinktem Artikel beschriebenen Gründen schwierig, insbesondere, weil ich schon ihren „Zweck“ nicht teile (die Umkehrung der Machtverhältnisse statt ihrer kompletten Abschaffung) – von den „Mitteln“ gar nicht zu reden…

    Aber ich kann Deine Zerrissenheit bezüglich der Frage mit dem die Mittel heiligenden Zweck gut verstehen, mir geht es auch so, dass ich das im Einzelfall anders bewerte. Grundsätzlich glaube ich aber, dass es eher nicht zum Ziel führen kann, etwas, wogegen mensch sich stellt, selbst zu verwenden, weil sich ja auf Dauer so nie die Struktur ändern kann.

  7. „(…) Sexismus, Zementierung überkommener Rollenklischees und Verharmlosung sexueller Gewalt (…)“ und „(…) mit dem Kopf gegen die Wand geschlagen zu werden (…)“

    Der Spot ist vielleicht grenzwertig aber ich kann beide von dir benannte Kritikpunkte dort nicht entdecken. Ich denke, du reagierst über.

    Ach ja: Heterosexualität ist nichts unnormales. 🙂

  8. Peta hat schon in der Vergangenheit alles Mögliche versucht, um ins Gespräch und in die Medien zu kommen. Das Problem ist halt, dass die meisten Menschen sich nicht für die Lebensbedingungen von Tieren interessieren und man nur durch solche Aktionen Interesse für das Thema weckt. Ob das immer Sinn hat und richtig ist, ist eine andere Frage. Wenn Pamela Anderson sich gegen Pelzmäntel einsetzt und sich dafür nackt macht, kann man das auch hinterfragen. Man kann aber nicht abstreiten, dass es eine Menge Aufmerksamkeit für das Thema erzeugt und Leute sich dadurch auch die Videos der Pelztiere auf den Farmen ansehen, die sie sonst vielleicht nie gesehen hätten.

  9. Ich wünsche Ihnen viel Glück, Kraft, Ausdauer und Nerven wie Drahtseile beim Versuch, den Verein von innen heraus zu ändern. Die Antwort, die Ihnen von Peta zuteil wurde, zeigt Ihnen ja deutlich, womit sie es zu tun bekommen werden. Auf jeden Fall dürfen Sie sicher sein, dass Peta Menschen immer instrumentalisieren wird. Und da man das mit Frauen ja schon seit Jahrhunderten macht, bietet es sich an, weiterhin Frauen zu demütigen und zu instrumentalisieren, sie auf nackte Brüste und Hintern zu reduzieren. Hauptsache, den Tieren geht es gut.

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