be water my friend

Da ist so mein merkwürdiges Gefühl gewesen, das mich in den letzten Tagen begleitet hat. So ein Gefühl, eine Ahnung. Wie ein Gewitter, kurz vor seinem Entstehen. Wie eine Idee, Sekunden vor ihrer Geburt.

Nun, ich weiß jetzt, dass es wohl keine große Erkenntnis war, keine, die obigen Trommelwirbel rechtfertigen würde. Aber immerhin eine, die es mir wert ist sie niederzuschreiben, wenn auch nur, um sie später nachschlagen zu können:
Vor Jahren ist mir mal ein Ausspruch von Bruce Lee begegnet. Damals klang er schön. Ich habe ihn aufgeschrieben. Heute habe ich ihn wiedergefunden. Heute habe ich ihn verstanden:

„I said: empty your mind, be formless, be shapeless, like water. And you put water into a cup it becomes the cup. You put water into a bottle it becomes the bottle, you put it into a teapot it becomes the teapot. Now water can flow or it can crash. Be water my friend!“

Ich weiß nicht, wie plausibel das ist. Ich weiß nicht, wie deutlich für andere. Für mich hat das viel mit Tao zu tun. Mit Fließen-lassen. Mit Sich-hingeben. Damit, frei von Erwartungen und Ängsten aufs Leben zu zugehen. Aber wie das bei allen Dingen ist: Eine Erkenntnis wird nicht durch ihr bloßes Erfahren wertvoll, sondern erst durch ihr Erleben. Es genügt nicht, das höchste Wissen zu wissen, man muss es auch (und vor allem) fühlen.

Und was ich gerade fühle ist diese merkwüdige Flüchtigkeit. Ich weiß nicht, ob die mich auszeichnet oder ein kollektives Phänomen ist. Dieses Theoretisch-alles-sein-können. Dieses Eigentlich-nichts-sein. Zu wissen, dass es ich eigentlich nicht gibt. Weil es jeden Tag anders ist. Weil jeden Tag Vergangenheit verloren geht und die Zukunft dazu kommt. Weil ich so stark von meiner Umgebung abhänge. Weil ich anderswo jemand anders wäre. Vielleicht kann ich das morgen erklären.

Ein Gedanke zu „be water my friend“

  1. Ich freue mich (irgendwie), dass ich gerade DIESEN Artikel gefunden hab. Auch wenn der Artikel schon etwas älter ist, der Spruch und seine Aussage verliert nie an Wirkung. Wichtig finde ich, dass, gerade in der heutigen schnelllebigen Zeit, man ihn aber nicht fehlinterpretiert und aus „wie Wasser sein“ (oder auch „im Fluß bleiben“, japanisch: nagare) „Hast“ oder „unstet“ wird. Denn dies ist damit nicht gemeint. Sondern eher „Wandlungsfähigkeit“. Was auch nicht gleichzusetzen ist mit „Anpassungsfähigkeit“, zumindest nicht, um es anderen recht / gleich zu machen. Eher mit „seiner eigenen, nötigen Wandlung nicht im Wege stehen“.
    Herbert Grönemeyer hat dies auch einmal ganz gut in einer Textzeile ausgedrückt: Stillstand ist der Tod, geh voran, bleibt alles anders.

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