Coffee-Shopping

Es ist passiert heute. Natürlich ist es passiert heute. Wir waren in einem Coffee-Shop. Wir haben gekifft. Wir haben heute mal was verrücktes gemacht. Hey.

The Grashopper. Nettes Wortspiel. Gute Idee fürs Interieur. Dunkel, wie alle Coffee-Shops. Nur grüner. In einer dunklen Ecke eine Art Fahrkartenschalter. Mit Glastrennscheibe, einem Verkäufer dahinter und einem Münztablett. Joints der Hausmarke im 3er-Pack, 15 Euro. Gekauft.

Die ersten Züge beißen im Hals. Heiko, obwohl der Mal Raucher war, und mich erst recht. Aber Husten darf man nicht. Nicht in einem Coffee-Shop. Nicht bei dem Publikum. Husten im Coffee-Shop wäre wie Blähungen in der Oper.

Die ersten Züge fühlen sich an wie Schnaps. Es dreht ein wenig, tanzt auf der Grenze zwischen angenehmen und unangenehmen. Aber dieser Zustand hält nich lange an. Dieser Zustand wächst. Heiko erkennt das und hört auf. Ich erkenne das und mache weiter.

Ich kann das Blut in meinen Adern fließen fühlen. Überall. Ich kann fühlen, wie sich die Geschwindigkeit meiner Gedanken erhöht. Das meine Gedanken, weiter schießen als sonst, größere Kreise ziehen, tiefer werden. Ich verliere den Bezug zu meiner Körperlichkeit, treibe weg von der Außenwelt, treibe nach innen. Erst wird Sprechen anstrengend, dann zuhören. Ich habe das Gefühl zu schweben. Räumlich und geistig. Bin nirgends mehr. Bin niemand mehr. Bin nichts mehr. Nur glücklich. Nur ein Moment.

Aber dieser Zustand hält nicht lange an. Dieser Zustand kippt. Ich höre Heiko rufen, dass ich blass würde, dass meine Lippen völlig ohne Blut wären, dass ich wegtreten würde. Und ich glaube ihm, denn einen Augenblick später schwebe ich nicht mehr, sondern spüre mich fallen. Schnell. Schnell verlassen wir den Shop. Frische Luft wäre gut. Frische Luft bringe wieder Farbe ins Gesicht. Tut sie. Aber nicht schnell genug um die Kellnerin davon abzuhalten nach draußen zu rennen und sich zu versichern, dass ich keinen Arzt bräuchte. Ich war mir nicht sicher, tat aber so. (Die Blähungen in der Oper.)

Ein paar Minuten später spüre ich mich wieder. Ein wenig jedenfalls.

Die Zigarette liegt vor mir auf dem Tisch. Links von ihr der Aschenbecher. Rechts von ihr die schützende Hülle. Ich will schlafen.

Amsterdam

Kurzurlaub in Amsterdam. Drei Tage, weil wir drei Jahre zusammen sind. Eine gute Idee. Weil man über Amsterdam ja soviel gutes hört. Und weil sich Vorfreude ja so gut anfühlt. Besonders dann, wenn sie sich nicht in erster Linie auf ein besonderes Ereignis, sondern das Ausbleiben besonderer Ereignisse – dem Denken spezieller Gedanken nämlich – bezieht. So eine Reise lenkt ab. Auch die Vorfreude auf sie.

Eine weniger gute Idee ist es hingegen, diese Vorfreude mit anderen zu teilen. Das jedenfalls ist meine Erfahrung. Die erste Reaktion auf das Wort Amsterdam ist nämlich in der Regel das Wort Coffee-Shop. Und dieses Wort war wie ein Virus, der vom Mund meines Gegenüber in mein Ohr kletterte und sich dort einnistete, um von Zeit zu Zeit widerzuhallen. An jeder Ecke hier gibt es Coffee-Shops. An jeder einzelnen Ecke. Und ob man nun diesen Virus im Ohr hat oder nicht: Die erwachte Neugier nimmt den Kampf gegen die Vernunft auf. Und letztere hat nicht viel Rückenhalt: Kiffen ist legal hier. Der Geruch gehört zum Stadtbild. Weed rauchen zum guten Ton.

Ach ja, die Stadt. Diese Stadt! Unglaublich. Ich fürchte, zum Sightseeing werden wir nicht kommen. Die exostischsten Geschäfte bilden endlose wunderschöne Gassen, zahllose Kanäle gaukeln dennoch Weite vor, gemütliche Cafes versüßen ohnehin zuckersüße Stunden und freundliche, hilfsbereite Menschen bevölkern das Ganze mit lockerem, leichtem Leben. Selten hat mich eine Stadt so fasziniert, so in ihren Bann gezogen, so schnell so mein Herz erfüllt, wie diese hier. Selten habe ich mich auf Anhieb so wohl gefühlt irgend wo, so kräftig und froh.

Nur die Coffee-Shops machen mir Angst. Mal sehen, wie lange noch.