Eigentlich wollte ich gar nichts dazu schreiben, aber jetzt ist es so präsent und ich habe mich am Wochenende so über das Interview in der Zeit aufgeregt, dass ich etwas schreiben musste. Ich werde versuchen fünf Punkte darzulegen, welche mir besonders am Herzen liegen. Zunächst die Problematik der Logik von Thilo Sarrazin, welche hochgradig selektiv ist. Und danach möchte ich vier seiner Annahmen kurz erörtern: fehlende Ausdifferenzierung der sozialstrukturellen Dynamiken (Minderheitengröße), den kulturellen Bias, die vollkommen ungerechtfertigte Argumentation mit den Genen und letztlich die einseitige Auslegung von Gleichheit.
Get the whole story
Einige Gründe warum Thilo Sarrazin irrt
Die Schwierigkeiten auf dem Weg zur Wahrheit
Das achte Gebot lautet: “Du sollst kein falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten” (2. Buch Moses, Kapitel 20 Vers 16 nach Lutherbibel 1912). Und so einfach dieser Satz auch klingen mag, so schwierig ist doch dessen Umsetzung. Denn letztendlich bedeutet dies eine Verpflichtung zur Wahrhaftigkeit. Nun mag dies im ersten Moment kein wirkliches Problem darstellen und gern werden Kinder an dieses Gebot erinnert. Und wesentliche Bereiche unsere Gesellschaft sind scheinbar durchdrungen mit diesem normativen Ansatz: Das Rechtssystem befindet sich auf Wahrheitssuche genauso wie die Wissenschaft. Politiker fürchten die Journalisten im Wesentlichen deshalb, weil diese mit der Veröffentlichung unangenehmen Wahrheiten drohen können. Die Wahrheit ist ein mächtiges Schwert in unserer Gesellschaft! Aber was bedeutet Wahrheit eigentlich? Get the whole story
Butler auf dem CSD: Politisch ist anders!
Dass der Berliner Mainstream-CSD schon seit einigen Jahren keine politische Veranstaltung mehr ist, kann niemandem entgangen sein. Zu Abba-Hits im schrägen Elektro-Megamix wackeln sich Boys und Bären, Butches und Femmes in knappen Karnevalskostümen durch die halbe Stadt zur Siegessäule (und dieses Jahr weiter zum Brandenburger Tor), den neuesten Alkopop in der einen und die heiß gelaufene Digicam in der anderen Hand. Grundsätzlich wäre gegen eine halbnackt gefeierte, sommerliche Open-Air-Disko ja auch überhaupt nichts einzuwenden, würde sie nicht an die gefährlichen Demonstrationen von Schwulen und Lesben gegen die gewaltsamen Razzien in Homoclubs im New York der 60er Jahe erinnern und davon ausgehend für die Rechte Homosexueller in unserer Gesellschaft eintreten wollen.
Get the whole story
Neu: iHomophob by Apple
Bisher habe ich das Geschrei um Apples rigide Zensurpolitik eher belustigt als besorgt verfolgt. Ähnlich wie Cäsar in der Arena entscheiden die kalifornischen Designkönige mit Daumen hoch oder Daumen runter über Sein oder Nicht-Sein von Anwendungen, e-Books oder elektronischen Magazinen in ihrem App-Store. Mitunter geht es dabei auch um Leben und Tod der kleinen Entwicklerfirmen, die in die Programmierung ihrer Software speziell für die Apple-Geräte viel Geld gesteckt haben, nun aber wegen Daumen runter damit keines verdienen dürfen. Die antiquierten, ja geradezu biederen Vorstellungen von Moral und Züchtigkeit, die aus vielen dieser Entscheidungen sprechen, beispielsweise aus jener, das barbusige Bild-Mädchen auf Seite 1 einen Bikini anzuziehen, kommen mir zwar geradezu lächerlich bevormundend vor, haben mich aber bisher nicht besonders aufgeregt.
Get the whole story
Fußball lehrt uns mehr als nur das Spiel mit dem Ball!
In der Halbzeit des Fußballspiels Deutschland gegen Australien kommentierte Kathrin Müller-Hohenstein das Tor von Miroslav Klose mit den Worten: “Und für Miroslav Klose: ein innerer Reichsparteitag, jetzt mal ganz im Ernst, dass der heute hier trifft” (Youtube, Der Spiegel, n-tv.de). Ich selbst war entsetzt und konnte nicht wirklich glauben, was ich da gerade gehört hatte. Mir kamen aber auch sofort einige Zweifel, weil mir die Redensart nicht vollkommen neu war. Deshalb habe ich ein wenig zum Begriff recherchiert. Get the whole story
Die Quittung kommt am Ende!
Was zum Teufel passiert da gerade in unserem Land? Man könnte ja den Eindruck gewinnen, dass die große Flucht vom sinkenden Schiff einsetzt. Roland Koch tritt zurück, weil Politik nicht sein Leben ist und Horst Köhler vermisst den Respekt vor seinem Amt. Beides sind sehr legitime Gründe sich aus der Politik zurückzuziehen. Aber selbst wenn ich mich nicht dem Echo in den Medien anschliessen will, so drängt sich mir doch der Eindruck auf, dass es ein wenig drunter und drüber geht. Und um ganz ehrlich zu sein, weiss ich gar nicht recht was ich davon halten soll, aber vielleicht kann mir ja jemand helfen ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen?!
Pack die Kettensäge weg!
Ron hat in seinem Beitrag vollkommen richtig auf drei grundsätzlich Fragen verwiesen und ohne Zweifel mag die Kettensäge für verwilderte Bäume ein adäquates Werkzeug sein, allerdings bezweifele ich die Angemessenheit im Zusammenhang mit Einkommensumverteilung oder Restrukturierung unseren politischen oder wirtschaftlichen Systems. Ich will es an zwei der drei Themen verdeutlichen, die Ron bereits diskutierte.
Mit der politischen Kettensäge gegen Wildwuchs: Ein Ausweg?
Alex’ ausführliche Analyse vom Donnerstag, gibt viele Antworten und Einblicke. Aber sie wirft auch Fragen auf. Und zwar sehr grundsätzliche:
1. Warum ist Umverteilung so schwierig?
2. Wer ist der Staat?
3. Wer oder was ist die EU?
Die Dreifaltigkeit politischer Irrwege
Das Hauptargument in Rons Artikel von letzter Woche ist, dass Strukturprobleme in unserer Wirtschaft dazu führen, dass Kapitaleigner sich durch wildes Spekulieren an den Kapitalmärkten bereichern. Und dass beim Kollaps der Steuerzahler die Verluste kompensiert. So sehr wie ich mit diesem Argument übereinstimme, muss ich doch auch ein wenig auf gewisse Annahmen hinweisen, welche in Rons Argumentation getroffen werden. Zunächst fußt die Argumentation auf nationalen, binneneuropäischen und internationalen Problemen, welche im entsprechenden Kontext diskutiert werden müssen. Deshalb möchte ich mich ein wenig mehr analytische Trennschärfe bemühen.
NEU: Alle Richtungen
Obwohl es die Anzahl der Kommentare nicht vermuten lässt, erfreut sich dieser Blog einer hartnäckigen Stammleserschaft, die sogar in Durstrecken ohne neue Beiträge nicht das Interesse verliert sondern Ermutigungsmails schreibt: Weiter! Öfter! Schneller! Mehr!
Das Interesse dieser Menschen – Ihr Interesse! – ist wertvoll und ich will es pflegen.
Ab sofort gibt es außer mir, Ron, zwei weitere Autoren, die auf kopfkompass.de veröffentlichen: Alex und Klemens. Beide sind enge Freunde von mir, mit denen ich viel über die Themen diskutiere, die ich bisher hier besprochen habe. Diese Themen sollen – wie hoffentlich viele neue – auch weiterhin hier besprochen werden. Aber eben nicht länger nur von mir. Was ist ein Kompass wert, der nur in Richtung zeigt?
Willkommen an Bord. Und: Vorwärts! In alle Richtungen.

